Limmattal
Jahresabschlussfeste: Mit viel Glamour ins neue Jahr

Mit viel Aufwand und Einsatz bereiten die Schüler ihre Jahresabschlussfeste vor. Dahinter steht auch die Absicht, die unerfreulichen Seiten des bunten Treibens am ursprünglichen Schulsilvester zu unterbinden.

Aleksandra hiltmann
Merken
Drucken
Teilen
Die Oberstufe Birmensdorf-Aesch verwandelte sich zum Schulsilvester auch schon in eine Spielcasino

Die Oberstufe Birmensdorf-Aesch verwandelte sich zum Schulsilvester auch schon in eine Spielcasino

Zur Verfügung gestellt

Mit viel Engagement ist die Schülerschaft der Oberstufen Dietikon seit dem Herbst dabei, ihr Jahresschlussfest vorzubereiten. Wie auch in den Oberstufen Weiningen, Birmensdorf-Aesch und Urdorf organisieren die Klassen verschiedenste Veranstaltungen für den Vorabend des Schulsilvesters. «Da ist Party im ganzen Schulhaus», sagt Jean-Pierre Balbiani, Schulpräsident in Dietikon, nicht ohne Begeisterung.

Disco für die Grossen

Iris Hochschorner, Schulleiterin der Oberstufe Birmensdorf-Aesch, erläutert, dass das Schülerparlament jedes Jahr ein Thema bestimmt, welches als Leitfaden für die Dekoration der Schulzimmer dient. Das Abendprogramm mit Disco, Chillraum, Talentwettbewerb, Fussballturnier, Modenschauen und Essen aus aller Herren Ländern lässt Schüler- wie Lehrerschaft den Jahresabschluss gebührend feiern, lassen Schulpräsidenten und -leiter verlauten. Alle freuen sie sich über die Kreativität und den Einsatz der Schülerinnen und Schüler. Obwohl die Vorbereitungen für die Lehrer mehr Aufwand bedeuten und sie einige Abstriche im Unterricht machen müssten, hätten am Ende alle «den Plausch», betont Martin Stalder, Schulleiter der Oberstufe in Weiningen, wo dieses Jahresschlussfest unter dem Motto «Glamour» steht. Ähnlich sieht es an der Oberstufe Birmensdorf-Aesch aus: «Natürlich kommen die Lehrer auch Black & White», lacht Hochschorner, und ist gespannt auf das diesjährige Resultat des Aufbauens und Einrichtens.

Um ihren letzten Schulsilvester unter sich zu feiern, organisieren die dritten Klassen der Weininger Oberstufe einen externen Anlass. «Sie gehen zusammen Bowlen, ins Kino oder essen», so Ingrid Donatsch, Präsidentin der Oberstufenschulpflege.

Weihnachtsznüni für die Kleinen

In der Unterstufe geht es keineswegs leiser zu und her. In Urdorf findet jedes Jahr eine morgendliche «Lärmrunde» statt, bei der die jüngeren Schüler in Begleitung der Lehrer zusammen durchs Dorf ziehen, so Stefan Zehnder, Schulpräsident in Urdorf. Geordnetes Lärmen sei auch in der Primarschule Weiningen erlaubt, so Ursula Hintermeister, Präsidentin der dortigen Primarschulpflege. «Um sieben Uhr morgens treffen sich die Kinder zum Lärmkonzert. Danach findet ein klassenorientiertes, chilbiähnliches Programm statt – dieses Jahr organisieren die Sechstklässler beispielsweise eine Geisterbahn», erklärt Hintermeister weiter. Die Kindergärtler dürfen sich am Morgen des Schulsilvesters einen Film anschauen und einen Weihnachtsznüni verkosten, bevor sie in die Festtagsferien entlassen werden.

Das Lärmen hat in Schlieren eine lange Tradition – in der Schule Hofacker ziehen die Kinder bereits seit 30 Jahren mit Lärminstrumenten durch die Gegend, erklärt Bea Krebs, Präsidentin der Schulpflege in Schlieren. Der Umzug führt die Kinder zu einem für sie entzündeten Feuer, in welches sie Zettel werfen dürfen, beschriftet mit Dingen, die sie loswerden möchten, so Krebs weiter. Auch das frühe Aufstehen und Zusammenkommen mit Schülern aus anderen Klassen sei ein Erlebnis für die Kinder, hört man aus dem Schulhaus Schulstrasse.

