Seit dem 11. September steht auf dem Gelände des Dietiker Reitsportzentrums Fondli ein Baukran. Er schwenkt nach links. Und nach rechts. Nach viel Hin und Her und einer vierjährigen Planungsphase kommt Bewegung ins Projekt des Fondli-Ausbaus.

Zurzeit sind die Arbeiten am Fundament der neuen Reithalle im Gange. «Es fühlt sich toll an, dass sich alles, nach langem Reden und Bangen, doch zum Guten gewendet hat», sagt Landwirt Erich Keller. Hinter dem Ausbau steckt das Bestreben der Grundstückeigentümer Erich und Charlotte Keller das Reitzentrum auf den Stand der Zeit zu bringen. «Wenn wir weiterhin eine so grosse Anlage betreiben wollen, müssen wir in die Infrastruktur investieren», betont Charlotte Keller, die für die SVP im Dietiker Gemeinderat politisiert.

Mehr Platz für die Pferde

Zu liegen kommt die neue Reithalle dort, wo sich zuvor ein 20 mal 60 Meter grosser Sandplatz befand. Die neue Reithalle mit den Innenmassen von 30 auf 60 Metern und einer Firsthöhe von 10,5 Metern wird auf alle Seiten hin offen sein. Auf der dem Bruno-Weber-Park zugewandten Seite entsteht unter einem Vordach ein Zuschauerraum.

Fünf Wochen sind für die Baumeisterarbeiten eingeplant, weitere vier Wochen für den Bau des isolierten Holzdaches. Zum Abschluss folgt die Bewässerung und die Elektrik. «Anfang Dezember soll die Reithalle fertig sein», so Charlotte Keller.

Danach möchten die Eigentümer auch die Pferdeboxen der Reitanlage auf den neusten Stand bringen. Rund 20 der insgesamt 60 Boxen erfüllen gerade noch das geduldete Mindestmass der Schweizer Tierschutzverordnung (9 Quadratmeter). Sie sollen im Frühjahr 2019 ergänzt oder neu gebaut werden. 14 Quadratmeter Innenraum und 24 Quadratmeter Aussenraum soll ein Fondli-Pferd dereinst zur Verfügung haben.

Normales Baugesuch war nicht genug

Die Planungsphase war ein vierjähriger Hindernislauf. Im Herbst 2014, ein Jahr, nachdem die heutigen Eigentümer das Grundstück neben ihrem eigenen Betrieb erwarben, traten sie mit ihrem Anliegen an die Stadt heran. Doch das Projekt kam nicht auf Trab.

Das Problem: Planungstechnisch liegt das Grundstück in der Erholungszone Sport. Und deren Boden darf zu höchstens 12 Prozent überbaut werden, so legt es die Bau- und Zonenordnung der Stadt fest.

Gegen diese Regel verstösst der Fondli-Ausbau: Mit der Überdeckung des bestehenden Sandplatzes sowie der geplanten Modernisierung der Pferdestallungen erhöht sich die Überbauungsziffer des betreffenden Grundstücks auf 17 Prozent. Aus diesem Grund reichte ein normales Baugesuch nicht aus; ein Gestaltungsplan war nötig.

«Statt dass die Stadt die Bauordnung einfach abänderte, mussten wir einen Gestaltungsplan ausarbeiten, der uns vier Jahre und eine Unmenge Geld und Energie kostete», sagt Erich Keller bitter. Charlotte Keller ergänzt: «Wir waren wohl etwas blauäugig. Doch die Bauordnung wurde auch schon für Projekte der Stadt abgeändert. Das wäre innerhalb eines Jahres erledigt gewesen.»

Rund 100 000 Franken fielen für den Gestaltungsplan an. Die Gesamtkosten des Bauprojekts belaufen sich nach Berechnungen der Eigentümer auf bis zu einer Million Franken. «Es ist schade, dass sich die Stadt nicht mehr einsetzte, damit wir dieses Projekt in einem zeitlich und finanziell vertretbaren Rahmen realisieren konnten», resümiert Erich Keller.

Im Dezember 2016 kam die erste Erlösung

Im Dezember 2016 stimmte der Dietiker Gemeinderat über den Gestaltungsplan ab. Charlotte Keller trat dafür in den Ausstand. Bei einer Gegenstimme wurde beschlossen, den Ausbau des Reitzentrums Fondli zu ermöglichen. Im Juli 2017 gab auch die kantonale Baudirektion ihr Okay zum Gestaltungsplan.

Die letzten Hürden waren dann rasch genommen: Im Dezember 2017 reichte Erich Keller das Baugesuch ein, im März dieses Jahres wurde es vom Kanton und im Mai von der Stadt Dietikon bewilligt. Die Baufreigabe wurde am 6. September erteilt. «Die Zusammenarbeit mit dem Kanton ist gut verlaufen», sagt Erich Keller, «ebenso jene mit der Dietiker Hochbauabteilung».

Überregionale Bedeutung

Für die Eröffnung der Reithalle im Frühjahr 2019 ist ein Fest im kleinen Rahmen angedacht. Bis dahin wird der neue, diesen Sommer fertiggestellte Sandplatz (20 mal 50 Meter) direkt neben der Reithalle genutzt. Den Kellers ist die Vorfreude anzusehen, wenn sie darüber sinnieren, wie sie einst durch die neue Halle reiten.

Die Dressurprüfung im Mai wird die erste von maximal vier Reitveranstaltungen sein, die in der Reithalle jährlich durchgeführt werden dürfen. So lauten die Auflagen der Stadt.

Die Nutzung der Halle für andere Anlässe wie Feste, Märkte oder Ausstellungen ist untersagt. «Willkür», meint Erich Keller und zieht die Schultern hoch. «Wir wollen keine Disco machen. Veranstaltungen hier hätten mit Tieren zu tun, etwa in Form einer Kaninchenschau oder eines Hunde-Parcours.»

Einen Ansturm auf die neue Reithalle erwarten die «Fondli»-Eigentümer nicht. Aber: «Wir können davon ausgehen, dass die Boxen gut belegt sein werden», sagt Erich Keller und lächelt. Denn die neue Reithalle habe nebst ihrer Bedeutung für Dietikon und das Limmattal durchaus auch eine überregionale: «All jene Reiter, die in ihrer nahen Umgebung nicht die passende Infrastruktur vorfinden, sind hier willkommen.»