Aufnahmeprüfung
Jugendliche aus Dietikon haben kein grosses Interesse am Gymnasium

Im kantonalen Vergleich war die Aufnahmequote von Schülern aus der Region sehr tief. Nur 17,3 Prozent der Schüler aus Dietikon, welche 2012 die Möglichkeit gehabt hätten, gingen schlussendlich auch ins Gymnasium.

Florian Niedermann
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Insgesamt 2416 Schülerinnen und Schüler erreichten 2012 im Bezirk Dietikon eine Schulstufe, von der aus sie ins Lang- oder Kurzgymnasium hätten übertreten können. Nur gerade 17,3 Prozent von ihnen schlugen diesen Bildungsweg tatsächlich ein. Im kantonalen Vergleich liegt die Region damit an zweitletzter Stelle, wie eine Statistik der kantonalen Bildungsdirektion zeigt (siehe Grafik). Grund dafür ist nicht, dass die Lernenden ungenügend auf die Prüfung vorbereitet würden, sondern dass viele den Weg über die Berufsbildung wählen.

Die Aufnahmeprüfung für die Gymnasien ist im Kanton Zürich 2007 vereinheitlicht worden. Mit einer Erfolgsquote von 43,9 Prozent liegen die Limmattaler Schüler zwar unter dem Mittel von 51,6 Prozent, damit aber immerhin im Mittelfeld. Es seien nicht Prüfungsleistungen der Jugendlichen im Bezirk, die für die tiefe Aufnahmequote sorgten, sagt Marc Kummer, Amtschef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts (MBA).

Der Weg via Berufsbildung scheint attraktiver

Das Problem sei vielmehr, dass sich im Bezirk unterdurchschnittlich viele Lernende überhaupt zur Prüfung anmeldeten. Dies liegt laut Kummer an der Zusammensetzung der Bevölkerung. «Im Bezirk Dietikon gehen viele Kinder mit Migrationshintergrund zur Schule.» Kinder von Eltern, die selber auch kein Gymnasium absolviert haben, würden weniger den Weg über das Gymnasium, sondern eher die Berufsbildung wählen, so Kummer.

Die Aufnahmequote von Limmattaler Schülern bewegte sich im Vorjahr indes auf einem ähnlichen Niveau wie 2012. Was bei der aktuellen Statistik auffällt, ist, dass der Bezirk besonders bei den Schülern der zweiten Sekundarstufe (dem achten Schuljahr) im kantonalen Vergleich abfällt. Nur gerade 9,9 Prozent aller Schüler dieser Stufe meldeten sich für die Aufnahmeprüfung an, weit weniger als im kantonalen Durchschnitt (14,7 Prozent). Und nur gerade 3,1 Prozent bestanden sie auch (Durchschnitt 6,8 Prozent).

Warum die Aufnahmequote im Limmattal bei dieser Altersgruppe derart tief ist, konnte die Bildungsdirektion auf Anfrage nicht erklären. Beim Übertritt ins Langzeitgymnasium und ins Kurzzeitgymnasium nach Abschluss des neunten Schuljahres liegt der Bezirk Dietikon zwar ebenfalls unter den Durchschnittswerten, bewegt sich im Vergleich mit den anderen 11 Bezirken aber im Mittelfeld.

Interesse könnte schon bald steigen

Das Interesse an der gymnasialen Bildung dürfte im Bezirk schon bald ansteigen. Dies, weil im Limmattal auch in den nächsten Jahren ein starkes Bevölkerungswachstum erwartet wird, wobei sich auch die Bevölkerungsstruktur verändern könnte. Kummer sagt: «Wenn die Gruppe der Einwohner mit höherer Bildung ansteigt, so steigt damit auch das Interesse an den Gymnasien.» Allerdings sei es derzeit noch schwer, abzuschätzen, wie stark sich dieser Faktor im Bezirk Dietikon auswirken wird.