«Das Fischen ermöglicht Kindern und Jugendlichen einen Ausgleich zum Alltag. Dabei lernen sie, die Achtung vor dem Tier zu wahren», sagt Denis Moritzi, Fischer aus Dietikon und seit dem Jahr 2000 Mitglied im Fischereiverein 1883 Zürich (FVZ).

Dass der Schweizer Tierschutz kürzlich ein Mindestalter von 16 Jahren für Fischer gefordert hat, findet er übertrieben. Die Tierschützer argumentieren, dass das Töten einerseits eine gewisse Verantwortung erfordere und dass es andererseits bei Kindern zu einer Abstumpfung gegenüber tierischem Leid führen könne.

Moritzi ist Jungfischerei-Obmann im FVZ und als solcher zuständig für rund 15 Jungfischer im Alter von sieben bis 18 Jahren. Er ist überzeugt, dass das Fischen Kindern und Jugendlichen ermöglicht, die Natur besser kennenzulernen und mit ihr vertrauter zu werden. Dazu gehöre nicht nur den Fisch zu fangen, sondern auch das Töten der Tiere, sagt der Dietiker: «Natürlich ist mit dem Fischen eine grosse Verantwortung verknüpft.»

Darum liesse der Verein die Kinder im Alter von sieben Jahren die Fische auch nicht selber töten. Der Betäubungsschlag auf den Kopf und der Kiemenschnitt, der darauf folgt, werden zuerst einige Male vorgezeigt. Bis sie ein Alter von zwölf Jahren erreicht haben, sei immer eine Begleitperson dabei. Trotzdem sei es unproblematisch, dass Jugendliche ab dreizehn Jahren die Fische selber töten. Sie hätten in diesem Alter bereits genug Erfahrung und Selbstbewusstsein, um diese Aufgabe gewissenhaft zu übernehmen.

Das Töten der Fische schrecke die Kinder und Jugendlichen im Übrigen nicht vom Fischen ab, sagt Moritzi: «Sie wollen alles über das Hobby lernen, auch die Betäubung und der Kiemenschnitt, denn das gehört dazu.» Einige von ihnen seien sowieso von klein auf mit dem Angeln vertraut, da auch ihre Eltern dieser Freizeitbeschäftigung nachgehen.

Dieser Akt sei Teil des natürlichen Umgangs mit dem Tier. «Da sind gewaltverherrlichende Videospiele oder Filme und deren Einfluss auf die kindliche Psyche eher zu kritisieren», so Moritzi. Die Kinder würden beim Fischen ja nicht allein mit dem Messer herumhantieren und den Fisch willkürlich verletzen, sodass er leidet. Um genau dies zu verhindern, müsse immer eine Begleitperson dabei sein. Sie würden dafür sorgen, dass die Tötung fehlerfrei verläuft, so Moritzi.

Kritischer beurteilt der Limmattaler Jungfischerei-Obmann das Freiangeln. Er kann sich vorstellen, dass dabei eher Verstösse gegen den Tierschutz vorkommen. Wer fischen will, muss gemäss eidgenössischer Fischereiverordnung im Besitz eines Sportfischer-Brevets oder des Sachkundenachweises (Sana-Ausweis) sein.

Das Freiangelrecht, ein kantonales Recht, erlaubt es aber, am Zürich-, Greifen-, Pfäffiker- und Türlersee auch ohne Patent vom Ufer aus zu angeln. Dabei ist das Alter gesetzlich nicht fesgelegt. Vorschriften betreffen lediglich die Köder, welche ausschliesslich natürlicher Art sein dürfen.

Moritzi selber hat noch nie erlebt, dass sich Laien fahrlässig verhielten oder dass etwa Kinder unbeaufsichtigt am Ufer eines Sees fischten, wie er sagt. Und selbst wenn dies vermehrt vorkäme, würde er das Problem nicht mit der Einführung des Mindestalters regeln wollen. «Ich finde es viel sinnvoller, wenn eine erwachsene und erfahrene Begleitperson das Kind beim Fischen überwacht und ihm genau zeigt, was zu tun ist», sagt er.