Dietikon
Jetzt scheint für die Stadtjodler wieder die Sonne

Beinahe hätte der Verein der Stadthalle nach 42 Jahren den Rücken gekehrt – doch es kam zur Überraschung: Man hat ein Gespräch mit dem Stadtpräsidenten geführt und gemerkt, dass der Verein der Stadt ein Anliegen ist. Jetzt werden Sponsoren gesucht.

Bettina Hamilton-Irvine
Merken
Drucken
Teilen
Doch nicht zum letzten Mal: Die Stadtjodler mit Hansruedi Weibel (3. v. r.) im April in der Dietiker Stadthalle.

Doch nicht zum letzten Mal: Die Stadtjodler mit Hansruedi Weibel (3. v. r.) im April in der Dietiker Stadthalle.

MU

Noch vor kurzer Zeit sah es düster aus für die Dietiker Stadtjodler. Nach 42 Jahren, in denen sie ihren traditionellen Jodlerabend in der Dietiker Stadthalle veranstaltet hatten, waren dunkle Wolken über dem Verein aufgezogen. Man könne es sich in Zukunft nicht mehr leisten, den Anlass in der Stadthalle zu veranstalten, sagte Präsident Hansruedi Weibel zur Limmattaler Zeitung.

Für die Miete der Halle mit Infrastruktur und allem Drum und Dran habe man nach dem letzten Anlass im April eine Rechnung für gut 7000 Franken erhalten. «Das können wir einfach nicht mehr tragen», so Weibel. Weil die Stadt und Vertreter der Genossenschaft Stadthalle dem Verein aber nicht hätten entgegenkommen wollen, sehe man sich gezwungen, nach Wettingen auszuweichen, wo er für den Jodlerabend im nächsten April bereits eine Halle reserviert habe, die höchstens 2500 Franken koste.

«Erleichtert und glücklich»

Doch dann kam plötzlich Bewegung in die Sache. Gegenüber der Limmattaler Zeitung erklärte sich Reto Siegrist, Präsident der Genossenschaft Stadthalle, gesprächsbereit, und auch Stadtpräsident Otto Müller wollte sich mit Weibel zum Gespräch treffen und stellte eine finanzielle Unterstützung der Stadt in Aussicht.

Jetzt, knapp vier Wochen später, haben sich die dunklen Wolken verzogen. Und dahinter scheint die Sonne: «Wir bleiben in Dietikon», sagt Weibel. «Ich bin sehr erleichtert und glücklich.» Man habe ein konstruktives Gespräch mit dem Stadtpräsidenten geführt und gemerkt, dass es der Stadt wirklich ein Anliegen sei, dass der Verein seine Anlässe auch in Zukunft in Dietikon veranstalte.

Müller bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass es der Stadt wichtig sei, die Dietiker Vereine in der Stadt behalten zu können - wobei es verschiedene mögliche Veranstaltungsorte gebe. «Die Stadthalle als Veranstaltungsort macht nur Sinn, wenn genügend Gäste erwartet werden», so Müller. Den Stadtjodlern habe man einen Betrag aus der Kulturförderung in Aussicht gestellt.

Wie viel das genau sein wird, kann der Stadtpräsident noch nicht sagen: Die Höhe sei abhängig vom Budget des Anlasses und von einer Überprüfung der Eintrittspreise. Zudem erwarte man, dass weitere private Sponsoren gesucht werden.

Auch diesbezüglich sieht es gut aus für die Stadtjodler: Man sei im Gespräch mit diversen neuen Sponsoren aus, sagt Weibel. Das freue ihn ganz besonders, denn man habe noch nie grössere Sponsoren aus Dietikon gehabt. «Ich bin sehr zuversichtlich und denke, wir können mit ein paar substanziellen Beträgen rechnen.»

Zudem haben sich die Jodler auch mit Vertretern der Genossenschaft Stadthalle getroffen, die sich ebenfalls hilfsbereit gezeigt hätten, wie Weibel sagt.

Deren Präsident Reto Siegrist sagte schon vor einem Monat gegenüber der Limmattaler Zeitung, man werde den Dietiker Kartellvereinen ab Juli einen Rabatt auf die Miete gewähren. Er will aber erst im Juni kommunizieren, um wie viel es sich handelt.

Und zu guter Letzt hat Weibel sogar noch einen Wirt gefunden, der für die Stadtjodler die Festwirtschaft übernehmen wird - was dem Verein zusätzlichen Druck wegnimmt. «Es ist unglaublich», sagt er: «Nun kommt plötzlich alles gut.»

Wettinger Halle ist abgesagt

Wie sehr die Stadtjodler mit all dieser Unterstützung nun finanziell entlastet werden, weiss Weibel noch nicht. Aber er ist so optimistisch, dass er die Wettinger Halle bereits abgesagt hat und bereit ist, den Vertrag für die Stadthalle zu unterschreiben, sobald die Details geklärt sind.

Nicht ändern lässt sich einzig die Parkgebühr bei der Stadthalle von maximal 5 Franken, die Weibel ebenfalls gestört hatte. Aber damit kann er leben. Zudem hat er auch realisiert, dass es wohl an der Zeit ist, den Eintrittspreis von 10 bis 15 Franken zu überdenken und etwas anzuheben.

Womit nur noch etwas fehlt: «Wir brauchen auch die Dietiker Bevölkerung, die mitmacht», sagt Weibel. In den letzten Jahren seien fünf Sechstel der Gäste Auswärtige gewesen. Das soll sich nun ändern: «Wir hoffen, dass wir mit einem tollen Programm auch wieder vermehrt unsere eigenen Leute anlocken können.»