Die Idee kennt Peter Meier von der Pro Senectute Urdorf aus dem Glarnerland, wo er regelmässig weilt: Ein Senioren-Internet-Kafi für ältere Menschen, die keine Ahnung vom Internet haben, absolute Laien, die es aber doch wundern täte, was man mit dieser wunderlichen Maschine so alles anfangen kann.

In Urdorf fand er beste Bedingungen, um eine solche weitherum einzigartige Institution auf die Beine zu stellen. Im Jugendkafi stehen seit Jahren drei Computer zur öffentlichen Benützung herum. In diesen Räumen findet jeweils am Freitag mit grossem Erfolg das Senioren-Kafi statt. Ab 18.Januar 2011 wurde es um den Dienstag erweitert.

«Es ist schon alles da»

Nun gehen Pro Senectute und die reformierte Kirche Urdorf noch einen Schritt weiter: Am kommenden Dienstag, 1.März, wird zusätzlich das Internet-Kafi in Betrieb genommen. Es findet jeweils an Dienstagen von 14 bis 17Uhr statt. Für Peter Meier ist es wichtig, dass
das Senioren-Internet-Kafi ein tiefschwelliges Angebot ist. «Hier kann jeder kommen und sagen, er komme nicht draus.»

Es funktioniert folgendermassen: Es gibt in Urdorf, ebenfalls in den Räumen der reformierten Kirche, die Computeria, welche sich an geübte User richtet. Aus diesen Kursen rekrutieren sich die Mitarbeiter, welche den Laien im Kafi mit Rat und Tat zur Verfügung stehen werden. Hauptträger der neuen Einrichtung für Senioren ist die reformierte Kirche. «Sie stellt alles zur Verfügung. Wir müssen nichts zahlen. Ohne diese Unterstützung ginge es nicht», urteilt Meier. «Die Kirche erkannte das Bedürfnis, und es ist schon alles vorhanden. Wir können somit die Einrichtungen der Kirche noch besser nutzen. Sie ist der grosszügig.»

Die Urdorfer Einrichtung unterscheidet sich von einem kommerziellen Internet-Kafi. Es ist alles gratis, man wird betreut und es ist für Leute, die noch nie an einer Computertastatur sassen.

Gegen «digitale Spaltung»

Peter Meier zitiert aus einer Studie des Zentrums für Gerontologie der Uni Zürich im Auftrag der Pro Senectute Schweiz aus dem Jahr 2010. Daraus lässt sich erkennen, dass die Altersgruppen bis 59Jahre in den letzten Jahren einen starken Anstieg der Internetnutzung aufweisen, die Altersgruppe ab 60Jahren in dieser Hinsicht aber stark zurückbleibt. Die Studie schreibt, dass ältere Menschen von dieser «digitalen Spaltung», die potenziell eine gesellschaftliche Ausgrenzung mit sich bringen könne, besonders betroffen seien. Von den 50- bis 60-Jährigen wird das Internet von 70Prozent benutzt, von den 60- bis 70-Jährigen noch zu 50Prozent und von den über 70-Jährigen nur noch von 18Prozent.

«Kirche muss andere Wege suchen»

Peter Meier, ehemaliger Präsident der reformierten Kirchgemeinde Urdorf, denkt, die Kirche müsse andere Wege suchen, um an die Leute heranzukommen. Es sei wichtig, dass ältere Leute sich treffen können, und dies bei sehr günstigen Konsumationskosten, wie es das Senioren-Kafi garantiere. «Die Kirche sieht ihre Aufgabe im Kafi darin, die Leute zu pflegen, aber dabei keine kirchlichen Aspekte zu behandeln», sagt Meier. Er ist gespannt, wer kommen und wer das Angebot nutzen wird. Er werde Formulare auflegen wo die Neu-User angeben können, was von ihnen gewünscht werde, erklärt er, und daraus eine Statistik erstellen.

Peter Meier verweist auf andere Angebote im Limmattal, etwa die Computeria der Pro Senectute Schlieren, die Internet-Kurse für Senioren anbietet. «Das ist nicht unser Ziel. Bei uns muss man sich nicht anmelden und kann einfach kommen», sagt er. Deshalb sei das Angebot weitherum einzigartig.