Dietikon
Jetzt ist es Tatsache: Zentrumsvereinigung löst sich auf

Ohne Gegenstimme hat die Vereinigung Zentrum Dietikon ihre Auflösung beschlossen. Mit dem 19-jährigen Verein verabschiedet sich eine wichtige Stimme für Detaillisten und Gewerbetreibende.

David Egger
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Vielleicht gibt es irgendwann neue Kräfte, die sich so engagiert fürs Dietiker Zentrum einsetzen wie die treibenden Kräfte der Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD). Von links nach rechts: die Vorstandsmitglieder Mona Sorcelli und Tim Ungricht, Präsident Elio Frapolli, alt Präsident und Gründungsmitglied Markus Kaufmann, Geschäftsleiterin Sabine Billeter, die Vorstandsmitglieder Stefan Bolliger und Jörg Schlatter und das langjährige ehemalige Vorstandsmitglied Rosmarie Frehsner.

Vielleicht gibt es irgendwann neue Kräfte, die sich so engagiert fürs Dietiker Zentrum einsetzen wie die treibenden Kräfte der Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD). Von links nach rechts: die Vorstandsmitglieder Mona Sorcelli und Tim Ungricht, Präsident Elio Frapolli, alt Präsident und Gründungsmitglied Markus Kaufmann, Geschäftsleiterin Sabine Billeter, die Vorstandsmitglieder Stefan Bolliger und Jörg Schlatter und das langjährige ehemalige Vorstandsmitglied Rosmarie Frehsner.

David Egger

«Wir kommen zur Auflösung, Punkt 5», sagte Elio Frapolli am Dienstagabend um 19.40 Uhr in der «Sommerau» in Dietikon. Es war die ausserordentliche Generalversammlung der Vereinigung Zentrum Dietikon, der letzte bedeutende Anlass dieses Wirtschaftsverbands, der sich 19 Jahre lang mit Vollgas für das Dietiker Zentrum eingesetzt hat. Und sich jetzt, in einer besonders schwierigen Zeit, auflöst – man denke an die schwierige Parkplatzsituation angesichts der Limmattalbahn-Baustelle oder an die Schliessungen verschiedener Geschäfte; zuletzt gab unter anderen die Papeterie Jenny AG bekannt, dass sie schliessen wird (die Limmat­taler Zeitung berichtete).

Der Hintergrund: Per 2020 fiel der jährliche Beitrag der Stadt Dietikon von rund 40000 Franken weg, da die Stadt die Standortförderungsaktivitäten selber übernehmen wollte, so etwa die verschiedenen Märkte im Zentrum. Das verunmöglichte es der Vereinigung, weiter eine Geschäftsstelle zu finanzieren. An der letzten Versammlung 2019 gab Elio Frapolli, der schon seit der Gründung 2001 im Vorstand engagiert ist und 2013 das Präsidium übernahm, bekannt, dass er und weitere Vorstandsmitglieder 2020 zurücktreten werden. Es sollten neue Personen für die neue Ära gesucht werden, die mit dem Wegfall der städtischen Gelder anbrach. Doch gefunden wurde niemand. So entschloss man sich, 2020 über die Auflösung abzustimmen.

Zentrumsgutscheine sind noch bis Ende Jahr gültig

Am Dienstagabend hatten sich nun 35 Mitglieder in der «Sommerau» eingefunden. Niemand von ihnen stimmte um 19.46 Uhr gegen die Auflösung. Auch die 46 brieflichen Stimmen, die im Vorfeld eingegangen waren, standen der Auflösung nicht im Weg. Somit stimmten insgesamt 81 der zuletzt noch 107 Mitglieder der Auflösung zu. Auch das weitere Vorgehen wurde bestimmt: Kassier Stefan Bolliger fungiert fortan als Liquidator. Noch bis Ende 2020 können Konsumentinnen und Konsumenten die von der Zentrumsvereinigung herausgegebenen Gutscheine in den Geschäften im Zentrum einlösen.

Danach ist Schluss. Geld, das übrig­bleibt, wird an den Gewerbeverein Dietikon überwiesen – auch das hat die Versammlung beschlossen. Der Gewerbeverein wäre froh um einen Detaillisten aus dem Zentrum, der in den Vorstand des Gewerbevereins eintritt und eine Idee ausarbeitet, wie die Gelder für das Zentrum eingesetzt werden könnten, wie Gewerbevereinspräsident Alfons Florian auf eine entsprechende Frage aus der Versammlung hin erklärte.

Die Versammlung soll «kein letztes Abendmahl» sein, sagte Frapolli eingangs. Er nutzte die Gelegenheit, um sich bei vielen Mitstreitern zu bedanken – zum Beispiel bei Sabine Billeter, Geschäftsleiterin der Zentrumsvereinigung. Ihr verlieh Frapolli einen eigenen Titel: «Für mich bist du Madame City.» An ihre Fersen hatten sich der Standortförderer der Stadt Dietikon und seine Mitarbeiterin im Jahr 2019 geheftet, um von ihr zu lernen – zum Beispiel im Hinblick auf die Märkte im Zentrum, die Billeter sehr engagiert organisierte.

In seiner Rede sagte Frapolli, dass es wichtig war, wie sich die Unternehmer des Zentrums stets eingebracht hatten. Das müsse auch in Zukunft passieren. «Ihr müsst noch viel mehr den Kontakt mit der Stadt suchen. Denn jetzt fehlt eine Scharnierstation, wie es unser Sabinchen war», so Frapolli.

Zu denken gibt ihm zurzeit, dass viele meinen, dass man verkehrstechnisch kaum mehr durch Dietikon komme – was aber nicht der Fall sei. Der Verkehr fliesse grundsätzlich gut. «Das muss viel präsenter werden in den Köpfen», sagte Frapolli, der sich aber angesichts der schwierigen Parkplatzsituationen mehr Innovation wie zum Beispiel Gratisaktionen der Parkhäuser erhofft hätte. Auch einen Fonds der Immobilienbesitzer und der Limmattalbahn, um die Gewerbler zu unterstützen, hätte er als eine gute Idee erachtet. «Denn es nützt nichts, wenn man die Limmattalbahn baut, dann aber nur noch leere Ladenflächen herumstehen. Das ist eine Herausforderung, die die Standortförderung jetzt anpacken muss», sagte Frapolli. Für ihn sei es unvorstellbar, dass es sich eine Stadt wie Dietikon leisten kann, auf eine funktionierende Wirtschaftsförderung zu verzichten, wie es die Zentrumsvereinigung war. Doch nun ist es so. «Ich sage das ohne Groll. Es muss bedeuten, dass bei der Standortförderung der Stadt eine grosse Vision vorhanden ist.» Und wer weiss? Vielleicht gebe es ja irgendwann eine neue Idee für eine neue Zentrumsvereinigung. Zum Schluss ergriff Dietrich Pestalozzi das Wort: «Elio hat mit unglaublichem Herzblut dafür geschaut, dass etwas passiert. Du hast einen riesigen Dank verdient.»