Nachwuchstalent
Junger Schlieremer Karateka träumt von den Olympischen Spielen

Karateka Ramón Limacher aus Schlieren hat als Jüngster den Sprung ins U16-Nationalteam geschafft. Er gehörte am nationalen Talentsichtungstag zu den besten und ergatterte sich deshalb eine der sechzig «Swiss Olympic ­Talent Cards».

Maurus Held
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Seit letztem Jahr trainiert Ramón Limacher in Zürich.

Seit letztem Jahr trainiert Ramón Limacher in Zürich.

zvg

Können Olympischen Sommerspiele wie geplant in Tokio stattfinden, wird Karate dieses Jahr ausgerechnet in seinem Ursprungsland erstmals olympisch. Für viele Schweizer ist das wahrscheinlich eine Randnotiz. ­Ramón Limacher aus Schlieren wird dagegen hellhörig: Sein grosses Traum ist, eines Tages selbst teilnehmen zu können. Der Zehnjährige widmet sich seit seinem vierten Lebensjahr den Karatevarianten Kata und Kumite. Bei ersterer werden die verschiedenen Kampftechniken einzeln trainiert; Kumite ist der eigentliche Kampf.

Sein Talent blitzte schon früh auf

Seine ersten Techniken hat Ramón bei den «Lil Dragons» gelernt, ein Einstiegsprogramm für junge Kinder im «Nippon Training» in Urdorf. «Eines ­Tages lag in unserem Briefkasten ein Werbeflyer des Karateklubs. Meine Mutter dachte, das könnte mich noch interessieren, und hat mich spontan für ein Probetraining angemeldet.» ­Karate sagte ihm tatsächlich zu und schon früh blitzte sein Talent auf. In der ­Folge belegte er bei verschie­denen Kata- und Kumite-­Wettkämpfen in seiner Altersklasse den ersten Platz.

Karate in der Schweiz

Schweizweit gibt es rund 270 Karatevereine und 11'000 lizenzierte Karateka. Davon sind rund 700 Leistungssportler und etwa 12 Spitzensportler. «Diese können vom Karate aber nicht leben», sagt Roland Zolliker, Präsident der Swiss Karate Federation (SFK). «Selbst die besten internationalen Turniere zahlen nur kleine Preisgelder. Karate ist nun mal eine Randsportart.»

Talentbescheinigungen ­gelten jeweils nur für ein Jahr

Trotz seines jungen Alters hat Ramón nun bereits die nationale Spitze im Visier. Daher trainiert er seit letztem Jahr in der Ken-Shi-Kai-Karateschule in Zürich Schwamendingen bei Hakki Güldür, seinem neuen «Sensei». Damit wird der Lehrmeister bezeichnet, auf Japanisch heisst es im engeren Sinn «Lehrer des Weges». Ausgerechnet im vergangenen Jahr, als Ramón alterstechnisch erstmals startberechtigt gewesen wäre, musste die Swiss Karate Federation (SKF) all ihre Turniere absagen. So blieb ihm seine erste Chance verwehrt, sich mit guten Leistungen für die Schweizer Meisterschaften zu qualifizieren.

Immerhin konnte er im vergangenen Oktober an einem nationalen Talentsichtungstag der SKF teilnehmen. Dort werden junge Nachwuchskarateka auf ihre physischen und psychologischen Fähigkeiten hin getestet. Ramón gehörte zu den besten und ergatterte sich deshalb eine der sechzig «Swiss Olympic ­Talent Cards». 2021 wird er sich aber erneut beweisen müssen: Die Talentbescheinigungen ­gelten jeweils nur für ein Jahr.

Nebenbei führt er ein ­Trainingstagebuch

Bis dahin ermöglicht ihm die «Talent Card» einen Platz in der Kata-Nachwuchsnationalmannschaft. Mit seinen zehn Jahren ist Ramón Teil des neunköpfigen U16-Teams. Die Anforderungen sind nicht ohne: «Eine normale Woche besteht aus acht Stunden Karatetraining. Hinzu kommen zwei Stunden Athletik und Beweglichkeit sowie drei Stunden ­allgemeine sportliche Aktivitäten», sagt der Karateka. Nebenbei führt er ein Trainings­tagebuch; auch sein Ess- und Schlafverhalten werden dabei unter die Lupe genommen. «Ich will nun mal Profi werden», sagt der Schlieremer.

Auf der Suche nach externen Geldgebern

Der Weg dorthin verlangt aber nicht nur viel Disziplin, sondern auch viel Geld. Ramóns Eltern haben bisher alle Reisekosten und Turniergebühren selbst finanziert. «In Zukunft möchte ich auch im Ausland kämpfen. Im Juni findet ein ­Trainingslager in Kroatien statt, bei dem ich mich mit anderen Kindern aus aller Welt messen kann.» Aus diesem Grund ist der junge Karateka nun auf der Suche nach externen Geldgebern, die eine Patenschaft der Stiftung Schweizer Sporthilfe übernehmen und ihn damit auf seinem Weg Richtung Olympische Spiele unterstützen.

Informationen zur möglichen Patenschaft und Ramón ­Limachers Athletenporträt sind auf www.sporthilfe.ch zu finden.