Oberengstringen
Jazzclub Allmend: Ein Hauch New York im Limmattal

Saxofonist Christoph Irniger spielt gemeinsam mit Bassist Raffaele Bossard und Schlagzeuger Dominik Burkhalter im Jazzclub Allmend. Der Musiker ist einer der wenigen, der von seiner Leidenschaft leben kann.

Kathrin Fink
Merken
Drucken
Teilen
Christoph Irniger brachte einen Hauch Grossstadt in den Oberengstringer Jazzclub Allmend.

Christoph Irniger brachte einen Hauch Grossstadt in den Oberengstringer Jazzclub Allmend.

Kathrin Fink

«Es ist das Gegenteil des Numerus clausus bei den Medizinern», sagt Martin von Aesch bei seiner Ansage. «Jazzmusiker dürfen zwar im grossen Stil ausgebildet werden, aber die Auslese findet erst im Anschluss statt.»

Die meisten würden Lehrer werden und in einer Musikschule verschwinden, einige würden umsatteln und «etwas Richtiges lernen» und der letzte und kleinste Teil wage den Sprung ins Ausland und versuche so, wie der heutige Gast Christoph Irniger, von der Musik zu leben.

Es ist Samstagabend, der letzte Tag im Februar. Die Stimmung im Jazzclub Allmend in Oberengstringen ist zurückhaltend, das Licht schummerig. Zirka dreissig Besucher sitzen an kleinen Club-Tischchen und an zwei langen Tischen mit Bänken direkt an der Bühne.

Bandleader und Saxofonist Christoph Irniger, Bassist Raffaele Bossard und Schlagzeuger Dominik Burkhalter kommen gerade von einer einwöchigen Tour durch Österreich und bringen ihren zeitgenössischen Jazz nun ins Limmattal.

Kinoreife Leistung des Schlagzeugers Burkhalter

Sie beginnen mit einem neuen Stück namens «Air», der Bandleader erklärt: «Die Musik soll die verschiedenen Luftströme symbolisieren, so, wie wenn der Wind im Winter Staub und Blätter durcheinanderwirbelt.»

Die drei Musiker sind hoch konzentriert an ihren Instrumenten. Irniger spielt das Saxofon mal sanft mal hart, Bossard, zupft gekonnt die Seiten seines Basses. Schlagzeuger Dominik Burkhalter erinnert mit seinem dynamischen Stil an den derzeit im Kino laufenden Film «Whiplash».

Darin wird anhand eines junger Jazz-Drummers auf spannende und intensive Art und Weise gezeigt, was Schlagzeug spielen auf höchstem Niveau heisst.

Brooklyn als Quelle der Inspiration des Bandleaders

Das Trio beschliesst das erste Set mit dem Stück «Ocean Avenue». Dies sei eine Strasse im New Yorker Stadtteil Brooklyn , an der besonders viele Musiker leben, sagt Irniger. Er habe die Komposition vor zwei Jahren dort geschrieben.

Seit seiner Ausbildung an der Jazzschule Zürich vor 10 Jahren, hielt er sich immer wieder in Berlin und New York auf, 2011 sogar für ein halbes Jahr lang mit seiner jungen Familie. Seinen festen Wohnsitz hat er aber nach wie vor in der Schweiz. Er unterrichtet an der Jugendmusikschule der Stadt Zürich.

Neben dem Trio des heutigen Abends leitet Irniger auch das Quintett «Pilgrim», das demnächst auf Tour geht. Ausserdem ist er Mitglied von diversen internationalen Formationen und spielte in der Vergangenheit unter anderem für das Lucerne Jazz Orchestra.