Dietikon
Jugendliche erzählen mit Galgenhumor aus der Bibel

Ein grosser Auftritt für eine alte Geschichte: 70 Jugendliche erzählen in Form eines professionell inszenierten christlichen Musicals aus der Bibel. Das Musical ist professionell, obwohl die Darsteller nur drei Tage gemeinsam üben konnten.

Sarah Fuhrer
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Bibel mit Galgenhumor
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Verzweiflung pur - Abraham fleht Gott an, ihm seine Frau zurückzugeben, die der Pharao genommen hat
Immer wieder treten einzelne Sängerinnen und Sänger heraus und geben ein Solo
Im letzten Moment wird Isaak doch noch gerettet und ein Widder geopfert
Ein Baby für Abraham
Das Gesamtbild untermalt die Verzweiflung - alles passt zusammen
Die Chorteilnehmer singen beherzt mit - teilnehmen kann jeder an den Camps
Der 16-jährige Manuel bringt die ganze Verzweiflung von Abraham zum Ausdruck
Auch Lichteffekte kommen zum Einsatz - mit Discokugeln oder Speziallicht
Auch die Instrumente werden von den Jugendlichen selbst gespielt - Querflöte, Klavier, Gitarre und Trompete sind auf der Bühne vertreten

Bibel mit Galgenhumor

Limmattaler Zeitung

«Nein, Gott, das kannst du nicht von mir verlangen!» Das Gesicht von Abraham ist vor Verzweiflung verzerrt, er schaut in die Höhe und ruft: «Ich liebe meinen Sohn doch viel zu sehr!» 60 Stimmen setzen ein, singen das, was Abraham in diesem Moment wohl fühlt und denkt. Dieser kommt zum Schluss: «Ich höre deine Stimme, Gott – du willst, dass ich ganz auf dich vertraue.»

Neben dem 16-jährigen Manuel, der Abraham spielt, stehen an diesem Abend noch 70 weitere Jugendliche für das Adonia-Musical auf der Bühne, das vom gleichnamigen christlichen Verein konzipiert wurde. Im reformierten Kirchgemeindehaus in Dietikon spielen, singen und tanzen die Jugendlichen die biblische Geschichte von Abraham und Sara: wie Abraham, von Gott gerufen, in ein fremdes Land aufbricht, wie ein Pharao Sara zur Frau nimmt und sie wieder zurückgibt, wie Sara trotz ihrer 90 Jahre noch einen Sohn zur Welt bringt und wie Abraham ihn opfern soll.

Die Schauspieler zeigen Zweifel und Freude, Wut und Erleichterung der Figuren. Die Lieder und Darbietungen sind berührend und humorvoll: «Ich wünschte, ich könnte meine Frau auch für so viel verkaufen», meint ein Diener des Pharaos, als er mit einem Kamel auf der Bühne auftaucht.

Die Texte sitzen, die Töne stimmen, die Bewegungen passen perfekt und die Lichteffekte überraschen. Das Musical ist professionell, obwohl die Darsteller nur drei Tage gemeinsam geübt haben. Eine Woche sind sie unterwegs und treten viermal zusammen auf. Insgesamt wird dieses Stück diesen Frühling 75 Mal von 18 verschiedenen Chören aufgeführt, 1200 Jugendliche sind beteiligt.

Diese Konzert-Touren der Organisation Adonia haben eine inzwischen 30-jährige Tradition. Zum zweiten Mal waren sie dieses Jahr in Dietikon. «Wir wollen auch Veranstaltungen für jüngere Leute organisieren», sagt Elisabeth Berner, Kantorin der reformierten Kirche. «Ich bin begeistert und glaube, der Funke ist übergesprungen.»

260 Personen besuchten am Freitag das Musical. «Es macht besonders Spass, wenn das Publikum mitmacht und mitklatscht», sagt Hauptdarsteller Manuel nach dem Auftritt. Die ersten drei Tage Üben seien streng gewesen, aber jetzt mache es nur noch Spass. Mit viel Leidenschaft und Inbrunst verkörpert er Abraham und singt Lieder, die oft direkt an Gott gerichtet sind. «Natürlich ist Abraham eine Rolle und ich versuche, mich möglichst gut in diese hineinzuversetzen», sagt der 16-Jährige. «Aber ich kann auch sagen, dass ich alles, was ich gesungen habe, aus vollem Herzen singen kann.»

Geopfert hat er seinen Sohn Isaak übrigens nicht: Er macht sich zwar mit ihm auf den Weg zum Altar. Diese Szene ist angereichert mit etwas Galgenhumor, als Isaak sagt: «Ja, Mami, mir passiert sicher nichts, Papi ist ja dabei.» Beim Altar gibt Gott Abraham aber einen Widder zum Opfern und so werden die beiden, wie Gott versprochen hat, die Stammväter eines grossen Volkes.