Ein Meer von O-Bikes: Dass die knallgelb-schwarzen Mietvelos aus Singapur, die seit einigen Wochen Zürich und seit wenigen Tagen auch das Limmattal überschwemmen, im Moment omnipräsent sind, ist man sich bereits gewöhnt. Aber das Bild, das sich auf dem Parkplatz des Feldschlösschen-Areals im Dietiker Industriequartier Silbern zeigt, erstaunt doch: Wie eine riesige Tierherde stehen die Drahtesel da, eins neben dem anderen, nagelneu, die Lenker und Körbchen noch in Plastikfolie verpackt. Rund 150 Stück sind es mindestens.

Dass eine ganze Flotte der Mietvelos bereit steht, um weiterverteilt zu werden, erstaunt. Denn noch am Donnerstag hat eine Sprecherin von O-Bike verkündet, alle ihre Fahrräder, die sich ausserhalb der Stadt Zürich befänden, würden bis am Freitag wieder eingezogen. Sie nahm damit Bezug auf die Kritik der Stadt Uster, welche begonnen hat, herumstehende O-Bikes einzusammeln. Es sei ein «Abstimmungsfehler» zwischen O-Bike und dem lokalen Lieferanten geschehen, sagte die Sprecherin zu «20 Minuten». Uster hätte gar keine Velos erhalten sollen. Das werde nun korrigiert.

Dietiker Firma als lokaler Partner

Für die Limmattaler Zeitung war O-Bike am Donnerstag nicht erreichbar. Die Firma aus Singapur, die ihre Telefonnummer nicht preisgibt, hat auch eine vor einer Woche gestellte E-Mail-Anfrage bis am Donnerstag noch nicht beantwortet.

Die Fahrräder seien auf ihrem Areal nur für ein paar Tage zwischengelagert, sagt dafür die Sprecherin von Feldschlösschen, Gabriela Gerber, auf Anfrage. Ein Spediteur habe darum gebeten, diese dort für eine Weile abstellen zu können. Die Spur führt zur Dietiker Firma Umzug24. «Ja, wir sind der lokale Partner von O-Bike», bestätigt Geschäftsführer Firat Kutal. Als Logistikpartner vor Ort verteile seine Firma O-Bikes, sie sammle aber auch falsch abgestellte oder kaputte Fahrräder ein. «Die Leute lassen die O-Bikes überall stehen», sagt Kutal. «Das macht die Arbeit für uns schwierig.» Er gibt aber auch zu, dass sein Team vielleicht an gewissen Orten zu viele Velos abgestellt habe. Wer sich daran störe, könne sich gern bei ihm melden, so Kutal.

Er betont, dass die O-Bikes in Zürich platziert worden seien, bevor seine Firma zum Logistikpartner geworden sei. Die Velos im Limmattal, in Uster und in Effretikon hingegen wurden vor einer knappen Woche von seinem Team platziert. Dazu habe man teilweise auch in der Nacht gearbeitet, sagt Kutal.

Die Fahrräder auf dem Feldschlösschen-Areal in Dietikon würden voraussichtlich am Freitag nach einer Qualitätsprüfung ins Lager verschoben, wo sie dann auf die nächste Lieferung warten. Wohin diese gehe, wisse er noch nicht, sagt Kutal. Hingegen kann der Umzug24-Geschäftsführer bestätigen, dass sein Team bereits begonnen hat, die O-Bikes in Uster einzusammeln. Diese habe man tatsächlich fälschlicherweise dort abgestellt, sagt Kutal. Man werde sie bis Freitagabend entfernt haben. Die Stadt Uster teilte am Donnerstag mit, sie gebe die 22 konfiszierten O-Bikes wieder frei, wenn die entstandenen Kosten übernommen werden. Sie will O-Bike verbieten, den öffentlichen Raum zu nutzen, solange keine Bewilligung vorliegt. Die Verantwortlichen will sie verzeigen.

194 O-Bikes im Limmattal

Die im Limmattal und anderswo abgestellten O-Bikes werden aber vorerst stehenbleiben. Er habe bisher keinen Auftrag erhalten, diese wieder einzusammeln, sagt Kutal. Im Limmattal ist die Zahl der Mietvelos sogar gestiegen. Ein Blick in die App zeigt: Auf der rechten Seite der Limmat und in den höher gelegenen Gemeinden Uitikon, Bergdietikon und Aesch stehen keine O-Bikes. Doch in den anderen Gemeinden haben sie Einzug gehalten. Ganze 114 der gelbschwarzen Velos standen am Donnerstagmittag in Dietikon, wobei nur schon 43 rund um den Bahnhof verteilt sind, 18 im Limmatfeld und 23 im restlichen Zentrum. 52 O-Bikes stehen in Schlieren herum, 19 sind es in Urdorf und 9 haben es an den Bahnhof Birmensdorf geschafft. Das ergibt 194 O-Bikes im ganzen Limmattal.

In Dietikon nimmt man die O-BikeInvasion nach wie vor gelassen. «Die Stadt steht dem neuen Angebot grundsätzlich offen gegenüber», sagt Mediensprecherin Esther Pioppini. Das weitere Vorgehen mache man nicht davon abhängig, wie viele O-Bikes da seien, sondern von der Nutzung und der Resonanz in der Bevölkerung. Bis anhin habe man aber keine negativen Reaktionen erhalten. «Sobald man feststellen würde, dass kaputte und verwahrloste Velos auf öffentlichem Grund herumstehen, würden wir diese einsammeln», so Pioppini.

Richtig begeistert ist hingegen die Urdorfer GLP-Kantonsrätin Sonja Gehrig. Sie lobte die O-Bikes auf Facebook mit den Worten: «Schön, dass der Veloverleih nun auch im Limmattal möglich ist.» Wie umstritten die O-Bikes sind, zeigen jedoch die vielen Reaktionen und die hitzige Diskussion, die sich unter ihrer Mitteilung entspann.