Dietikon

Junge setzen sich für Ältere ein und fordern günstiges Wohnen im Limmattal

Wohnraum wird in Dietikon mit Neubauten dem Limmattower immer teurer. Dagegen wollen Junge etwas tun.

Wohnraum wird in Dietikon mit Neubauten dem Limmattower immer teurer. Dagegen wollen Junge etwas tun.

Nachwuchspolitiker fordern vom Dietiker Stadtrat, bezahlbaren Wohnraum zu fördern. Denn vor allem Pensionierte leiden unter immer teureren Mieten. «Eine Schande», findet die Gruppe um die 24-jährige Aurora Melo Moura.

Eine Gruppe junger Dietikerinnen und Dietiker setzt sich für günstigere Wohnungen ein – vor allem für Pensionierte. Denn Dietikon wächst rasant. Statistisch gesehen und in die Höhe. Neue Überbauungen im Limmatfeld und im Niederfeld beschleunigen diesen Prozess, der Bau der Limmattalbahn sowieso. Sie soll das Limmattal attraktiver machen.

Das treibt die Mieten in die Höhe. Für die Gruppe um Aurora Melo Moura ist das ein Warnzeichen: «Unsere Stadt soll bezahlbar bleiben», finden sie und lancieren deshalb die Initiative «Bezahlbares Wohnen in Dietikon».

Die Initiative fordert, dass bis ins Jahr 2050 ein Viertel aller Mietwohnungen im Eigentum von gemeinnützigen Wohnbauträgern wie Genossenschaften sein soll. Weil sich deren Kostenmiete mit dem Betrag deckt, den Genossenschaften in die Wohnung investieren, profitieren Bewohnerinnen und Bewohner von tieferen Mietzinsen als im übrigen Wohnungsmarkt.

In Dietikon aufgewachsen und dem Limmattal verbunden

Gleichzeitig mit der Initiative setzt sich das Komitee für eine nachhaltige und faire Stadtentwicklung ein. Die Jugendlichen fordern den Stadtrat auf, sich für eine ökologisch verträgliche und sozial gerechte Stadtentwicklung einzusetzen. Die Petition kann ab heute unterschrieben werden – von allen in Dietikon wohnhaften Menschen, egal ob mit oder ohne Stimmausweis, ob alt oder jung.

«Ein Grossteil von Dietikon ist nicht stimmberechtigt und hat kein politisches Mitspracherecht», sagt Aurora Melo Moura. «Die Petition ermöglicht es auch ihnen, auf dieses Problem aufmerksam zu machen.» Mithilfe der gesammelten Unterschriften soll dem Stadtrat klar gemacht werden, dass etwas getan werden müsse.

Das Initiativkomitee um Aurora Melo Moura (Brille).

Das Initiativkomitee um Aurora Melo Moura (Brille).

Entstanden ist das Projekt schon vor gut einem Jahr. «Wir sind eine Gruppierung von jungen Leuten, die Interesse am politischen Geschehen haben», sagt Melo Moura. Viele Jugendliche hätten vor der Politik eher Respekt, finden die Parteien zu «stier». «Wir möchten offener sein und uns unabhängig von Parteien für das einsetzen, was uns wichtig ist.» Die jungen Erwachsenen sind in Dietikon aufgewachsen, fühlen sich mit dem Limmattal verbunden. Und sie haben mitbekommen, wie sich ihre Heimat verändert hat.

Das Wachstum hat hohe Kosten zur Folge. Wachstum bedeutet mehr Schulen, Strassen, Pärke und öffentlicher Verkehr. Die zusätzliche Infrastruktur wird durch den Steuerzahler finanziert. Weil die Gemeinden dadurch attraktiver werden, steigen die Mietzinse. Das hat weitere Kosten zur Folge. «Die Wohnmiete belastet die Haushalte am stärksten», sagt Melo Moura. «Günstigere Mieten stellen also eine grosse Entlastung dar.»

«Ältere können sich ihr Daheim nicht mehr leisten»

Viele aus ihrem Umkreis seien derzeit in einem Alter, in dem sie aus dem Elternhaus ausziehen wollen – auch die 24-jährige Melo Moura. Doch das gestaltet sich schwierig: Trotz einer Ausbildung sind viele Wohnungen zu teuer.

Die hohen Mieten treffen aber nicht nur die Jungen: «Wir sind noch nicht so stark mit Dietikon verwurzelt wie unsere Grosseltern», sagt Melo Moura. «Ich kenne ältere Menschen, die wegziehen mussten, weil sie sich ihr Daheim hier nicht mehr leisten konnten.»

Für die Gruppierung eine Schande: «Menschen, die jahrelang mit Steuergeldern und Engagement zum Leben unserer Stadt beigetragen und ihr ganzes Leben hier verbracht haben, werden aus ihren Quartieren verdrängt. Das darf nicht sein.»

Das Thema beschäftigt in der ganzen Schweiz

Das Komitee will deshalb bezahlbaren Wohnraum fördern. «Gemeinnützige Wohnbauträger gewährleisten eine gute Durchmischung, bauen innovativer und ökologischer», sagt Melo Moura. Davon könnten folglich nicht nur die Mieter sondern die gesamte Stadt profitieren. Mit dieser Idee sind sie nicht alleine: Am 9. Februar stimmt das Volk über die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes ab. Dieser fordert, dass der Anteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus an neu gebauten Wohnungen bei mindestens 10 Prozent liegen soll.

Die Dietiker fordern mehr: 25 Prozent. «Dietikon wächst schneller. Die Gefahr ist hier grösser, dass es immer teureren Wohnraum gibt als in irgendeinem Dorf im Jura», sagt Melo Moura. Das Thema beschäftigt. Schweizweit. Das sei auch gut so.

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