Uitikon

Jugendliche und Streetart-Künstler machen aus dem Ümperium ein Kunstwerk

Streetart-Künstler gaben Jugendlichen einen Workshop und zeigten ihnen, wie man sich abseits der digitalen Welt kreativ beschäftigen kann. Gemeinsam haben sie dem Vereinslokal eine neue Fassade verpasst - in legalem und geschützten Rahmen.

Adi blickt auf das Schützenhaus in Uitikon. Nur einige «Tags» – persönliche Signaturen im Stil der Graffitis – zieren die sonst monotone Fassade des Gebäudes. Neben Adi stehen weitere Jugendliche und Kinder.

Es ist noch ruhig. Kisten voller Spraydosen liegen vor dem Eingang, ein Hund pinkelt in die Büsche. Dass hier in wenigen Minuten ein Workshop mit internationalen Grössen aus der Graffiti und Streetart-Szene stattfinden wird, davon ist noch nicht viel zu spüren.

Zwei junge Männer treten in Erscheinung. Einer davon sagt: «Los, fangemer ah!» Es ist «Dr. Drax» vom Künstlerkollektiv «One Truth». Zusammen mit seinem Bruder «Pase» leitete er den Workshop vom vergangenen Samstag.

Graffiti- und Streetart Workshop in Uitikon

Graffiti- und Streetart Workshop in Uitikon

Die Kinder und Jugendlichen greifen im Beisein der Profis selber zur Spraydose und verschönern die Aussenfassade des Vereinslokals Ümperium.

Doch es geht um mehr als nur Malen, wie Dr. Drax betont: «Heute haben viele Kinder Mühe, sich alleine zu beschäftigen. Wir wollen mit solchen Workshops aufzeigen, dass es Methoden gibt, sich abseits der digitalen Medien kreativ zu betätigen.»

Schutzmaske ist ein Muss

Dr. Drax führt in das Handwerk ein und erklärt die Wichtigkeit von Handschuhen und Schutzmasken. Die Aufsätze (Caps) werden auf die Sprühdosen (Cans) gedrückt. Das typische Geräusch, das beim Schütteln der Spraydosen ertönt, ist von allen Seiten zu hören. Langsam entstehen die Bilder. «Pase» und «Dr. Drax» geben punktuell Tipps und helfen beim Feinschliff der verschiedenen Kunstwerke.

«Es ist cool, dass ich hier von den Grossmeistern der Zürcher Graffiti- und Streetart-Szene lernen kann», sagt Adi, dessen Handwerk sichtlich fortgeschritten ist und der selber gerne legal malen möchte.

Die Frage der Legalität ist in der Szene ein wichtiges Thema. Denn Graffiti und Streetart finden oft im öffentlichen Raum statt. Es werden Flächen wie Hausfassaden oder Mauern genutzt, deren Besitzer dort keine Streetart sehen möchten. Fördern solche Workshops wie derjenige in Uitikon also nicht auch das illegale Malen?

«Wir sagen den Teilnehmern ganz klar, dass man legalen Raum, beispielsweise bei sich zu Hause, nutzen sollte. Ausserdem können die Jugendlichen bei uns Graffiti- und Streetartkunst im geschützten Rahmen und auf legalem Weg kennenlernen», entgegnet «Dr. Drax». Die Crew war zu Beginn ihrer Karriere selbst im Untergrund tätig. Mittlerweile leben sie von der Kunst und erhalten Aufträge von namhaften Grosskonzernen.

Farbe statt Monotonie

Den zwei Künstlern merkt man den Spass am sozialen Engagement mit der Jugend an. Malerisch entsteht ein farbenfrohes Fest für die Augen. Zeichnungen der Profis vermischen sich mit kreativen Kreationen von Kindern und Jugendlichen. Das monotone Grau ist verschwunden.

Meistgesehen

Artboard 1