Dietikon

Jetzt singt er auch noch: Alt Regierungsrat Markus Notter offenbarte ein neues Talent

Zusammen mit Christian Jott Jenny und Daniel Fueter gab Alt Regierungsrat Markus Notter im Dietiker Stadthaus einen Liederabend zum Besten, der einmalig war.

Gleich zu Beginn ging das Licht aus und das Publikum im Dietiker Gemeinderatssaal sass für Sekunden im Dunkeln. Ein kalkulierter Scherz oder einfach nur ein Missgeschick? Markus Notter jedenfalls drückte – in vielerlei Hinsicht – den richtigen Knopf und betrat bei wohlwollendem Beifall die Bühne.

Als «Hausmeister» gab er die Einführung für einen Liederabend, der Premiere und Derniere zugleich war. Notter alt Regierungsrat und ehemaliger Dietiker Stadtpräsident, stellte sein Licht sprichwörtlich unter den Scheffel; er sei «nur» hier, weil er eben das Haus kenne.

Richtige «Cracks» seien aber seine Bühnenpartner, die sich dazu gesellten: Zusammen mit Daniel Fueter am Piano sowie dem Sänger Christian Jott Jenny gab Notter einen Liederabend zum Besten geben, der einmalig war.

Als «drei schräge Vögel» wurden sie angekündigt. Das war, mit Verlaub, ein Schuss am Ziel vorbei. Viel eher schwebte das Publikum für rund eineinhalb Stunden zwischen Lieblichkeit und Melancholie – selbstverständlich mit einer Prise Humor.

Christian Jott Jenny singt und wird von Daniel Fueter begleitet

Christian Jott Jenny singt und wird von Daniel Fueter begleitet

Auf dem Programm standen Lieder von Paul Burkhard, Franz Léhar oder Kurt Weil, die jeweils mit ausgewählten Texten anmoderiert wurden. Besonders die Worte von Joachim Ringelnatz gaben dem Abend den Feinschliff.

Jeder fand seine Bestimmung

Das Trio funktionierte und bot drei Protagonisten, die ihre Bestimmung vom Fleck weg einnahmen. Notter war der Anchorman, er vermochte das Publikum anzulocken und bei Laune zu halten. Bei der Erzählung «Der arme Pilmartine» lauschten alle seiner Stimme, als «der infame Lümmel» Fidje Pappendeik lyrisch mit dem Fahrrad in die Wolken fuhr.

Markus Notter liest Gedichte

Markus Notter liest Gedichte

Christian Jott Jenny, Zürcher Sänger und Theatermacher, stand dem im Nichts nach und präsentierte sich als strahlender Mittelpunkt, der für jedes Lied die Rolle wechselte und selbst als Ruedi Walter brillierte, wenn er im breitesten Basler Dialekt sang: «Sie hänn kai Ahnig, was me lache kaa, als bitterböse alte Maa.»

Der heimliche Star des Abends war Daniel Fueter, seines Zeichens Pianist, Komponist und Arrangeur. Unaufdringlich und doch präsent bestimmte er den Takt am Klavier.

Die ursprüngliche Idee zum Liederabend stammt von Irene Brioschi; sie ist seit rund einem Jahr Kulturbeauftragte der Stadt Dietikon. Im Fokus stand ursprünglich ein Solo-Auftritt von Jott Jenny. «Es war mir eine Herzensangelegenheit, den Sänger nach Dietikon zu holen», sagte sie.

Dank ihren Kontakten kam später die Zusammenarbeit mit allen drei auftretenden Persönlichkeiten zustande. Das Publikum goutierte den Abend mit viel Applaus. Und gegen Ende kam Notter nicht darum herum, zur ersten Zugabe selbst zu singen – dank Fueter, der ihm die Noten zu Ringelnatz’s «Lebensabschnitt» schrieb.

Also sang er (mit dem Rücken zum Publikum): «Wer reist aufs Neue mit mir ins Himmelblau?» Man war versucht, die Reise anzutreten.

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