Kurt Pelda, neben Winterthur, den Grossräumen Basel und Biel orten Sie auch in Dietikon einen Hotspot für Dschihadisten. Worauf gründen diese Aussagen?

Kurt Pelda: Mir sind 17 Dschihadisten namentlich bekannt. Diese verteilen sich auf die erwähnten Gebiete. Hinzu kommen verschiedene Dschihad-Fangemeinden. Auf sozialen Medien, vorwiegend auf Facebook, und in Internetforen lassen sich Rückschlüsse auf die Wohnorte dieser Menschen ziehen.

Wie viele davon sind in Dietikon oder im Limmattal beheimatet?

Ein IS-Rückkehrer (Islamischer Staat) stammt aus dem Limmattal und in Dietikon wohnt ein Salafist, der eng mit der Koran-Verteilaktion ‹Lies!› verbunden ist. Zudem weiss ich von einer Moschee, in der radikales Gedankengut gepredigt wird. Namentlich nennen möchte ich diese aber nicht. Auch ist mir eine Dietiker Schule bekannt, die mit salafistischen Schülern Probleme hat. Ein Schüler beispielsweise wollte der Lehrerin die Hand nicht schütteln.

Der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller sagt, ihm sei nicht bekannt, dass Dietikon einer der Schweizer Hotspots der IS-Rekrutierung sein soll.

Sagen die Behörden, sie wüssten von nichts, dann sind sie entweder schlecht informiert oder sie lügen.

Aus welcher Motivation?

Ich kann nicht in Otto Müllers Kopf hineinschauen. Entweder ist es Unwissen und Ignoranz oder Kalkül. Kalkül, weil man das Problem zwar erkannt hat, der Dschihadisten-Bewegung aber keine Plattform geben will.

Wie sind die Reaktionen der Politik in anderen vermeintlichen Hotspots auf Ihre Aussagen?

Einerseits unterschätzen die hiesigen Behörden das Problem. Andererseits fehlt ihnen Hintergrundwissen über die Rekrutierungsstrategien des IS und anderer Terrororganisationen. Hier kommt mir meine journalistische Tätigkeit in Syrien zugute. Ich konnte auf Kontakte zurückgreifen, auf die Schweizer Behörden keinen Zugriff haben.

Welche Reaktionen von Behörden und Schulen wären Ihrer Meinung nach die richtigen?

Zentral ist, dass in den Schulen etwas geschieht. Man muss sich bewusst werden, dass einige Schweizer oder hier lebende Menschen in
den Heiligen Krieg ziehen wollen. Danach müssen sich die Politik, Sicherheitsfachleute, Psychologen, Pädagogen und die Justiz an einen Tisch setzen und Lösungen finden. Wichtig ist, dass Unterstützern des IS hier in der Schweiz der Prozess gemacht wird und sie eine Strafe erwartet.

Was ist den 17 Ihnen bekannten Dschihadisten gemein?

Sie sind schon unterschiedlich. Nur einer hat eine Maturität, drei von ihnen sind Konvertiten. Fünf stammen aus Balkanländern und sprechen Albanisch oder Bosnisch. Die Restlichen haben kurdische, türkische oder arabische Wurzeln.

Ist Dietikon ein guter Nährboden für Rekrutierer des IS?

Die sogenannten Seelenfänger konzentrieren sich in der Regel auf die Verlierer unseres Systems. Diese Leute findet man eher weniger in der Goldküstenregion.

Wie viel wissen die gemässigten Muslime über diese Rekrutierungsaktivitäten?

Praktisch jedem Muslim, der regelmässig eine Moschee besucht, in der salafistische Imame predigen, sind die dort verkehrenden IS-Sympathisanten bekannt. In den Moscheen, aber auch von den führenden Imamen und muslimischen Organisationen wird zuwenig gegen die Verbreitung radikalen Gedankenguts unternommen. Die Radikalisierung ist das Problem, und es bräuchte eine inner-muslimische Diskussion, um die Ideen des IS zurückzudrängen.

Sind diese 17 Dschihadisten und die Fangemeinden der Polizei bekannt?

Ich denke, dass der Nachrichtendienst des Bundes diese Individuen und Gruppierungen beobachtet. Gegen sämtliche bekannte Dschihadisten ermittelt zudem die Bundesanwaltschaft.

Beobachtet? Was schliessen Sie daraus?

Ein routinierter Anti-Terror-Ermittler hat mir erst kürzlich gesagt, dass erst etwas passieren muss, bevor die Politik handelt. Genau so wird es laufen. Bis dahin wird die Schweiz ein Tummelplatz für radikale Elemente bleiben.