Dietikon
Jetzt zeigt sich: Bei der «Kronen»-Abrechnung fehlen Unterlagen

Der Umbau des Restaurants Krone, das im Besitz der Stadt Dietikon ist, kostete 9,4 Millionen Franken und war 2010 abgeschlossen. Erst jetzt liegt die Bauabrechnung vor. Und es zeigt sich: 1,5 Millionen Franken Ausgaben sind nicht sauber dokumentiert. Das Parlament zeigte sich am Donnerstagabend irritiert.

Bettina Hamilton-Irvine
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Seit sechs Jahren ist das umgebaute Restaurant Krone, das der Stadt gehört, in Betrieb. Die Bauabrechnung liegt aber erst jetzt vor.jk

Seit sechs Jahren ist das umgebaute Restaurant Krone, das der Stadt gehört, in Betrieb. Die Bauabrechnung liegt aber erst jetzt vor.jk

Jürg Krebs

Mehr als zehn Jahre ist es her, seit der Dietiker Stadtrat den ersten Kredit im Zusammenhang mit dem Umbau des ehemaligen Restaurants Krone genehmigte. Vor acht Jahren war Baubeginn, im April 2010 eröffnete das neue Restaurant seine Türen. Doch erst jetzt, sechs Jahre später, liegt dem Gemeinderat die Bauabrechnung für den Umbau vor. Es war daher zu erwarten, dass dieser sich in seiner Sitzung vom Donnerstagabend gehörig über die Verspätung enervieren würde. Aber so weit kam es gar nicht. Denn es gibt noch ein gravierenderes Problem mit der Abrechnung. Bereits im Antrag des Stadtrats wird erwähnt, dass – weil zwischen Bauausführung und -abrechnung Projekt- und Abteilungsleitung gewechselt habe – gewisse Werkverträge und Offerten nicht mehr vorliegen.

Die Rechnung ist nicht prüfbar

Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) habe die Hochbauabteilung aufgefordert, eine Aufstellung über die fehlenden Dokumente zu machen, sagte Anton Kiwic (SP). Erst nach deren Erhalt habe man realisiert, wie unvollständig die Unterlagen seien: Der Umbau kostete insgesamt 9,4 Millionen Franken, wovon für rund 1,5 Millionen Franken Dokumente fehlen. Deshalb habe die RPK die Abrechnung gar nicht erst geprüft, sagte Kiwic. Sie sei schlicht nicht prüfbar. Die RPK stellte daher den Antrag, die Rechnung an den Stadtrat zurückzuweisen.

«Was habt ihr für ein Problem?»

Stephan Wittwer (SVP) sprach von einem «Super-GAU» und sagte, dass derart viele Dokumente fehlten, sei «inakzeptabel» und «ein Skandal». Ein solches Gebaren sei vor allem gegenüber den Steuerzahlern stossend, sagte Wittwer. Es sei für ihn völlig klar, dass man diese Abrechnung zurückweisen müsse, sagte auch Martin Müller (DP). «Was habt ihr in der Hochbauabteilung für ein Problem, dass bei einem Stellenwechsel Dokumente verloren gehen?» fragte er Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP).

Es sei «mehr als unschön», dass Dokumente fehlten, gab Tonini zu — und es sei auch nicht ganz erklärbar und vor allem nicht entschuldbar. Immerhin habe man mittlerweile über die Architektin noch Kopien von vielen Dokumenten erhalten. Zudem seien in der Hochbauabteilung seit 2013 zwei Assistentinnen angestellt, die darauf achteten, dass alle Unterlagen sauber abgelegt werden. Doch in diesem Fall nützte das nichts: Mit 25 zu 0 Stimmen beschloss das Parlament, die Bauabrechnung nochmals an den Stadtrat zurückzuweisen. Auch die Abrechnung für den Ausbau der Obergeschosse in der «Krone» wies das Parlament an den Stadtrat zurück — aus den gleichen Gründen.