Schlieren

Jungunternehmen begeben sich in den Kampf der Geschäftsideen

Pitch-Battle im Start-up Space Schlieren

Pitch-Battle im Start-up Space Schlieren

Von der biologisch abbaubaren Rollstuhl-Toilette über ein Macademia-Wasserreinigungsgerät bis hin zum Abfallschaum. Schweizer und südafrikanische Jungunternehmen messen sich und ihre Geschäftskonzepte in Schlieren

Neben der Sonne, die durch die Glasfront des Sony-Gebäudes am Schlieremer Bahnhof scheint, wärmen auch die über 60 Zuschauer den Raum auf. Hitzig dürfte es auch in den Köpfen der 20 Jungunternehmer aus der Schweiz und Südafrika zu- und hergehen. Sie nehmen an einem Pitch-Battle teil. Dabei müssen sie innerhalb von nur 60 Sekunden ihre Geschäftsidee treffend auf den Punkt bringen, sodass mögliche Investoren ihr Geld in das Start-up stecken möchten. Keine leichte Aufgabe, wie manche nervös wirkende Jungunternehmer noch merken werden.

Veranstaltet wird der Anlass von Donnerstagabend im Start-up Space von Venturelab. Unter der Ägide der Universität Basel wurden zehn südafrikanische Start-ups in die Schweiz geladen, um den hiesigen Markt kennenzulernen und ihre Pitches an den europäischen Markt zu adaptieren. Zuvor reisten zehn Schweizer Jungeunternehmer nach Südafrika.

Das Battle funktioniert nach dem K. O.-Prinzip. In Vorrunden treten jeweils fünf Jungunternehmer gegen ihre Landsleute an, daraus gehen insgesamt vier Gewinner hervor. Diese zu finden ist nicht einfach, denn: Es nehmen helle Köpfe teil. Etwa Portia Mavhungu, die mit ihrem Unternehmen PRD Logical Solutions, die sogenannte Para-Tube herstellt. Dabei handelt es sich um eine biologisch abbaubare Toiletten-Einlage, die auf jeden Rollstuhl passt. Die Unternehmerin selbst war einige Zeit auf den Rollstuhl angewiesen und kam auf die Geschäftsidee. «Ich fragte mich, wie könnte man das Leben von Menschen, die permanent im Rollstuhl sind, verbessern.» Und dann ist Mavhungus Minute auch schon wieder um.

Kusini Water, repräsentiert durch Murendini Mafumo, ist an der Reihe. Er stellt Geräte her, mit denen Wasser gereinigt werden kann. Dies jedoch nicht mithilfe von Chemikalien, sondern mit Schalen von Makademianüssen. Die Zielgruppe lebt in Gebieten, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind, wie er sagt. Und auch seine Minute ist vorüber.

Es folgen weitere Minuten, in denen sich etwa ein Jungunternehmen zeigt, das die Social-Media-Profile von Jobbewerbern nach roten Flaggen durchforstet, oder eines, das ökoverträgliche Metallöfen herstellt. Auch hier sollen die Einwohner der ruralen Gebiete Afrikas als Abnehmerinnen und Abnehmer dienen, da die Öfen ohne Stromzufuhr funktionieren.
Die Spannung steigt. Denn mittels Online-Voting können die Zuschauer via Smartphone die fünf Vorträge bewerten. Live werden die Ergebnisse an die Wand gebeamt. Prozentbalken schieben sich nach vorne und wieder zurück. Die Wasserreinigung mit Macademia-Hülsen überzeug. Murendini Mafumo ist eine Runde weiter.

Designs dank Oqtor

Nun sind die Schweizer Start-ups an der Reihe. Etienne Jeoffroy von der ETH Zürich etwa erklärt innert einer Minute, dass sein Unternehmen FenX aus Abfall und natürlichen Materialien einen porösen Schaum herstellen kann, der zur Hausisolation verwendet wird. Applaus. Weiter geht es mit Amin Kasimov. Er bedient sich bei seiner Präsentation einer rhetorischen Frage. Vom Publikum will er wissen, wer sich selber als schlechten Designer bezeichnen würde.

Sein Unternehmen Oqtor bietet ein Tool, das mithilfe von künstlicher Intelligenz Designs generiert. «Zugeschnitten auf die Corporate Identity ihres Unternehmens», so Kasimov. Aktuell könne das System Visitenkarten erstellen, innert weniger Monate seien aber die Gestaltung ganzer Social-Media-Auftritte denkbar. Wieder Applaus. Erneut werden die 60 Zuschauer nach ihrer Meinung gefragt.

Grosse Preise winken den Jungunternehmern nicht. Gewinnen sie eine Vorrunde, erhalten sie eine Toblerone-Schokolade. Viel wertvoller dürfte jedoch die Übung in Sachen Präsentation und Auftreten sein wie auch die Möglichkeit, sich mit gleichgesinnten auszutauschen. Die Ergebnisse sind da: MPower, ein Start-up, das eine Technologie und eine Software entwickelt hat, mithilfe derer abgelegene Gebiete mit Strom erschlossen werden können, trägt den Sieg in der Schweizer Gruppe davon.

Im grossen Finale pitchen die vier Gewinner – jeweils zwei aus Südafrika und zwei aus der Schweiz – nicht mehr ihre Business-Idee, sondern bringen auf den Punkt, was sie derart einzigartig macht, dass sie gewinnen sollten. Das Rennen mach Murendini Mafumo mit der Macademia-Wassersäuberungstechnik. Sein Preis: eine Flasche Prosecco.

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