Dietikon

Jodeln, Jauchzen und einander auf die Füsse treten - so heiraten Limmattaler

Jährlich werden in Dietikon rund 400 Paare getraut. Reto Domenig und Monica Marcarini gaben sich am 12.12.2012 das Ja-Wort.

Jährlich werden in Dietikon rund 400 Paare getraut. Reto Domenig und Monica Marcarini gaben sich am 12.12.2012 das Ja-Wort.

Jacqueline Tscherry hat schon rund 2600 Paare getraut – und dabei unbekannte Bräuche kennengelernt. Die Vielfalt der Limmattaler Ehepaare bezeichnet die Zivilstandsbeamtin als Bereicherung.

Wenn Braut und Bräutigam im Limmattal in den Hafen der Ehe einlaufen, ist das für das Team des Zivilstandesamts in Dietikon, auch bei fast 400 Hochzeiten jährlich, immer wieder ein Erlebnis. «Da in Dietikon Paare aus der ganzen Region und aus den unterschiedlichsten Kulturen vor uns treten, geht es hier natürlich sehr abwechslungsreich zu und her», sagt Jaqueline Tscherry, Zivilstandsbeamtin in Dietikon. Seit 26 Jahren stellt Tscherry den Eheleuten die wohl wichtigste Frage in ihrem gemeinsamen Leben. Bei den rund 2600 eigens durchgeführten Hochzeiten hat die Dietikerin natürlich auch schon einiges erlebt und beobachtet. «Die Menschen gehen sehr unterschiedlich mit Emotionen um», erzählt Tscherry. Auch gewisse grundsätzliche kulturelle Unterschiede liessen sich ausmachen.

In der Fröhlichkeit unschlagbar

So seien die Afrikaner die Lautesten von allen: «Die Angehörigen des frisch vermählten Paares brechen unmittelbar nach dem Ja-Wort im Freudentaumel aus», sagt Tscherry und versucht zu erklären, wie das klingt. «Es ist wie ein afrikanischer Jauchzer oder ein Jodeln – auf jeden Fall ist die Freude sehr ansteckend», sagt die 46-Jährige und lacht, weil es ihr nicht so recht gelingen mag, die Laute zu imitieren. Auch die Südländer würden im Trauzimmer des Dietiker Stadthauses das neue Ehepaar oft mit überraschend lautem und fröhlichem Beifall beglückwünschen. Und die Schweizer? «Ich würde nicht behaupten, dass die Schweizer zurückhaltend sind.» Aber gewisse Kulturen seien einfach unschlagbar in ihrer ausgelassenen und lauten Fröhlichkeit.

Auf die Füsse treten

Doch nicht nur die Emotionen zeugen im Dietiker Standesamt von der Vielfältigkeit der Bevölkerung. Wenn erst mal der Bund der Ehe geschlossen ist, folgen die unterschiedlichsten Bräuche: «Hochzeitsgesellschaften aus dem Balkan verteilen feine Pralinés. Und die türkischen Eheleute treten sich nach dem Ja-Wort gegenseitig auf den Fuss», weiss die Dietikerin. Manchmal sei das Paar so nervös, dass der Brauch beinahe vergessen gehe: «Aber dann werfe ich einen Blick auf ihre Füsse und sie wissen, was zu tun ist», so Tscherry. Wer den Tritt zuerst geschafft hat, wird im Eheleben die Hosen anhaben, besagt der türkische Volksmund. Eine weitere Vielfalt biete die Kleidung der Eheleute. Es sei längst nicht mehr so, dass die Paare nur in schlichter Robe im Zivilstandesamt den Bund der Ehe schliessen würden: «Ich finde es immer wieder eine Augenweide, wenn beispielsweise Bräute aus Sri Lanka oder Indien in ihren wunderschönen und farbigen Saris heiraten», schwärmt die 46-Jährige.

Der Kuss, ein Muss?

Nebst volkstümlicher Kleidung und Bräuchen gibt es aber auch Bestandteile der Eheschliessung, die man aus Filmszenen kennt, wie etwa der berühmte Kuss. Dieser gilt bei Vielen als Abschlusssymbol der Zeremonie. «Ja, ein Grossteil der Paare gibt sich nach dem Ja-Wort einen Kuss.» Ein Grossteil – aber nicht alle: «In manchen Kulturen wird das schlichtweg nicht gemacht oder die Eheleute finden es zu intim, sich vor versammelter Verwandschaft zu küssen». Tscherry fordert die Paare auch nicht zum Kuss auf – es sei denn, das wird gewünscht.

Für sie sei die Vielfalt der Limmattaler Ehepaare eine Bereicherung im Alltag, sagt Tscherry. Besonders schön finde sie es, die Liebe und Verbundenheit der Eheleute zu spüren und sich davon anstecken zu lassen. Denn über alle kulturellen Grenzen hinweg sei die Liebe das Wichtigste für das gemeinsame Leben.

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