Junger Mann schwatzt verliebten Frauen Geld ab

Der Mittzwanziger muss viereinhalb Jahre hinter Gitter. Das Zürcher Obergericht bestätigt ein Urteil der Vorinstanz.

Patrick Rudin
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«Was haben sie denn die letzten eineinhalb Jahre gemacht?», wunderten sich die Richter am Zürcher Obergericht. Da und dort mal bei Kollegen ausgeholfen, um etwas Sackgeld zu verdienen, erklärte der 26-jährige Mann kleinlaut. Es war nicht so ganz das, was das Gericht hören wollte, und die Stimmung im Gerichtssaal wurde während der Befragung nicht besser.

Bei Fastfood-Ketten habe er sich beworben, er würde auch putzen gehen, betonte der 26-Jährige. «Aber ich muss halt auch einen gewissen Betrag verdienen, um meine Schulden zurückzahlen zu können. Es bringt mir nichts, wenn ich halbbatzige 1500 Franken verdiene, ich muss den Geschädigten das Geld ja zurückzahlen», erklärte er mehrmals. «Ich kann nicht im Stundenlohn arbeiten, ich muss einen festen Job haben». Seit der Entlassung aus der Untersuchungshaft gehe es ihm auch schlecht, er habe psychische Probleme. Im Moment wohnt er gratis bei seiner Schwester im Kanton Baselland.

Er sprach von Liebe – und nahm die Frauen aus

Im November 2019 verurteilte das Bezirksgericht Zürich den Mann wegen gewerbsmässigen Betrügereien, Erpressungen und weiterer Delikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Die Delikte liegen knapp drei Jahre zurück: Über Sexdating-Apps bandelte der Mann aus Zürich mit älteren Frauen an. Er sprach von Liebe, verlangte aber mit Lügengeschichten rasch Geld. Mehrere Frauen finanzierten seinen Lebensstil. Einer 51-Jährigen nahm er beispielsweise über 20000 Franken ab. Wo das Geld, insgesamt weit über 200000 Franken, geblieben ist, ist unklar. Die Frage kam vor Obergericht erneut auf. Der Beschuldigte wollte dazu nichts sagen.

Auf die Frage einer Richterin beteuerte er aber, es gebe ausser den ermittelten Betrugsfällen keine weiteren Frauen, die er ausgenommen habe. Nebst Betrug kamen aber auch Verurteilungen wegen Erpressung dazu, als er etwa damit drohte, sich mit einem Messer etwas anzutun, wenn er kein Geld mehr erhalte. Wie hoch seine Schulden genau sind, wusste er nicht. «Irgendwo zwischen 200000 und 300000 Franken.»

Die meisten Delikte hatte der Mann zugegeben, vor dem Obergericht ging es einzig um die Strafzumessung: Der Verteidiger fand, entlastende Momente seien zu wenig berücksichtigt worden, und er versuchte, das Strafmass zumindest in den teilbedingten Bereich zu drücken: 30 Monate, davon 10 Monate unbedingt, so sein Antrag.

Kein Grund für eine mildere Strafe

Doch das Dreiergericht wollte davon nichts wissen. Es bestätigte das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vollständig. Es bleibt damit bei einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. «Es besteht kein Grund, Ihr Verschulden milder zu beurteilen als die Vorinstanz», kommentierte Gerichtspräsident Stefan Volken. Er betonte, selbst bei einem milderen Strafmass mit der theoretischen Möglichkeit des bedingten Vollzuges hätte ihm das Gericht diesen wohl nicht gewährt. «Sie haben heute einen schlechten Eindruck gemacht.»

Immerhin habe der Mann im Strafvollzug nun die Möglichkeit eine Berufslehre zu machen, merkte Volken an. Der 26-Jährige kann das Urteil noch ans Bundesgericht weiterziehen, dort werden allerdings lediglich Rechtsfragen oder grobe Verfahrensfehler beurteilt.