Dietikon
Jetzt wird das Fernwärmenetz für 100 Millionen ausgebaut

Am Mittwochmorgen riss ein Bagger in Dietikon symbolisch das erste Stück Strasse auf, damit das Fernwärmenetz ausgebaut werden kann. Zuerst werden die Gebiete Fondli und Niderfeld in Dietikon und Spreitenbach Ost ans Netz angehängt.

Bettina Hamilton-Irvine
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An der Gjuchstrasse in Dietikon ist das erste Stück Strasse aufgerissen
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Freuen sich über den Ausbau des Fernwärmenetztes - Jean-Pierre Balbiani, Patrik Feusi, René Beck und Roger Brunner
René Beck im Führerstand des Baggers
Er habe sich einen Kindheitstraum erfüllt, sagte René Beck, nachdem er aus dem Bagger ausgestiegen war
Jean-Pierre Balbiani, Verwaltungsratspräsident der Limeco
Jean-Pierre Balbiani durfte den Bagger ebenfalls bedienen
Patrik Feusi, Geschäftsführer der Limeco
Roger Brunner vertrat den Dietiker Stadtrat
Limeco «Spatenstich»
Nun kann das Fernwärmenetz ausgebaut werden
René Beck, Präsident des Kontrollorgangs, bei seiner Ansprache

An der Gjuchstrasse in Dietikon ist das erste Stück Strasse aufgerissen

Bettina Hamilton-Irvine

Dass es so bitterkalt war, dass den Anwesenden fast der Atem vor dem Gesicht fror, passte zum gestrigen Anlass. «Wie wichtig Wärme ist, zeigt uns Petrus heute sehr schön», sagte René Beck, Präsident des Kontrollorgans der Limeco. Die interkommunale Anstalt, die in Dietikon das Kehrichtheizkraftwerk und die Abwasserreinigungsanlage betreibt, baut für 100 Millionen Franken ihr Regiowärmenetz aus. Dieses nutzt die Abwärme der Kehrrichtverbrennungsanlage. Die Energie gelangt in Form von heissem Wasser direkt ins Haus. Erschlossen werden damit in den nächsten Jahren grosse Teile des Limmattals. Im ersten Schritt werden die Gebiete Fondli und Niderfeld in Dietikon und Spreitenbach Ost ans Netz angehängt. Die Inbetriebnahme dieser Anschlüsse ist auf den nächsten Winter geplant.

Bubentraum erfüllt

Gestern folgte mit dem symbolischen Spatenstich in Dietikon der Startschuss zur ersten Ausbauetappe. Beck, Limeco-Verwaltungsratspräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) und Roger Brunner (SVP), der den Dietiker Stadtrat vertrat, durften mit einem Bagger an der Gjuchstrasse das erste Stück Strasse aufreissen.

Es habe ihn schon immer gestört, dass ein Grossteil der von der Dietiker Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) produzierten Wärme einfach so verpuffe, sagte Balbiani. Er freue sich, dass man den steigenden Energiebedarf im Limmattal in Zukunft mit Fernwärme umweltfreundlich decken könne.

Beck doppelte nach: «Nachhaltigkeit liegt in der DNA der Limeco», sagte er. Er sei zudem froh, dass die umweltfreundliche Energieversorgung im Limmattal «in den Händen von uns allen» liege und nicht in denjenigen eines profitorientierten Unternehmens, welches die Energiepreise nach Wunsch in die Höhe treiben könne. Die Limeco befindet sich im Besitz der acht Gemeinden Dietikon, Schlieren, Urdorf, Oberengstringen, Unterengstringen, Geroldswil, Weiningen und Oetwil. Sie alle haben im Sommer 2015 ihre Zustimmung zur ersten Etappe des Ausbaus gegeben.

Brunner sagte gestern, der Ausbau des Fernwärmenetzes sei für Dietikon sehr wichtig. Denn zu den Abnehmern der Fernwärme sollen in Zukunft auch öffentliche Bauten der Stadt gehören: In einem ersten Schritt werden das Schulhaus sowie das Frei- und Hallenbad Fondli, danach auch die Stadthalle angeschlossen. Zentral sei der Ausbau aber auch für das Zukunftsprojekt Niderfeld, bei dem man schon vor zehn Jahren beschlossen habe, dass das Quartier dereinst mit Fernwärme bedient werden müsse. Als Energiestadt nehme Dietikon so eine Vorreiterrolle in der Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes ein. Denn Regiowärme sei CO2-neutral und nicht teurer als fossile Energien. «Das entspricht genau unseren ökologischen und wirtschaftlichen Zielen», sagte Brunner.

Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi nannte den gestrigen Spatenstich «den Anfang des grössten Projekts der Limeco», welches sich in den nächsten Jahren entwickeln werde. Erklärungen dafür, wieso man das Netz, das immerhin schon seit 1985 besteht, erst jetzt ausbaut, gebe es durchaus, so Feusi. So habe es schon in der Vergangenheit Projektideen gegeben, die aber aus verschiedenen Gründen noch nicht hätten umgesetzt werden können. Und: «Der Zeitgeist hat sich verändert», so Feusi. «Vor zehn Jahren wäre die Öffentlichkeit dem Projekt sicher noch weniger wohlwollend begegnet.» Heute sei Nachhaltigkeit hingegen in aller Munde.

Kein KVA ohne Fernwärmenetz

Mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes will sich die Limeco auch für die Zukunft positionieren. Denn: «Fernwärmenetze und KVA gehören zusammen», sagte Feusi. In Zukunft werde es keine Anlagen ohne Fernwärmenetz mehr geben. Daher sei es auch wichtig, dass KVA dort positioniert seien, wo das grösste Wärmeabnahmepotenzial sei. Das Limmattal sei daher als sich dynamisch entwickelnde Region geradezu prädestiniert, so Feusi.

Damit schnitt er ein Thema an, welches die Limeco in den nächsten Jahren noch stark beschäftigen wird. Weil die KVA Dietikon spätestens 2035 ihr technisches Lebensende erreicht, ist eine Kooperation mit den KVA in Turgi und Buchs vorgesehen, die ebenfalls wachsen müssen, um betriebswirtschaftlich zu rentieren. Der aktuelle Standort in Dietikon muss auf jeden Fall aufgegeben werden. Wo in Zukunft Abfall verbrannt wird, ist aber noch nicht klar. Feusi betonte gestern, dass es ihm ein grosses Anliegen sei, dass es weiterhin eine KVA im Limmattal gebe.