Dietikon
Junge Fotografin schafft es in die Schweizer Fotografen-Bibel

Die Fotografin Sena Haralcic aus Dietikon hat es mit ihren Bildern ins Buch «The Look of Switzerland» geschafft. Sie selbst versteckt sich lieber hinter der Kamera. Viel lieber lässt sie ihre Kollegin, Nina Hamziz, posieren.

Katja Landolt
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Aufnahme von Sena Haralcic
7 Bilder
Fotografin Sena Haralcic fotografiert die Natur

Aufnahme von Sena Haralcic

Sena Haralcic ist fotoscheu. Wie alle Fotografen versteckt sie sich lieber hinter der Kamera, als davor im Blitzlicht zu stehen. Dabei hat die Dietikerin den Ruhm verdient: Mit zwei ihrer Bilder hat sie eine Jury aus Profifotografen überzeugt und es ins Buch «The Look of Switzerland» geschafft.

Wie ist sie zum Fotografieren gekommen? «Ich bin nicht zum Fotografieren gekommen – das Fotografieren ist zu mir gekommen», sagt Haralcic und lacht. Vor eineinhalb Jahren hatte eine modelnde Kollegin eine Set-Card gebraucht und sie kurzerhand als Fotografin eingespannt. Da habe es ihr den Ärmel reingenommen: «Ich konnte gar nicht mehr aufhören mit dem Fotografieren.»

Porträtaufnahme, fotografiert von Sena Haralcic aus Dietikon
9 Bilder

Porträtaufnahme, fotografiert von Sena Haralcic aus Dietikon

Die Schönheit jedes Einzelnen

Haralcic fotografiert am liebsten Personen. «Ich mag Menschen und finde es spannend, in den Bildern die Schönheit jedes Einzelnen herauszuarbeiten.» Klassische Schönheiten interessieren sie dabei nicht, sie mag das Raue, Natürliche, Menschen mit Ecken und Kanten. «Ich will bildlich darstellen, wie eine Person auf mich wirkt; das ist die grosse Herausforderung.» Hauptsächlich porträtiere sie Frauen. «Da fühle ich mich freier.»

Den Zufall komponiert

Haralcics Gewinnerbilder bestechen durch die Farben. Alles stimmt, wie zufällig: das Türkise des Prime Towers, das Rot von Vespa, Baustellenlatten, Schuhen, Hosenträgern und Hosenknopf, das Grün der Leuchtreklame. Doch Fotografen verlassen sich selten auf den Zufall, die Bilder sind komponiert. Und auch die Location hat Haralcic nicht zufällig gewählt. Hier war sie als Jugendliche unterwegs, hier kennt sie sich aus. Und der Prime Tower im Hintergrund ist für sie ein Glücksfall, farbtechnisch und architektonisch. «Er wird immer mehr zu Zürichs Wahrzeichen. Ausserdem gefällt mir der Kontrast zwischen Moderne und dem Dreckigen und Dunklen der Baustelle.»

Das Model ist der Fotografin beste Freundin

Das Model ist Haralcics beste Kollegin, Nina Hamzic. Einen ganzen Tag lang hat sie posiert; ist auf Baumaschinen herumgeturnt, hat auf offener Strasse gesungen, mit dem Roller posiert. «Sie hat keine Hemmungen», sagt Sena Haralcic, lacht und fügt an: «Der Fotograf ist eben nur so gut, wie das Model im Sucher.»

Dass sie mit ihren Bildern im Buch «The Look of Switzerland» vertreten ist, ehrt die angehende Journalismus-Studentin. «Ich war sehr überrascht, als ich es erfahren habe.» Schliesslich seien schweizweit über 830Fotografen ausgeschwärmt und hätten über 6500Bilder eingereicht. Ausgesucht wurden die 100besten Porträtbilder von einer hochkarätigen Jury. Dabei gleich zwei Mal ausgewählt zu werden, hat Haralcic sehr gefreut. «Das hat mir gezeigt, dass das, was ich mache, so schlecht nicht sein kann.» Und das spornt an.

Fotografieren auf der einsamen Insel

«Ich werde ganz sicher weiter fotografieren», sagt sie. Und sie hat grosse Träume: Am liebsten würde Haralcic jemanden auf einer einsamen Insel fotografieren. «Im Piraten-Stil und mit satten Farben, türkisfarbigem Meer und Urwald im Hintergrund.»