Die Tische sind gedeckt, das Menü gedruckt und das neue Team des Stürmeierhuus eingearbeitet. Der Wiedereröffnung des traditionsreichen Restaurants am kommenden Sonntag steht nichts mehr im Wege.

Getan hat sich nach der Schliessung Ende Oktober 2014 einiges. Kein Wunder, dass da so mancher Schlieremer schon während den Umbauarbeiten neugierig den Kopf zur Tür hinein streckte. Dabei konnte er neben dem frisch renovierten Interieur auch viele neue Gesichter entdecken. «Dass ich als Betriebsleiter gerade einmal 28 Jahre alt bin, überraschte vor allem die ältere Generation», sagt Thomas Unger. Sie hätten aber durchwegs positiv reagiert. Ein gutbürgerliches Restaurant passe nämlich sehr wohl zu ihm. Auch wenn er als Gast moderne Restaurants genau so möge, bevorzuge er zum Arbeiten eine heimelige Atmosphäre.

Der Zürcher wird das das 20-köpfige Küchen- und Serviceteam in Schlieren leiten. Nachdem er schon das Restaurant «Max und Moritz» geführt hat und in der Projektleitung für Nordwestschweizer Firma tätig war, freut sich Unger auf seine neue Herausforderung.

Auserwählt wurde Unger von der Stiftung Arbeitskette, die das geschichtsträchtige Wirtshaus nach der Schliessung übernommen hat. Zu ihr gehören bereits die Restaurants Limmathof, Renggergut, Mediacampus, Brunegg und Krone – allesamt in Zürich. Die fünf Lokale stehen unter der Leitung von Gastronomieprofis und werden von Fachpersonen aus dem psychosozialen Bereich unterstützt. Denn die meisten Arbeitsplätze und Lehrstellen sind Menschen mit IV-Leistungen vorbehalten. Im Rahmen eines Förderplans trainiert und betreut die Stiftung die beeinträchtigten Menschen und fördert ihre Eingliederung in die freie Wirtschaft.

Das eigene Wissen weitergeben

Unger freut sich, jungen Erwachsenen in der Ausbildung sein eigenes Wissen und Handwerk weitergeben zu können. Da er selbst zu Beginn seiner Karriere eine Kochlehre absolviert habe, könne er sich gut in die jungen Menschen hineinversetzen. Jeden Mitarbeiter ein Stück auf seinem Weg zu begleiten, deren Selbstbewusstsein zu stärken und ihnen bei den Vorbereitungen für die Abschlussprüfungen zu helfen, bereite ihm Freude. Gleichzeitig sei es aber auch seine Aufgabe, die Lehrlinge auf die Aussenwelt vorzubereiten. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass in so mancher Gastronomieküche ein ziemlich rauer Wind herrsche.

Er selbst sei aber kein klassischer Chef alter Schule. Viel mehr pflege er einen kooperativen Führungsstil. Er packe überall mit an, wo es gerade nötig sei und sei sich für nichts zu schade.

Es sei ein Mix aus Begeisterung und Geduld, der für die Aufgabe als Betriebsleiter entscheidend sei. «Ist man selbst mit Freude bei der Arbeit, überträgt sich das auf das gesamte Team», so Unger. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, sich Zeit zu nehmen für jeden Einzelnen. Dass beeinträchtigte Angestellte hier und dort mehr Unterstützung und Zeit bräuchten, sei für ihn ganz klar.

Saisonale und regionale Küche

Neu ist aber nicht nur das Team im Stürmeierhuus. Auch das Konzept wurde überarbeitet. «Wir setzen auf saisonale und regionale Produkte, die wir frisch zubereiten», so Unger. Die Spezialität sei ein Fondue Chinoise, für das acht Saucen zubereitet und sogar die Bouillon hausgemacht werde. Eine weitere Delikatesse sei das Schweizer Poulet im Chörbli mit Pommes frites und hausgemachtem -Ketchu. Die Küche sei gut bürgerlich, jedoch kämen Vegetarier ebenfalls auf ihre Kosten. Jeden Mittag gebe es ein vegetarischen, ein veganes und ein glutenfreies Menu. Sogar das Fondue werde auch fleischlos angeboten. Anstelle von Fleisch kann gegrilltes Gemüse und Tofu getunkt werden. «Wir hoffen, dass die Gäste die Qualität zu schätzen wissen», sagt Unger. Heute sei es leider nicht mehr selbstverständlich, dass beispielsweise Kuchen, Bouillon und Saucen von Grund auf frisch produziert werden. Quartierbewohner und Vereine sollen sich angesprochen und wohlfühlen. Ebenfalls soll das Stürmeierhuus ein Haus für Feste und Grossanlässe bleiben, sagt Unger.

Der neue Betriebsleiter ist überzeugt, dass das neue Konzept gut ankommen wird. Noch selten habe er ein solch grosses Echo aus der Bevölkerung erlebt wie in Schlieren. Tagtäglich komme er ins Gespräch mit verschiedenen Passanten, die neugierig sind, was ihnen mit der Wiedereröffnung alles geboten und was es alles an kulinarischen Köstlichkeiten geben wird.

Das Stürmeierhuus eröffnet am kommenden Sonntag und wird in den ersten Monaten sieben Tage in der Woche geöffnet sein. Am Montag bis Samstag jeweils von 8.30 Uhr bis 23.30 Uhr und am Sonntag von 9 Uhr bis 16 Uhr.