In Dietikon finden in der letzten Woche vor den Festtagen zahlreiche Konzerte und Theaterdarbietungen der Unterstufen statt. «Es wurden Lieder verschiedener Herkunft gesungen und der ganze Anlass war sehr feierlich», erinnert sich Balbiani an eine vergangene Veranstaltung.

Zivilisierende Wirkung

Hinter dem organisatorischen Aufwand steht jedoch seit Jahren die Absicht, die unerfreulichen Seiten des bunten Treibens am ursprünglichen Schulsilvester zu unterbinden.

Noch zu Balbiani’s Kinderzeiten sei man im Morgengrauen durchs Dorf gezogen und hätte Nachbarn rausgeläutet und ihnen Streiche gespielt. «Wer an diesem Morgen als Letzter zur Schule kam, war der «Sylvester» und wurde den ganzen Tag gehänselt», erinnert sich Balbiani. Doch diese Streiche hätten nichts mit dem Vandalismus gemein gehabt, der sich in den darauffolgenden Jahren entwickelt hat. Sachbeschädigungen wie das Sprengen von Briefkästen seien natürlich inakzeptabel, so Balbiani entschieden. «Die organisierten Veranstaltungen haben auf jeden Fall geholfen, das Randalieren zu reduzieren», kann Balbiani nach mehreren Jahren Erfahrung sagen. Auch für Birmensdorf bestätigt Ernst Brand, Präsident der Primarschulpflege, dass es seit Jahren so gut wie keine Probleme gebe. «Holz alange, dass das so bleibt», hofft er für die Zukunft. Sogar in Schlieren sind Krebs, trotz der ausgeprägten Lärmtradition, keinerlei Beschwerden bekannt.

Organisierter Abgang

Doch die drastische Abnahme der Schäden und Beschwerden verlangt eine gute Planung seitens der Lehrer.

An der Oberstufe Birmensdorf-Aesch dürfen die Jugendlichen, einmal eingelassen zum Festen, das Schulhaus bis zum Ende der Veranstaltung nicht mehr verlassen, so Hochschorner. «Wer alkoholisiert kommt, wird bei den Eltern gemeldet und nach Hause geschickt».

Auch in Weiningen werden, um Beschwerden zu vermeiden, die Anwohner der Oberstufe informiert, sowie Lehrer zur Aufsicht auf dem Pausenplatz aufgestellt, um das Nach- Hause-Gehen der Schüler zu überwachen, erklärt Stalder.

Damit die Jugendlichen möglichst ohne Zwischenfälle zu Hause ankommen, wird laut Hochschorner genau erfasst, wer mit dem Bus heimfährt, wen die Eltern abholen oder wer den Fahrdienst der Lehrer in Anspruch nimmt. «Die Polizei wird über die wichtigsten Eckdaten informiert und weiss, wie viele Jugendliche sich alleine auf den Nachhauseweg machen», so die Schulleiterin weiter. Trotz dieser Vorkehrungen seitens der Schulen meint Donatsch: «Sind die Jugendlichen auf dem Nachhauseweg, sind auch die Eltern für sie verantwortlich.»

Neues Rahmenkonzept

Trotz der vielen positiven Rückmeldungen auf die Jahresschlussfeste und Unterstufenanlässe ist Oberengstringen bis anhin einen anderen Weg gegangen. Wie Otto Steinmann, Schulkoordinator der Schule Oberengstringen, erklärt, findet der Unterricht am Vorabend sowie am Schulsilvestermorgen selbst ganz normal statt. Die Oberstufe veranstalte nur alle drei Jahre einen grösseren Anlass. «Da die Kinder mit dem Silvesterprogramm früher als mit dem gewöhnlichen Unterricht fertig wären, ist die Betreuung im gewohnten Zeitrahmen nicht mehr gewährleistet», erklärt Steinmann. Dies sei gegenüber den Eltern problematisch. «Auf nächstes Jahr arbeitet die Schulleitung ein Rahmenkonzept aus, welches die gewünschte Betreuung gewährleistet», bestätigt Steinmann.