Die vorgesehene Eröffnung der Plätze für den Jugendstrafvollzug und der damit verbundene Umbau der geschlossenen Abteilung können nicht bis Mitte 2012 erfolgen. Unstimmigkeiten zwischen dem kantonalen Hochbauamt und dem Planerteam haben den Baustopp und eine Verzögerung zur Folge.

Dabei hatte alles in Minne begonnen. Am 11. Mai 2009 genehmigte der Kantonsrat 17,65 Millionen Franken für Neuinvestitionen. Der Regierungsrat hatte 11,985 Millionen bereits für gebundene Ausgaben gesprochen. Total sind das 29,6 Millionen Franken für die geschlossene Abteilung. Am 17. August 2009 erfolgte der Spatenstich.

Der konzeptionelle Hintergrund des Umbaus: Vorgesehen waren acht Plätze für Freiheitsentzug, acht Plätze in der geschlossenen Unterbringung und zehn Plätze im Massnahmevollzug für junge Erwachsene, total 26 Plätze, wie MZU-Direktor Michael Rubertus gegenüber der az Limmattaler Zeitung vorrechnete.

«Zu wenig genau definierte Grundlagen»

Was waren nun die Probleme: «Die Grundlagen, auf denen gebaut werden sollte, waren zu wenig genau definiert», erklärte der neue Projektleiter des Hochbauamts, Felix Landolt, gegenüber dieser Zeitung. «Im Juni war die Baueingabe bei der Gemeinde gemacht worden, kurz danach gab es bereits zwei Revisionseingaben. Das ist ein Zeichen, dass der Planungsvorlauf einfach zu kurz war.»

Michael Rubertus gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass ein massiver Druck vorhanden gewesen sei zur Aufnahme schwierigster Jugendlicher und junger Erwachsener. Da hätte man länger planen sollen.

Erschwerend ist gemäss Felix Landolt hinzugekommen, dass auch im Projektteam des kantonalen Hochbauamts Anpassungen vorgenommen werden mussten. Im März 2010 begann man schliesslich, die Betriebskonzepte, betrieblichen Abläufe, Sicherheitsstandards und Brandschutzkonzepte usw. zu optimieren, so Landolt.

Davon abgeleitet wollte man die baulichen Massnahmen definieren. Und all dies in einem 70er-Jahre-Haus, das auch noch energetisch saniert werden sollte. Diese Arbeiten wollte man bis Juni 2010 vorliegen haben. Daneben lief die Baustelle weiter. Auch für Michael Rubertus hat man zu wenig genügend und lange geplant. Schliesslich sei der 70er-Jahre-Bau eine kleine Wundertüte, «der man nicht gerecht werden konnte. Es entstand mehr baulicher Aufwand, als zunächst angenommen, das führte zu Verzögerungen im Bau.»

Eklat im Juni 2010

Statt zum Befreiungsschlag kam es im Juni 2010 zum Eklat. «Unterschiedliche Interpretationen zwischen dem Bauauftraggeber und den Architekten waren ausschlaggebend», erklärte Felix Landolt. Das Auftragsverhältnis wurde gekündigt, und andere Architekten wurden eingestellt.

Diese Massnahme führte bereits zu einer Projektverbesserung. Auf Antrag des MZU wurde eine Raumreserve, eine über 100 Quadratmeter grosse Mitarbeiterwohnung, in die Planung eingegeben. Dies habe, so Landolt, den Planungsspielraum der Architekten erhöht. Im Oktober führte dies zu neuen Grundrissen innerhalb des Gebäudes mit dem Effekt, dass vier zusätzliche Vollzugsplätze geschaffen werden können.

«Das hat sich schon einmal gelohnt», freut sich Michael Rubertus, «wir werden nun statt über 26 über deren 30 Plätze verfügen; total 64 statt 60. Auch in den Bereichen Schule und Ausbildung haben wir dadurch mehr Raum zur Verfügung und sind besser disponiert. Es hat zwar geschmerzt, aber der Krisenstopp hat sich gelohnt.»

Neuer Kostenvoranschlag liegt im Frühling vor

Laut Felix Landolt wird nun, da die Bauarbeiten ruhen, ein neuer Kostenvoranschlag erarbeitet, der im Frühling vorliegen soll. Dort werde sich zeigen, wie viel der Umbau tatsächlich kosten und um wie viel sich die Bauzeit verzögern wird. Anschliessend müsse mit der Detail- und Ausschreibungsplanung neu begonnen werden.

Für das Massnahmezentrum Uitikon stellt die Lage nach wie vor eine grosse Herausforderung dar. Der Betrieb wird zum Teil in Provisorien aufrechterhalten. Das Küchenteam arbeitet seit eineinviertel Jahren im Zelt und wird es aller Voraussicht nach nochmals so lange tun müssen, wie Rubertus bestätigt. «In der geschlossenen Abteilung stehen weniger Plätze zur Verfügung, und die Schule muss mit weniger Räumen auskommen. Dank der achtsamen Betreuung durch unsere Mitarbeiter kam es unter den Betreuten bisher zu keinen grösseren Turbulenzen.» Auf alle Fälle aber, so Rubertus, sei die Sicherheit zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.