Dietikon
Jahreskonzert des Circolo Culturale «Sandro Pertini» — mehr Italianità geht nicht

Am Samstagabend fand im Dietiker Gemeinderatssaal das Jahreskonzert des Circolo Culturale «Sandro Pertini» statt. Dabei fand am Samstag nicht etwa ein Rockkonzert statt, sondern ein Streifzug durch die Welt des italienischen Opernkomponisten Giuseppe Verdi.

Tobias Bolli
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Inessa Filistovich begleitete Tania Pacilio und Vitali Kovalchuk am Klavier.

Inessa Filistovich begleitete Tania Pacilio und Vitali Kovalchuk am Klavier.

Zur Verfügung gestellt

Der Andrang war gross am Samstagabend, so gross, dass am Eingang zum Gemeinderatssaal Dietikon nicht wenige Leute wieder abgewiesen werden mussten. «Tut mir leid, es ist zu voll», hörte man das Personal bereits 10 Minuten vor Beginn der Veranstaltung sagen, worauf die verhinderten Konzertgänger nur noch kehrt machen konnten.

Dabei fand am Samstag nicht etwa ein Rockkonzert statt, sondern ein Streifzug durch die Welt des italienischen Opernkomponisten Giuseppe Verdi. Organisiert wurde das Jahreskonzert vom Circolo Culturale «Sandro Pertini». Der von Mario Pingitore mitgegründete Verein hat es sich auf die Fahne geschrieben, Schweizer und Italiener mit Kulturveranstaltungen einander näher zu bringen.

Viele aufstrebende Operntalente brachte Pingitore in der über 25-jährigen Geschichte des Vereins schon von Italien nach Dietikon. Und auch am Samstag wurde Dietikon von italienischen Opernsängern beehrt, die für den Auftritt eigens aus Mailand angereist waren.

Im prallvollen Gemeindesaal ging es nach einigen italienischen Grussworten schnell zur Sache. Inessa Filistovich spielte auf dem Klavier einige sausende und aufwühlende Takte, worauf Tania Pacilio die Bühne betrat und zusammen mit Vitaly Kovalchuk ein Duett gab.

Die Emotionen kamen mit viel Körpereinsatz

Auch wenn man nicht verstand, was die beiden gerade auf Italienisch zum Besten gaben, die Emotionen, die sie auf der Bühne ausdrückten, waren unmissverständlich. Sie wurden nicht allein durch die Stimme fühlbar gemacht, sondern durch den Einsatz des ganzen Körpers – vorbei die Zeiten, als Opernsänger bewegungslos am Bühnenrand verharrten.

Tania Pacillio etwa streckte ihre Hand beschwörend ins Publikum, als habe sie dort ihren Liebsten erspäht, presste dann beide Hände – der Liebste war wohl doch nicht da – auf ihr Herz und vergrub zuletzt resignierend das Gesicht in ihren Händen.

Glücklicherweise war solche Schauspielkunst kein Ersatz für mangelnde musikalische Qualitäten – diese war im Gegenteil durchgehend hoch. Herausragend etwa der Auftritt von Paola Moroni, die die in höchsten Notenregionen tänzerisch schwebende Arie «Caro nome» aus Verdis Oper «Rigoletto» vortrug. In ganz andere Sphären entrückt wurde man da, gleich der Vortragenden, die sich an dieser Stelle in einen armen Studenten verliebt, der sich später jedoch als gutbetuchter Herzog entpuppt.

Gleichsam alle Register wurden mit «Bella figlia dell’amore» aus «Rigoletto» gezogen. Zum ersten Mal konnten in diesem Quartett alle vier Solisten, darunter auch der Bariton Davide Rocca, gleichzeitig auftreten. Ein Höhepunkt, der entsprechend in Szene gesetzt wurde. So wurde nicht nur von der Bühne aus gesungen, sondern auch von der Empore herab, sodass man das Stück gewissermassen in Surround-Sound geniessen konnte.

Für den Schlusspunkt vereinigten sich die beiden Duette auf der Bühne und gaben sich einer gewaltigen Eruption der Leidenschaft hin. Nur allmählich ebbte diese ab, bis es schliesslich hiess: Taci, taci! Still, still!

Das Publikum indessen mochte sich nicht daran halten und spendete tosenden Applaus, in den sich auch einige Bravorufe mischten.