Schlieren

Jugendhaus Kube: «Der Platz bei den Bluetooth-Boxen ist beliebteste»

Ein Rundgang durch das Jugendhaus Kube in Schlieren, in dem die Jugendlichen ganz unter ihresgleichen sind. Dort stört weder laute Musik noch Lachen.

«Denk-Mal Räume für Jugendliche», steht auf dem denkmalgeschützten Stein vor dem flachen Haus an der Leuengasse 4 in Schlieren. 1994 haben die Schlieremer Jugendlichen den Stein behauen und auf den Kirchplatz gestellt. Er sollte solange dort stehen, bis ein Jugendhaus gebaut wird. Vor neun Jahren war es soweit, der Stein fand ein zu Hause und mit diesem die städtische Jugendarbeit einen neuen Standort.

Doch sind Jugendhäuser noch zeitgemäss? Die Zahlen sprechen für die Jugendarbeit: Pro Abend besuchen zwischen 50 und 60 Jugendliche das Kultur- und Begegnungshaus Kube. «Jugendliche brauchen Räume mit Sitzmöglichkeiten, wo sie Musik hören, Freunde treffen und kreativ sein können», sagt der Leiter des Zentrums Michael Koger. Mit diesem Angebot seien die meisten schon sehr zufrieden. Koger machte sich bereits in jungen Jahren in der Jugendkommission der Schlieremer SP für die Anliegen der jungen Erwachsenen stark. Nun fühlt der 33-Jährige als Jugendarbeiter im «Kube» wieder den Puls einer neuen Generation.
Wenn man vom Bahnhof Richtung Leuengasse geht, hört man die Jugendlichen bereits, bevor man sie sieht. Aus den Lautsprechern schallt, je lauter desto besser, die Musik der Gangster-Rapperin Loredana. Dass deren Cousine hier in Schlieren wohnt, wissen die Kids längst.
«Der Platz bei den Bluetooth-Boxen ist der beliebteste», sagt Koger. Dabei können die Teenager unter sich aushandeln, wer die Hoheit über die Musikboxen erhält. In den fünf Monaten, in denen er hier arbeite, sei es noch nie zu Problemen oder gröberen Diskussionen gekommen, sagt Koger. «Die Teenager sind wirklich sehr anständig.» Sie packen auch gerne an: Am Schlierefäscht waren die Einsätze an der Bar im Jugendzelt Place to be sehr beliebt. Die alkoholfreie Bar wird auch im «Kube» weiterbetrieben, nur versorgt sich hier jeder selbst mit kostenlosem Sirup und Früchten.

Jana (14) lässt ein anderes Lied laufen. Sie zieht ihre blaue Jeans über die Hüften hoch und zupft am kurzen T-Shirt: Bereit für die nächsten Tanzbewegungen. Sie komme jeden Mittwoch hier her, um Musik zu hören und Hip-Hop zu tanzen. «Zu Hause darf ich nicht so laut Musik hören», sagt sie und schüttelt die schwarzen Locken. Auch David (16) ist froh, dass es den «Treff» gibt. Er komme drei bis viermal vorbei und geniesse die freie Zeit ohne die Eltern. «Dann hänge ich einfach mit Kollegen ab und höre Musik», sagt er.

Fifa-Playstation, Fortnite und Früchte für alle

Im Zimmer nebenan steht ein Billardtisch. Zwei Buben wachsen ihre Stöcke und beginnen ein Spiel. Was am meisten Publikum anzieht, ist eine Holzbox auf dem Tisch. Aus dieser hängen zig unterschiedliche Handykabel. Die Kinder haben diese angezapft und starren nun auf die Bildschirme. Auf einem Handy wird Fortnite gespielt, auf einem anderen getextet. Nebst dem bleibt ihnen immer noch genug Zeit, um sich lautstark zu unterhalten.

In der anderen Ecke des Raumes sitzen zwei Jungs auf dem Sofa und spielen Fifa auf der Playstation. «Das ist das einzige Game, das wir in der aktuellsten Version anbieten», sagt Koger. Am Tisch vor dem Computer sitzen drei ältere Teenager. Einer erhebt sich und geht zu Koger. «Michi, hier meine Bewerbung. Wie findest du den Satz: Günstiges Angebot für drei Jahre.» Der grossgewachsene Jugendliche schaut grinsend und gleichzeitig hoffnungsvoll zu Koger. Dieser schmunzelt und gibt ihm ein paar Tipps, wie er sich gut verkaufen kann. Der junge Mann speichert das Dokument unter dem Namen «Aktion Diamant» ab.

Anfangs habe Koger gedacht, dass er es im «Kube» vor allem mit Jugendlichen zu tun haben werde, die viel alleine gelassen werden. Doch die Besucher des «Kube» seien eine «klassische Schlieremer Durchmischung», sagt er. Damit meint er, dass von langjährigen Pfadfindern bis Neuzuzüger mit Migrationshintergrund ganz verschiedene Schülerinnen und Schüler dabei sind. Doch anders als in anderen Jugendhäusern ist der Anteil Buben und Mädchen ziemlich ausgeglichen. «Ansonsten dominieren die Jungs solche Räume oft», sagt Thomas Bollmann, der bereits in Winterthur Jugendarbeiter war. Die Jugendarbeiter im «Kube» helfen bei Hausaufgaben-Problemen und sind Anlaufstelle bei Sorgen oder der Lehrstellensuche. Meist bewegen sich die Jugendlichen autonom im Jugendtreff.

Als Jugendarbeiter seien sie den Jugendlichen in manchen Bereichen näher als klassische Autoritätspersonen und könnten ihnen so beispielsweise die Gefahren von Suchtmittel anders vermitteln, erklärt Koger. Doch es sei eine Gratwanderung: «Einerseits haben wir einen gesellschaftlichen Auftrag, aber andererseits sollten wir auch keine Moralapostel sein», sagt Koger.

Wenn die Jüngeren da sind, bleiben die Älteren weg

Der dritte Raum, in dem sich die Jugendlichen aufhalten, ist der Keller. Er steht den Jugendlichen jeweils für eine Stunde zur Verfügung, um sich mit Freunden in einem geschlossenen Kreis zu treffen. Die grell bemalten Räumlichkeiten sind ein Ort zum Tanzen und Töggele. Selbstverständlich bieten sie auch Platz für die Lieblingsbeschäftigung vieler Jugendlichen: dem «Hängen». Da das Kellergewölbe nur einen Ausgang hat, dürfen sie dieses nur zu siebt unsicher machen, das ist feuerpolizeiliche Vorschrift.

Nun nehmen die Oberstufenschüler das Jugendhaus in Beschlag. Mit ihnen wechselt die Musik auf Eminem und Co., der Raum ist weniger wuselig und die Lautstärke der Gespräche nimmt ab. «Würden wir die Kleineren nicht um 17 Uhr rausstellen, kämen die Grösseren gar nie rein», sagt Koger. Doch so sollen alle auf die Kosten im Begegnungshaus kommen.

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