Unterengstringen
Jedes Guetzli zählt: Eine Primarklasse sammelt für den guten Zweck

Andrea Kessler und ihre Klasse sammeln für «Jeder Rappen zählt». Hochmotiviert führen die Kinder ihren Verkaufsstand und strahlen dabei viel Freude aus.

Ly Vuong
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Es wird einem warm ums Herz wie diese Unterengstringer Schülerinnen und Schüler sich für Kinder auf der Flucht einsetzen
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Auch Muffins hat es noch bei der letzten Tourstation bei der Post.
Beliebt ist von jeder Guetzlisorte etwas.
Spendenaktion Unterengstringen
Start der Minimarkt-Tour beginnt beim Parkplatz unterhalb der Turnhalle
Apfel-Punch zum Aufwärmen gibt es auch.
Zweiter Halt ihrer Minimarkt-Tour ist die Dorfstrasse beim Brunnen.
Zum Thema Kinderrechte haben die Schülerinnen und Schüler Postkarten gestaltet.
Verschiedenste Guetzlis kamen zum Einsatz für den guten Zweck - Spitzbuben Lebkuchen Mailänderli und Zimtsterne.
So bunt können Brunslis sein.
Die Schuelerinnen verteilen Flyers an Passanten Im Bild Passantin Manuela Bantli
Die Kinder geben kompetent Auskunft zu ihrer Aktion.
Mit alkoholfreiem Punch kann man sich aufwärmen.

Es wird einem warm ums Herz wie diese Unterengstringer Schülerinnen und Schüler sich für Kinder auf der Flucht einsetzen

Ly Vuong

Die Zehen sind kalt. Rauch entsteigt. Die zehnjährige Emma füllt einen Becher mit heissem Wasser aus der Thermosflasche, um es mit Punch-Sirup zu mischen. Die Mitschüler bringen den Punch jubelnd zum Polizeiauto, das kurz bei der Dorfstrasse in Unterengstringen anhält. Die Freude ist gross, sogar die Polizei spendet.

Bereits seit Anfang Dezember sammeln Lehrerin Andrea Kessler und ihre fünfte Klasse der Schule Büel Geld für die Spendenaktion «Jeder Rappen zählt». Im Unterrichtsfach «Mensch und Umwelt» hat die Klasse das Thema Kinderrechte behandelt. Um den Kindern vor Augen zu führen, dass sie auch einen Beitrag zur Gesellschaft und zur Zukunft leisten können, hat Kessler ihnen vorgeschlagen, bei der Aktion «Jeder Rappen zählt» mitzumachen, die dieses Jahr Kinder auf der Flucht unterstützt.

Kinderrechte als Kartenmotiv

«Die Schüler haben über die Medien schon einiges über Flüchtlinge aus Syrien erfahren. Doch kamen auch konkrete Fragen», erzählt Kessler. Sie wollten wissen, wie lange eine Flucht dauert oder wo Syrien liegt. Durch die erhaltenen Informationen entwickelten die Schüler Mitgefühl für Kinder und Familien, die aus ihrer Heimat vertrieben werden.

In einem Brainstorming trugen sie Ideen zusammen, wie sie Geld sammeln könnten, um Kinder auf der Flucht zu helfen. Passend zur Saison entschieden sie sich, selbst gemachte Guetzli und Postkarten zu verkaufen. Die weihnächtlichen Motive der Postkarten sehen so vielfältig aus wie es Kinderrechte sind: Kinder haben das Recht auf Schutz, ärztliche Versorgung und Familie. Dabei lassen die Schüler Tannenbäume, Sterne und Spitäler auf Papier lebendig werden.

Nach dem Verkauf am Adventsfenster und einigen Pausenkiosken in der Schule zählt die Klasse bereits 1100 Franken. Der Fünftklässler Patrick meint dazu: «Es ist erstaunlich, wie viel Geld man innerhalb von 20 Minuten Pausenkiosk einnehmen kann.» Bestärkt durch das positive Echo ist die Schulklasse dann gewappnet für ihre zweitletzte Spendenaktion: eine Minimarkt-Dorftour. An drei Standorten in Unterengstringen (Parkplatz unterhalb der Turnhalle, Dorfstrasse und Post) machen sie am Donnerstagnachmittag halt mit ihrem Stand, an dem man Guetzli, Postkarten und Punch kaufen kann. Dabei werden keine Preise gesetzt, jeder kann geben, was er möchte.

«Mich fasziniert, wie motiviert die Kinder sind», sagt Mutter Martina Gredig. Sie habe beobachten können, wie ihre Tochter selbstständig mit ihren Kolleginnen die Einkaufsliste für die Zutaten aufstellte und einkaufen ging. Auch Schulleiter Beda Durschei ist beeindruckt: «Es ist ein grossartiges Projekt», sagt er. Damit die Klasse das Geld persönlich in Luzern in die Spendenbox von «Jeder Rappen zählt» einwerfen kann, zahlt die Schule die Reise dorthin.

Hochmotiviert führen die Kinder ihren Verkaufsstand und strahlen viel Freude aus. «Es ist sehr kalt, man spürt die Zehen kaum. Aber die Laune der Kinder ist sehr fröhlich und warm», sagt Lehrerin Kessler. Und das Engagement hat sich gelohnt: Weitere 653 Franken Einnahmen hat die Klasse an ihrer Minimarkt-Dorftour erwirtschaftet. Es bleibt ihr noch der letzte Pausenkiosk am nächsten Mittwoch, um die Gesamtsumme von 2000 Franken zu erreichen, die sie sich zum Ziel gesetzt hat.