Dietikon
Jetzt können die Senioren etwas erleben

Ein Erlebnisweg beim Altersheim soll zur Bewegung animieren und Stürzen vorbeugen. Mehrere Bewohnerinnen und Bewohner des Dietiker Alters- und Gesundheitszentrum machen bei diesem Projekt mit.

Bettina Hamilton-Irvine
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Haben am Erlebnisweg mitgearbeitet (v.l.): Raymond Broye, Agnes Koller und Peter Künzler zeigen Steine, die den Gewürzgarten beschriften. BHI

Haben am Erlebnisweg mitgearbeitet (v.l.): Raymond Broye, Agnes Koller und Peter Künzler zeigen Steine, die den Gewürzgarten beschriften. BHI

Wer im Altersheim wohnt, erlebt nicht mehr so viel. Umso aufregender waren die letzten Wochen für eine Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohner des Dietiker Alters- und Gesundheitszentrums: Sie wurden Teil eines neuen Projekts. Und dieses dürfte den alten Menschen auch in Zukunft noch einige Abwechslung in ihren Alltag bringen. Gemeinsam mit Studenten der Fachhochschule für Sonderpädagogik in Luzern realisierten sie nämlich einen Erlebnisweg rund um das Altersheim an der Oberdorfstrasse – eine Art Vita-Parcours für Senioren, der diese motivieren soll, sich im Freien zu bewegen.

«Ganz interessante Begegnungen»

«Im Rahmen der gemeinsamen Projektarbeit ergaben sich ganz interessante Begegnungen», erzählt Christoph Schwemmer, Leiter des Alterszentrums. Dass die Studenten während einiger Zeit mindestens einmal pro Woche vorbeigekommen seien, habe neue Spannung in das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner gebracht. «Unsere Senioren sind richtiggehend aufgeblüht», so Schwemmer.

Tatsächlich strahlt Bewohner Raymond Broye übers ganze Gesicht. Gemalt, gestrichen und geölt habe er, erzählt Broye begeistert. Nein, streng sei das nicht gewesen: «Das habe ich doch gern gemacht.» Seine Mitbewohnerin Agnes Koller pflichtet ihm bei: «Wir freuen uns daran.»

Bewegung beugt Stürzen vor

Die Idee für den Erlebnisweg stammt von einer Studentin der Fachhochschule für Sonderpädagogik in Luzern, die vor einigen Jahren auf der Dietiker Stadtverwaltung eine kaufmännische Ausbildung absolviert hatte. Damals arbeitete sie auch ein paar Monate im Büro des Alterszentrums. «Offensichtlich hat sie uns in guter Erinnerung behalten», sagt Schwemmer. Die junge Frau kontaktierte den Zentrumsleiter mit ihrer Idee – und dieser war Feuer und Flamme dafür.

Denn der Erlebnisweg soll noch einiges mehr bringen als bloss Abwechslung in das Leben der Senioren. Mit dem neuen Angebot will das Alterszentrum auch dazu beitragen, Stürzen vorzubeugen. Denn aus der Forschung sei bekannt, dass körperliche und geistige Bewegung zur Vermeidung von Stürzen beitragen, erklärt Schwemmer. Und diese seien für ältere Menschen oft «sehr gravierend».

Ungefähr ein Drittel aller Menschen über 65 Jahre stürzt mindestens einmal pro Jahr. «Danach blockiert sie oft die Angst davor, dass es wieder passieren könnte», sagt Schwemmer. Um vorzubeugen und die Bewohner beweglich zu halten, biete man deshalb bereits heute Tanzabende, Turnstunden oder Gedächtnistraining an. «Die Bewegung im Freien kommt jedoch noch etwas zu kurz.»

Dies soll sich nun ändern. Der Erlebnisweg, der nächste Woche offiziell eingeweiht wird, bietet den Senioren an verschiedenen Posten «neue Stimuli», wie Schwemmer sagt. So laden mit Gewürzen bepflanzte Töpfe zum Riechen und Betrachten, Sitzgelegenheiten zum Plaudern und Verweilen ein. Aufgemalte Fusstritte auf dem Boden geben Orientierung, an den Handläufen können sich die Senioren festhalten. Dies sei wichtig, sagt Schwemmer, da dadurch auf Rollatoren und andere Gehhilfen verzichtet werden könne. Das fördere das Gleichgewicht und die Motorik.

Weg ist anpassungsfähig

Der Weg, der auch Senioren offensteht, die nicht im Alterszentrum wohnen, soll laufend angepasst und weiterentwickelt werden. «Es ist ganz wichtig», so Schwemmer, «dass der Rundgang nicht eintönig wird.»

Eröffnungsfeier für Bewohnern und interessierte Personen: 26. April um 14 Uhr im Altersheim an der Oberdorfstrasse 15.