Eine scheinbar zufällig zusammengewürfelte Zahlen- und Zeichenkombination rattert in zwei verschiedenen Browserfenstern den Bildschirm des Tablets hinunter. Nach nur wenigen Sekunden folgt der Stillstand. Der Jass zwischen den beiden von Angestellten des Schlieremer Innovationsunternehmens Zühlke entwickelten Bots, eine Kurzform für Roboter, ist zu Ende. Mit einer herkömmlichen, zwischenmenschlichen Jasspartie hatte die digitale Version wenig bis nichts gemeinsam. Weder haben die beiden Roboter Stumpen geraucht noch ein Bier getrunken.

Die Idee, Robotern das Jassen beizubringen, kam Software-Entwickler Daniel Stucki – wie könnte es anders sein? – bei einer Jasspartie. Der 27-Jährige und sein siebenköpfiges Team wollten im Rahmen einer Weiterbildung eine eigene, neue Anwendung entwickeln. «Weil mein ganzes Team gerne jasst, hat sich das ganze weiterentwickelt und ist gewachsen bis zum Wettbewerb vom kommenden Montag, die den Höhepunkt der inzwischen zwei Jahre andauernden Programmier-Arbeit bildet», so Stucki. Dann wird es sozialer. Zwar werden wohl weder Stumpen geraucht noch ist die Dorfbeiz der Austragungsort des Wettbewerbs, doch werden Menschen aus Fleisch und Blut mitfiebern. Studenten von Schweizer Hochschulen programmierten ihre eigenen Jass-Roboter, die dann im Zühlke-Hauptsitz gegeneinander antreten.

Jassen nach dem Zufallsprinzip

Den virtuellen Jassteppich, der die Karten verteilt, das Einhalten der Regeln kontrolliert und die Punktezahl notiert, wurde von Stucki und seinem Team erstellt. «Zudem erschufen wir für drei verschiedene Programmiersprachen das Skelett einer Applikation. Ausgehend von diesem konnten die Studenten ihre Jass-Bots programmieren», erklärt er. Diesen App-Skeletten ist eine Verbindung zum Jass-Teppich enthalten sowie die Funktion des Kartenausteilens. In welcher Situation welche Karte gespielt werde, liege jedoch voll und ganz bei den Programmierkünsten der Studenten. Denn: «Die App, welche wir als Grundlage zur Verfügung stellen, spielt Karten nach dem Zufallsprinzip aus.»

Bislang meldeten sich sechs Studenten-Teams, die am Montag ihre Bots gegeneinander antreten lassen werden. «In der Ausmarkung spielt jeder fünf Mal gegen jeden – dies wird in etwa fünf Minuten dauern», so Stucki. Dem Team des Gewinner-Roboters winken eine GoPro-Kamera und die Teilnahme an einem zweitägigen Zühlke-Innovationsseminar als Preise. Eine noch viel grössere Ehre dürfte jedoch sein, was danach folgt: das Messen mit einer menschlichen Jasserin. Denn die ehemalige Moderatorin der SRF-Sendung «Samschtig-Jass», Monika Fasnacht, wird vor Ort gemeinsam mit Stucki gegen den Siegerroboter antreten.

Welche Chancen rechnet Stucki, der selber keinen Bot ins Rennen schickt, der versierten Jasserin aus? «Sehr wahrscheinlich wird Frau Fasnacht gewinnen.» Denn die Jass-Applikationen seien noch nicht soweit, dass sie sämtliche Möglichkeiten berücksichtigen können. Zwar habe der Jass-Bot auch Vorteile gegenüber einem menschlichen Spieler: «Ist er gut programmiert, wird er nicht vergessen, welche Karten bereits gegangen und welche noch im Spiel sind», sagt Stucki. Auch würde ein menschlicher Jasser manchmal einen emotionalen Spielentscheid treffen und somit aufgrund von Übereifer ein Risiko eingehen. «Dies passiert dem Bot nicht, da er stets nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit spielt.»

Hierbei liege aber auch der Vorteil der Menschen. Denn das Risiko eines emotionalen Entscheids könne sich auszahlen und zudem können Menschen ihr Gegenüber im Gegensatz zum Bot ein Stück weit lesen. Doch: «In absehbarer Zeit sollte ein Jass-Bot entwickelt werden, der den Menschen problemlos schlägt.» Stucki denkt, dass dies in etwa zwei bis drei Jahren der Fall sein dürfte.