Weiningen
Jobchancen trotz schlechter Noten: Schülern soll Einstieg in Arbeitswelt erleichtert werden

Wer die Sekundarstufe B oder C mit schlechten Noten abschliesst, soll trotzdem möglichst gute Chancen auf einen Job respektive eine Lehrstelle haben. So lautet das Ziel des Projekts Lift, das nun auch in Weiningen lanciert wird.

Liana Soliman
Merken
Drucken
Teilen
Mit dem Wochenarbeitsplatz steigern Schüler mit schlechten Noten ihre Chance auf einen Lehrstellenplatz. Bisher machten Birmensdorf und Urdorf mit.

Mit dem Wochenarbeitsplatz steigern Schüler mit schlechten Noten ihre Chance auf einen Lehrstellenplatz. Bisher machten Birmensdorf und Urdorf mit.

Sandra Ardizzone

Nicht jedem fällt der Übergang von der Schule in die Arbeitswelt leicht. Die Oberstufe Weiningen führt deshalb das Projekt Lift ein. Lift ist ein Integrations- und Präventionsprojekt und richtet sich mehrheitlich an Jugendliche der Sekundarstufe B und C, die schulische Schwierigkeiten haben. Mit einem betreuten Wochenarbeitsplatz sollen sie berufliche Erfahrungen sammeln können. Das Projekt wurde bereits 2006 vom Netzwerk für sozial verantwortliche Wirtschaft in Bern lanciert. Nachdem es schon an den Oberstufen in Birmensdorf und Urdorf eingeführt wurde, soll es nun auch in Weiningen angeboten werden.

Das Lift-Projekt wird von drei Personen organisiert und umgesetzt. Anita Mayer, die Schulleiterin der Oberstufe Weiningen, fungiert dabei als Projektleiterin. An ihrer Seite steht ein Coach, der die Schüler unterstützen und beraten wird und eine Person, die sich mit dem lokalen Gewerbe auskennt und die Firmen für das Projekt akquirieren wird.

Mayer erklärt, dass man Jugendliche unterstützen wolle, die mangelnde Schulleistungen erzielen und somit eine schwere Ausgangslage für den Berufseintritt haben. «Unser Ziel ist es, so viele Schülerinnen und Schüler wie möglich direkt in der Berufswelt zu platzieren und so die Anzahl jener, die den Umweg über das 10. Schuljahr machen müssen zu verringern. Zudem ist es uns ein grosses Anliegen, dass alle den Sprung schaffen und nicht beim RAV landen», sagt Mayer.

Doch nicht jeder kann sich auf das Projekt verlassen. Mayer erklärt, dass ein Kriterienkatalog den Lehrpersonen helfe, herauszufinden, welche Schüler für das Projekt geeignet sind. Gesucht seien Jugendliche, die schulische Schwierigkeiten haben und zu wenig Unterstützung aus dem Umfeld bekommen. «Jedoch müssen ihre Soft Skills stimmen», sagt die Projektleiterin. Die zukünftigen Lift-Teilnehmenden sollten soziale Kompetenzen besitzen. So müssen sie beispielsweise zuverlässig, aufmerksam, arbeitswillig oder teamfähig sein.

Die Schüler werden gecoacht

«Mitte der 1. Sekundarstufe werden die Schüler dann für etwa zwei Monate von einem Coach vorbereitet. Dort erfahren sie Wichtiges über die Arbeitswelt, deren Regeln und ihre Rolle in einer Firma», sagt die Schulleiterin. Daraufhin werden die Schüler parallel zum Coaching einen Wochenarbeitsplatz erhalten. Jeden Mittwochnachmittag werden sie zur Arbeit gehen und dadurch praktische Erfahrungen sammeln. Sie erwerben Fähigkeiten und werden dabei auch entlöhnt. Gleichzeitig soll ihr Selbstbewusstsein gestärkt werden.

Berufswechsel alle drei Monate

In einem Rhythmus von drei Monaten werden die teilnehmenden Schüler
die Berufe wechseln. «Die Aufgaben und die zugeteilte Verantwortung hängen von den jeweiligen Firmen und Schülern ab. Durch den Wechsel lernen die Schüler so auch verschiedene Berufe kennen», sagt Mayer.

Mayer möchte das Projekt in einem kleineren Rahmen starten und dann die Zahl der Lift-Teilnehmenden steigern. «Die Anzahl der teilnehmenden Jugendlichen ist davon abhängig, wie viele Wochenarbeitsplätze wir finden können», sagt Mayer. Sie hoffe, mit acht bis zehn Personen an unterschiedlichen Arbeitsplätzen zu starten.

Das dreiköpfige Team sucht nun nach Firmen, die sich bei dem Projekt engagieren und so den Oberstufenschülern einen Einblick in die Arbeitswelt geben möchten. Die einzelnen Firmen werden sie dann anfragen und mit ihnen eine Vereinbarung treffen. «Jede Branche ist für uns interessant. Wir sind da offen», sagt Mayer.

Sobald diese Dinge geregelt sind, wird das Projekt starten. Mayer glaubt nicht, dass die Schüler doppelbelastet sein werden. Im Gegenteil: Sie ist überzeugt, dass das Lift-Projekt für die Jugendlichen ein Gewinn sein könne. Die Schulleiterin kannte das Projekt schon vorher von anderen Schulen. «Je mehr Schüler von ihren Erfahrungen berichteten, desto mehr Interesse wuchs für das Projekt», so Mayer.

Doch nicht nur das: Die Schüler würden durch das Projekt selbstbewusster und könnten die Erkenntnisse so im Unterricht miteinfliessen lassen, führt Mayer aus. «Es ist eher ein Gewinn als eine Belastung», sagt Mayer.