Oetwil
Jazz-Club: Einer tritt ab, und der Neue ziert sich noch

Nach zwei Jahren als Interims-Präsident des Jazz-Clubs wird Hans Schweizer im April zurücktreten. Derjenige, der ihn beerben will, gibt sich noch bedeckt. Er möchte vor der Wahl nicht an die Öffentlichkeit treten.

Gabriele Heigl
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Er gibt nicht mehr lange den Ton an beim Oetwiler Jazz-Club: Hobby-Klarinettist und Interims-Präsident für zwei Jahre: Hans Schweizer.

Er gibt nicht mehr lange den Ton an beim Oetwiler Jazz-Club: Hobby-Klarinettist und Interims-Präsident für zwei Jahre: Hans Schweizer.

Christian Murer

Hans Schweizer wird sein Versprechen halten. Als er vor zwei Jahren sein Amt als Präsident des Jazz-Club Oetwil antrat, versprach er, dass er nicht nur einen Nachfolger finden werde, sondern dass mit diesem auch ein Generationenwechsel in dem überalterten Verein vollzogen werde. Wer derjenige ist, der an der Generalversammlung am 19. April Schweizer als Präsident beerben will, kann noch nicht kommuniziert werden. Der Kandidat will es so und möchte sich zu den Gründen nicht äussern. Nur so viel: Er ist 49 Jahre alt und wohnt in Oetwil.

Karten zu gewinnen

Einen Monat vor der Generalversammlung am 19. April lässt sich die Kandidatenfrage schon mal am 19. März in der Gemeindescheune Oetwil am traditionellen Jazz-Brunch diskutieren. Er beginnt um 10.45 Uhr und trägt letztmals die Handschrift von Fredi Frei, der als Vorstandsmitglied zurücktreten wird. Der Brunch wird musikalisch umrahmt von der Zigerhorns-Dixielandband.

Gemäss Club-Präsident Hans Schweizer stehen noch einige freie Plätze für Konzert und Brunch zur Verfügung. Näheres findet man unter www.jazz-club-oetwil.ch. Für die Leserinnen und Leser der Limmattaler Zeitung hat er zwei Freikarten reserviert, die verlost werden. Schicken Sie bis zum 16. März eine E-Mail an info@jazz-club-oetwil.ch. Die Gewinner werden am 17. März benachrichtigt. (GAH)

Hans Schweizer zeigt sich über die gefundene Lösung glücklich und erleichtert. Vor zwei Jahren war der Stadt-Zürcher als Retter in der Not zum Jazz-Club gekommen. Nachdem der langjährige Präsident Mäni Pfister und beinahe alle Vorstandsmitglieder zurückgetreten waren, stand der Club 2015 nach 30 Jahren vor dem Aus. Es fanden sich unter den 180 Mitgliedern keine Nachfolgerinnen und Nachfolger.

Aufgabe für den Jugendfreund

Die gute Idee, Hans Schweizer zu fragen, hatte Vorstandsmitglied Fredi Frei. Der war zwar inzwischen ins Glarnerland gezogen, wollte aber das Ende des traditionsreichen, grossen Vereins nicht kampflos hinnehmen. Er erinnerte sich an den Jugendfreund, der fast sein ganzes Leben im Kulturbereich tätig war und auch Führungsverantwortung vorweisen konnte. Der Hobby-Klarinettist und Jazz-Freund Schweizer war früher bei der Fachstelle für Kultur in Zürich und beim Konservatorium und Musikhochschule Zürich beschäftigt. Er zierte sich nicht lange und stellte sich für eine Kandidatur als Präsident zur Verfügung. Unter einer Bedingung: Er wollte das Amt nur interimistisch für zwei Jahre ausüben. Dafür gab er aber den Mitgliedern sein Versprechen in Bezug auf die Nachfolge.

Überalterter Verein

Das war mutig, denn ein möglicher Kandidat war zu diesem Zeitpunkt weit und breit nicht in Sicht. Vor allem die Sache mit dem Generationenwechsel setzte Schweizer ziemlich unter Druck. Mehrfach beklagte der 71-Jährige, dass der Verein überaltert sei, und scheute sich auch nicht, ein wenig zu provozieren: «Meine Devise war: Solange ich Präsident bin, wird – wenn immer möglich – keiner auf der Bühne stehen, der älter ist als 70 Jahre.» Der konservative Musikgeschmack der Mitglieder, die am liebsten immer nur Dixie hören wollten, schrecke die Jüngeren ab. «Jazz ist so viel mehr als Dixie», so Schweizer.

Nicht nur einen Kandidaten für das Präsidentenamt hat er gefunden. An der Generalversammlung im April kann der Vorstand ausserdem gleich drei neue Vorstandsmitglieder zur Wahl vorschlagen. «Damit ist das Weiterbestehen des Jazz-Club gesichert», ist Schweizer überzeugt. Unter anderem Jazz-Club-Veteran Fredi Frei wird nicht wieder antreten. Zu seinem Abschied durfte er die Band für den Jazz-Brunch am 19. März in der Gemeindescheune auswählen. Aufspielen wird eine Dixielandband aus dem Glarnerland.