Begegnungen
Jeden Tag zieht es Sophie Vogler aufs Feld: "Ich wurde nach der Hochzeit direkt ins kalte Wasser geworfen"

Vor fünf Jahren schufen Sophie Vogler und ihre Familie in Unterengstringen einen neuen Ort der Begegnung in Form eines Gemüseladens mit angegliederter Bäckerei samt Café. Die Dorfbevölkerung zeigt sich überaus begeistert.

Margret Stöcklin
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Die 75-jährige Sophie Vogler geht jeden Tag in die Felder, um saisonale Produkte zu ernten.

Die 75-jährige Sophie Vogler geht jeden Tag in die Felder, um saisonale Produkte zu ernten.

Margret Stöcklin

Sophie Vogler bezeichnete sich selbst als fröhliche und arbeitsame Frau, bei der die Familie einen hohen Stellenwert besitzt. Ursprünglich stammt die klein gewachsene Frau aus Dietikon, wo sie 1942, als zweitjüngstes Kind von Anna und Thomas Wiederkehr, das Licht der Welt erblickte. Sie und ihre sieben Geschwister wuchsen an der Bergstrasse auf und mussten direkt nach der Schule arbeiten gehen. «Es war nicht viel Geld vorhanden, darum halfen alle mit, den Familienunterhalt zu sichern. Mein erster Arbeitgeber war der Wirt eines Restaurants in Spreitenbach», sagt Vogler.

Mit 18 Jahren durfte die junge Frau ins Welschland, um ihre Französischkenntnisse zu verbessern, wobei sie den Aufenthalt selbst finanzierte und sich als Küchenhilfe verdingte. Nach einem Jahr am Neuenburgersee kam sie zurück ins Limmattal und fand im Restaurant Eckstein, in Unterengstringen, eine Anstellung. Hier lernte sie ihren späteren Ehemann Jakob Vogler kennen, dem sie 1963 das Ja-Wort gab und 1965 beziehungsweise 1970 die Söhne Köbi und Hansjörg schenkte.

Ins kalte Wasser geworfen

Die Eltern ihres Gatten besassen einen Ökonomie-Betrieb und verkauften ihre landwirtschaftlichen Produkte auf Märkten. «Ich wurde nach der Hochzeit direkt ins kalte Wasser geworfen, indem ich alle Arbeiten einer Bäuerin ausführen musste, ohne eine entsprechende Ausbildung zu besitzen. Glücklicherweise konnte ich schnell in mein Arbeitsgebiet hineinwachsen und fühlte mich im Stall und auf dem Feld bald einmal zu Hause. Damals begann ich die Feldarbeit zu mögen. Die liebe ich heute noch am allermeisten», sag Vogler, die schon in jungen Jahren den ersten Hofladen der Region ins Leben rief.

Die Gelegenheit, am Ort frisches Obst und Gemüse zu beziehen, sprach sich rum und lockte jede Menge kauflustige Leute an. Vor sieben Jahren startete rundherum ein riesiger Bauboom. Ein Block nach dem anderen wurde geplant, jeder für Wohnungen, aber nicht für einheimisches Kleingewerbe. «Da kam uns die Idee, eine gemischte Liegenschaft, also mit Wohnungen und Gewerberäumen zu erstellen. In der einen Hälfte installierten wir unseren ‹Knack-Frisch-Laden› und den anderen Teil mietete Remo Wüst für seine Bäckerei/Konditorei samt angegliedertem Kaffee mit grosszügigem Aussenbereich.

Glücklicherweise fanden wir auch noch genügend Fläche für einen kleinen Spielplatz, was junge Mütter und deren Nachwuchs besonders freut», sagt die 75-Jährige, die als Ablöse im 2012 eröffneten Laden mithilft. Hier werden die notwendigsten Lebensmittel für den täglichen Bedarf verkauft sowie eigenes und zugekauftes Obst und Gemüse. Einige Käse-Spezialitäten kommen von Triaca aus Dietikon.

Am Abend mit Fug und Recht müde

Damit Obst und Gemüse wirklich knackfrisch verkauft werden können, geht die 75-Jährige jeden Tag in die umliegenden Felder, um saisonale Produkte zu ernten. Im Sommer steigt Sophie Vogler jeden Morgen um fünf Uhr aus den Federn. Im Winter schläft sie eine Stunde mehr, weil draussen länger dunkel ist. «Ich bin froh, dass meine beiden Söhne mir bei der Erntearbeit helfen, denn alleine wäre das zu viel für mich. Tatsächlich bin ich den ganzen Tag auf den Beinen, entweder im Haushalt, auf dem Feld oder im Laden. Am Abend spüre ich, was alles gelaufen ist, und finde, dass ich dann mit Fug und Recht müde sein darf», sagt sie.