Der Andrang war gross am frühen Samstagabend, als René Gubelmann die Tore zu seinem Atelier an der Dietiker Vorstadtstrasse öffnete. Es war das erste Konzert seiner Reihe «Jazz im Atelier» in diesem Jahr, die er erfolgreichen etabliert hat. Der Musiker und Maler kann sich über einen Mangel an Interesse nicht beklagen. «Für jedes Konzert führe ich Wartelisten und ich kann leider nicht alle Anmeldungen berücksichtigen», sagte Gubelmann. Mit seinen Mitstreitern Thomas Brupbacher (Piano), Franz Winteler (Bass) und Jürg Zimmermann (Trompete), mit denen er regelmässig probt, hatte Gubelmann – ein Virtuose am Schlagzeug wie mit dem Pinsel – ein einstündiges Programm einstudiert, das die zahlreichen Gäste begeistern sollte.

Das Konzept der Reihe «Jazz im Atelier» sieht zudem vor, dass die Musiker jeweils einem aufstrebenden jungen Talent eine Bühne bieten. Das stellte sich bislang aber als schwierig heraus. «Für das Organisieren der Konzerte muss ich jeweils auf die freien Daten meiner Musiker achten, das kann alles sehr kurzfristig sein. Und dann auch noch einen jungen Künstler zu finden, der an diesem Tag auftreten kann, war bis anhin nicht möglich.»

Ein vielversprechendes Konzept

Also entschied man sich für den Anlass am Samstag für Samira Mall, eine erfahrene Musical-, Jazz- und Blues-Sängerin aus den USA, die aber in Zürich arbeitet, unter anderem auch als Gesangslehrerin, und bereits im Chor für Céline Dion auf der Bühne sang. «Mit Samira Mall konnten wir nur zweimal proben, aber sie ist ein echter Profi», sagte Gubelmann.

Die Konzerte von Gubelmann sind auch ein Zusammentreffen von Familie, Freunden und Interessierten an der Jazz-Musik. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ruth Lustenberger und Sonja Laughton, seiner rechten Hand, wie er sie nennt, sorgte er für ein sympathisches Ambiente mitten in Musik und Kunst. Kennzeichnend war, dass der gesellschaftliche Teil bereits vor dem Konzert stattfand. Mit Ausnahme von Samira Mall mischten sich die Musiker vor dem ersten Ton unter die Gäste. Ein vielversprechendes Konzept: Bei Tapas und Wein im idyllischen Garten konnte man sich hervorragend auf die bevorstehende Musik einstimmen.

Pünktlich fanden sich die Gäste danach im Atelier ein, das mit Stühlen und Tischchen ausgestatten wurde, und das an diesem Abend auch wegen des heissen Sommertages eher an eine Bar irgendwo in New Orleans erinnerte, als an ein Kunstatelier in Dietikon.
Bereits mit den ersten Stücken eroberte das Quartett das Publikum im Flug. Immer wieder gab es Zwischenapplaus, insbesondere natürlich für Gubelmann am Schlagzeug. Gespielt wurden Eigenkompositionen und Standards, die die Bühne frei machten für den Stargast des Abends, Samira Mall.

Sie fügte sich harmonisch in die Formation ein und bestach mit ihrer Stimme, die sowohl kräftig, aber auch zart das Atelier füllte. Songs wie «My Funny Valentine» oder «This Thing Called Love» wurden von ihr und den Musikern makellos dargeboten.
Ein weiterer Höhepunkt war die Enthüllung eines neues Bildes von Gubelmann – auch das gehört zum Konzept seiner Konzert-Reihe. «Ich will aber nicht, dass meine Konzerte auch eine Kunstauktion sind, dennoch kann man das Bild heute natürlich kaufen», sagte Gubelmann. Sein Werk, ein kleines quadratisches Bild, Acryl auf Leinwand, sorgte ebenfalls für viel Applaus an diesem Abend.