Dietikon
Jetzt ist das Stimmvolk an der Reihe: Gemeinderat klar für Schulpavillon Steinmürli

Das vom Stadtrat vorgelegte Projekt für einen Pavillon auf dem Steinmürli-Areal fand im Parlament grossen Zuspruch. Ein Rückweisungsantrag der Grünen hatte keine Chance.

Sophie Rüesch
Merken
Drucken
Teilen
So soll der erste Stock im Schulpavillon aussehen - und das schon im nächsten August.

So soll der erste Stock im Schulpavillon aussehen - und das schon im nächsten August.

zvg

Das Dietiker Stimmvolk wird voraussichtlich im September über einen 5-Millionen-Kredit für einen zweigeschossigen Holzpavillon beim Schulhaus Steinmürli befinden. Der Gemeinderat hat einen entsprechenden Antrag des Stadtrats gestern klar angenommen.

Unbestritten war im Rat, dass der Schulraumknappheit in Dietikon schnellstmöglich Einhalt geboten werden muss. Die städtische Schulraumplanung geht davon aus, dass bis in vier Jahren 400 zusätzliche Schülerinnen und Schüler in Dietikon unterrichtet werden wollen – das entspricht 20 Schulzimmern.

Der Gemeinderat hatte am Donnerstagabend über zwei Kredite zu befinden: einerseits den Baukredit in der Höhe von rund 5 Millionen Franken, der nun dem Stimmvolk vorgelegt wird; andererseits einen Kredit für die zweite Planungsphase in der Höhe von 360 000 Franken.

Letzterer ist nötig, da der laut Stadtrat «ambitionierte, aber realistische» Terminplan nicht eingehalten werden könnte, wenn die Planung erst nach der auf September geplanten Volksabstimmung fortgeführt werden würde: Am 2. August 2017 soll der Schulpavillon mit acht Klassenzimmern und weiteren Räumen nämlich bereits bezogen werden.

Mit dem neuen Planungskredit – ein erster in der Höhe von rund 200 000 Franken wurde bereits im Dezember bewilligt – soll nach der Abstimmung sofort das Arbeitsvergabe-Verfahren beginnen. Im März 2017 schon soll mit der Bauausführung begonnen werden.

Lebensdauer: 20 Jahre

Mit dem Pavillon, der eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren hat, sollen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Er soll als Übergangslösung dienen, bis Planungssicherheit für ein Limmatfeldschulhaus in der Stierenmatt besteht – und zu einem späteren Zeitpunkt dann eine weitere Überbrückung im Zusammenhang mit einem neuen Schulhaus im Niderfeld oder einer Erweiterung der Schulanlage Fondli ermöglichen.

In seinen ersten beiden Betriebsjahren dient er zudem als Ersatz für die Kindergärten im Steinmürli: Die bestehenden, 1965 erstellten Kindergärten müssen nämlich dringend saniert werden.

Die Geschäftsprüfungskommission schlug dem Rat die Annahme der Kreditanträge vor, wie Sprecher Ernst Joss (AL) erklärte.

Einzig die Grünen waren mit dem Antrag des Stadtrats nicht zufrieden. Sie schlugen stattdessen eine Mietlösung à la Schuleinheit Wolfsmatt vor; dort werden diesen Sommer auf fünf Jahre angelegte Mietpavillons in Betrieb genommen.

Solche wären laut Fraktionspräsident und Architekt Lucas Neff (der für das Steinmürli selbst ein Projekt eingereicht hatte) «termingerecht und umfassend für 2,8 Millionen Franken» realisierbar. Seine Parteikollegin Catalina Wolf stellte darauf einen Rückweisungsantrag. Sie fügte hinzu, dass ein Mietprovisorium der Stadt «Handlungsfreiheit für eine fundierte Planung» bieten würde.

Dagegen wehrte sich Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP): Man betreibe seit sechs Jahren eine Schulraumplanung, die diesen Namen verdient. Doch mit einer weiteren Verzögerung werde diese gefährdet.

Der Rückweisungsantrag hatte am Ende keine Chance: Er wurde mit 21 zu 5 Stimmen klar abgelehnt. Die Aktion der Grünen sorgte allerdings für einige Aufregung im Rat. Martin Romer und Ernst Joss zeigten sich im Namen der FDP-, respektive der SP/AL-Fraktion empört darüber, dass die Grünen einen solch umfassenden Antrag so kurzfristig stellten, nachdem die Beratungen in der Geschäftsprüfungskommission und den Fraktionen bereits gelaufen waren.

Markus Erni äusserte im Namen der SVP-Fraktion sein Erstaunen darüber, wieso nun ausgerechnet die Grünen eine Mietlösung propagierten: Sie hätten sich vor einigen Jahren doch so vehement gegen ein Mietschulhaus Limmatfeld gewehrt; und dass das Volk dieses ablehnte, habe die Stadt doch erst in den Schulraumschlamassel geritten. «Und jetzt wollt ihr plötzlich alles mieten?» fragte Erni. Sein Befremden darüber teilte auch Rosmarie Joss (SP).

«Eine vernünftige Lösung»

Philipp Müller (FDP) wiederum warf Lucas Neff vor, er spreche nicht als Gemeinderat, sondern «als Architekt, dem ein gutes Geschäft durch die Lappen gegangen ist». Auch Sven Johannsen (GLP) sagte: «Wir sind hier nicht an einem Architekturwettbewerb.»

Das vorliegende Projekt, führte Müller weiter aus, sei «in allen Belangen eine vernünftige Lösung», die natürlich etwas koste. «Aber das sind wir den Dietiker Schülern schuldig.»

Auch Ernst Joss hatte zuvor betont, dass die SP/AL-Fraktion überzeugt sei, mit dem Projekt «zu einem günstigen Preis ein gutes Schulhaus» zu bekommen, «das uns mit einer gewissen Flexibilität für neue Entwicklungen wappnet». Auch Gabriele Olivieri (CVP) lobte die Qualität des Projekts, das zudem auch «nicht überrissen teuer» sei.

Die Stimmverhältnisse in der Schlussabstimmung sprachen für sich: Der Gemeinderat nahm den Antrag des Stadtrats mit 26 Ja- und einer Nein-Stimme an. Die Grünen enthielten sich der Stimme.