Oberengstringen
Italienischer Jazz um den Herbsteinbruch zu versüssen

Das Jazz-Quartett Swing Power brachte dem Publikum am Samstagabend ein Stück Italien ins Limmattal. Die Musik aus der Zeit Mussolinis lockte um die 70 Menschen in den Jazzclub Allmend.

Maika Schelb
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Die Musiker von Swing Power stecken viel Gefühl in ihren Jazz.

Die Musiker von Swing Power stecken viel Gefühl in ihren Jazz.

Majka Schelb

Füsse wippen, Finger schnippen und sanfter Jazz erfüllt den Raum. Ruhige, emotionale Lieder und rassige, mitreissende Rhythmen wechseln sich ab. Zwischen den Liedern erzählt der Akkordeonist Danilo Boggini von der Bedeutung der Texte und bringt das Publikum mit seinem charmanten italienischen Akzent immer wieder zum Lachen. Um die 70 Menschen fanden sich am Samstagabend im Jazzclub Allmend in Oberengstringen ein, um sich mit ein paar Jazztönen den Herbsteinbruch zu versüssen.

Musik aus faschistischem Italien

Die Jazz-Band Swing Power setzt sich zusammen aus den Musikern Danilo Boggini, Duilio Galfetti, Pierluigi Ferrari und Marco Ricci. Ihre Musik kommt aus einer Zeit, in der sich das faschistische Regime Italiens gegen alles Neue und Fremde sträubte. Dazu gehörte auch der neuartige Jazz, der sich ausserhalb des Landes damals schnell verbreitete.

Ganz konnte die Regierung diese neuartige Musik aber nicht von den Leuten fernhalten, denn viele italienische Radios spielten auch jazzige Lieder. Durch die Isolierung entstand auf der Halbinsel ein einzigartiger Jazz, der sich stark vom amerikanischen unterschied. «Der traditionell-italienische Jazz ist emotionaler und melodiöser als der amerikanische. Für mich ist er Poesie», schwärmt Danilo Boggini.

Ein Jazz ohne Blasinstrumente

Typisch für den traditionell italienischen Jazz ist unter anderem eine ansonsten eher unübliche Instrumentierung mit Mandolinen und Violinen, zusammen mit Akkordeons und Gitarren. Dies sieht man auch bei der Band Swing Power, die sich aus Violine, Akkordeon, Gitarre und Kontrabass zusammensetzt.

Die Texte handeln von ausgedachten Figuren oder Tieren, die meist als Metapher für die politische Situation in Italien gebraucht wurden. «Die Texte tönen vielleicht dumm, aber meistens wollen sie auf eine Ungerechtigkeit aufmerksam machen und gegen das Regime protestieren», sagt Boggini. So singen die Vollblutmusiker beispielsweise von einem Pinguin, der sich das Leben nimmt, da der Vater seiner Geliebten ihn nicht akzeptiert. Aber auch bei Liedern wie diesem, bei denen der Inhalt einzelne zum Schmunzeln bringt, packt das Quartett genug Gefühl hinein, dass es aussieht, als versetzten sich die Musiker gerade in diesem Moment in diesen Pinguin hinein.

Für Jung und Alt

Da die junge Generation diese traditionelle Musik nicht mehr kennt, sei die Band 2012 auf die Idee gekommen, an fünf Konferenzen ein Repertoire aus verschiedenen traditionellen Jazzliedern zu spielen. Die Musik kam aber nicht nur bei den Jungen gut an, sondern auch bei der älteren Generation, da sie bei ihnen Erinnerungen hervorrief. «Wir waren von dem Erfolg überrascht und haben uns entschieden, eine Konzertreihe mit diesem Repertoire zu starten und eine CD zu produzieren», so Boggini. Diese Konzertreihe ist nun zu Ende. Das Quartett macht aber mit traditionellen Liedern weiter. Boggini: «Eine weitere CD ist in Planung.»

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