Schlieren soll in den kommenden Jahrzehnten dichter werden und mehr Freiräume erhalten. So lautet die Stossrichtung der Neuauflage des Stadtentwicklungskonzepts. Gestern wurde das Werk der Öffentlichkeit vorgestellt. Der grösste Unterschied zur bisherigen Planungsgrundlage bildet die Ansicht, dass Schlieren aus mehreren Zentren und nicht nur aus einem bestehe, wie Barbara Meyer, Projektleiterin Stadtentwicklung, sagte. «Die verschiedenen Quartiere und ihre jeweiligen Zentren sollen langfristig gestärkt und miteinander verbunden werden.»

Das vom Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner (AS&P) mithilfe zweier öffentlicher Workshops entwickelte Konzept ist bereits seit vergangenem April verbindlich für alle Bereiche der Verwaltung. Es dient einerseits als Grundlage für einen kommunalen Richtplan, der Schlieren bislang fehlte, und andererseits für eine schrittweise Revision der Bau- und Zonenordnung der Stadt. Das neue Konzept gibt Orientierung in verschiedenen Bereichen der Stadtentwicklung. Hier die wichtigsten Punkte.

Nördlich der Gleise soll ein attraktiver Bahnhofsplatz entstehen.

Nördlich der Gleise soll ein attraktiver Bahnhofsplatz entstehen.

  • Stärkung des Stadtzentrums und der Quartierzentren

In den kommenden Jahren steht die Entwicklung des Stadtzentrums im Fokus. Zwar ist der neue Stadtplatz bereits geplant und vom Volk abgesegnet worden, doch beim Bahnhof selber oder westlich der Überbauung Parkside gibt es noch Spielraum für die Stadtentwicklung. Auch auf der Nordseite des Bahnhofs, unter der Engstringerbrücke beim Sony-Gebäude, soll ein Platz entstehen, der die Quartiere über die Bahngleise miteinander verbindet.

Fünf Querspangen sollen die Limmat mit dem Wald verbinden.

Fünf Querspangen sollen die Limmat mit dem Wald verbinden.

  • Stärkung der Naherholungsgebiete und der Nord-Süd-Verbindungen

Die Renaturierung und Aufwertung des östlichen Teils des Limmatbogens sei bereits in Vorbereitung und soll ab 2021 durchgeführt werden, so Meyer. Mit dem Erhalt von Kleingärten und den Sportplätzen im Zelgliquartier wolle man Bestehendes bewahren. Mit einer möglichen Limmatpromenade zwischen Fluss und Gasi-Areal oder einem Brückenschlag im Westen hin zum Kloster Fahr soll dieser Bereich aufgewertet werden. Attraktiver werden soll auch der Schlieremer Wald. Dies will die Stadt mit einer besseren Gestaltung der Waldeingänge und sogenannter Freizeitinseln – Spiel- oder Sportgeräte sind denkbar – bewerkstelligen. Um die beiden Erholungsräume miteinander zu verbinden, sieht das Konzept fünf Querverbindungen vor, die auf den Fuss- und Langsamverkehr ausgerichtet sind. «Sitzgelegenheiten und Bepflanzungen sollen diese Wege attraktiv machen», so Meyer. Aber nicht nur die Verbindungen zwischen Fluss- und Waldraum sollen besser werden, auch ist die Stadt bestrebt, die bestehenden Überquerungen der SBB-Gleise aufzuwerten und neue zu erstellen.

  • Entlang der Stadtbahn soll verdichtet gebaut werden

Schlieren nehme mit dem vorliegenden Konzept Verantwortung wahr, sagte Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP). So sehe der Kanton vor, 80 Prozent des Bevölkerungswachstums im bestehenden Siedlungsgebiet aufzufangen. Schlieren sei also gefordert. Vornehmlich entlang des Trassees der Limmattalbahn soll eine Verdichtung bestehender Quartiere stattfinden. «Also dort, wo die Stadt heute Agglo ist, sollen Siedlungen erneuert und verdichtet gebaut werden», führte Meyer aus. Im Fokus dabei stehen die Gebiete nördlich und südlich der Zürcherstrasse zwischen Bäcker- und Flöhrebenstrasse. Aber auch rund um den Kesslerplatz soll verdichtet werden. Periphere Landreserven, wie etwa beim Bahnhof Urdorf oder an der Rietbachstrasse, sollen erst entwickelt und bebaut werden, wenn das Zentrum bereits verdichtet wurde.

  • Bernstrasse soll zu einer zweiten Pfingstweidstrasse werden

Die Bernstrasse könnte wie die Pfingsteidstrasse dereinst ein Tram haben.

Die Bernstrasse könnte wie die Pfingsteidstrasse dereinst ein Tram haben.

Fährt dereinst die Limmattalbahn, soll der motorisierte Individualverkehr vornehmlich über die Bernstrasse abgewickelt werden. Langfristig möchte die Stadt aber verhindern, dass die Bernstrasse zu einer reinen Transitachse wird. Viel eher soll eine stadtverträgliche Strasse entstehen, wie es das Konzept vorsieht. Dazu könnte etwa die Fläche nördlich der Strasse zwischen Landhausweg und Gaswerkstrasse eingezont werden. Als Vorbild sieht die Stadt die Pfingstweidstrasse in Zürich- West. Wie bei dieser sei auch ein Tram denkbar, wie Meyer sagt. Die Stadt Zürich denke bereits über eine Verlängerung nach. «Dies Option muss man sich unbedingt offenhalten», so Meyer.

  • Hochhäuser sollen auch Wegweiser sein und Orientierung geben

Schlieren möchte Hochhäuser bauen, doch sollen sie den Bewohnern Orientierung geben und nicht planlos erstellt werden. Entstehen können sie an den Schnittstellen der SBB-Gleise und der Querspangen, welche den Limmat- und den Waldraum verbinden. Im Zentrum rund um den Bahnhof sei ein Hochhaus von der Dimension des Limmattowers möglich. Westlich und östlich davon liegen Gebiete, wo Bauten von bis zu 50 Metern Höhe möglich sind: etwa bei der Gasometerbrücke, auf der Höhe NZZ-Druckerei, bei der Goldschlägi-Unterführung und auf der Höhe Bauhaus-Baumarkt. In den restlichen Gebieten entlang der Gleise und der Stadtbahn kann höchstens 25 Meter gebaut werden, was sieben Geschossen entspricht.

  • Stadteingänge beim Kesslerplatz und bei der Gasometerbrücke

Nicht nur das Zentrum soll mit dem Stadtpark und dem neuen Stadtplatz aufgewertet werden. Bei der Kreuzung Gasometerbrücke/ Zürcherstrasse wie auch beim Kesslerplatz soll die Stadt urbane Eingänge erhalten. Mit verdichteter Bauweise sollen dort neue Stadtplätze entstehen, die Schlieren neue Identifikationspunkte verleihen sollen, so Meyer.

Kesslerplatz soll zu einem der beiden Stadteingänge umgebaut werden.

Kesslerplatz soll zu einem der beiden Stadteingänge umgebaut werden.