Dietikon

Italienische Produkte in der Werkhalle

Pasquale Aleardi ist mit seinem italienischen Spezialitätengeschäft «Quadrifoglio» in die Liegenschaft an der Lagerstrasse gezogen.

Pasquale Aleardi ist mit seinem italienischen Spezialitätengeschäft «Quadrifoglio» in die Liegenschaft an der Lagerstrasse gezogen.

Den einstigen Sitz von Koenig Feinstahl teilen sich zwei neue Mieter. Die Liegenschaft soll ab 2017 komplett saniert werden.

Wo früher Blech gewalzt wurde, ist es heute Nudelteig: Am einstigen Standort von Koenig Feinstahl an der Lagerstrasse in Dietikon werden seit einiger Zeit italienische Lebensmittel produziert und verkauft. Im Parterre des Bürogebäudes und einer der Werkhallen befindet sich das Spezialitätengeschäft «Quadrifoglio».

Inhaber Pasquale Aleardi hat dieses zuvor an der Wagistrasse in Schlieren betrieben. «Das dortige Gebäude wurde abgerissen», sagt Aleardi. Auf der Suche nach einem neuen Ladenlokal ist er zu den Wurzeln seiner Selbstständigkeit zurückgekehrt: In Dietikon hatte der Italiener mit dem Import von Produkten aus seiner Heimat angefangen, bevor er 1985 nach Schlieren umzog.

Aleardi ist überzeugt, mit der Rückkehr nach Dietikon die richtige Entscheidung getroffen zu haben: Der neue Standort sei ideal, da er vom Bahnhof aus zu Fuss erreichbar ist. «Ausserdem gibt es für motorisierte Kunden genügend Parkplätze», sagt Aleardi.

Komme hinzu, dass die Miete an der Lagerstrasse vergleichsweise günstig sei. Wie sich der neue Laden entwickeln wird, kann Aleardi allerdings noch nicht sagen. «Dafür ist es noch zu früh.» Langsam fänden die Leute den Weg an die Lagerstrasse, auch die Stammkunden aus Schlieren.

Glücksfall für Metallbauer

Aleardi ist nicht der Einzige, der sich am einstigen Standort von Koenig Feinstahl niedergelassen hat. In drei der vier Hallen des Blechverarbeiters, der im Sommer seine Tätigkeiten in Dietikon aufgrund wirtschaftlicher Probleme einstellen musste, hat sich das Stadtzürcher Unternehmen Surber Metallbau AG eingemietet.

Geschäftsführer Albert E. Surber bezeichnet den neuen Standort in einer Medienmitteilung als «Glücksfall». «Wir haben vor, länger hier zu bleiben», sagt Surber auf Anfrage. Der Zustand der Hallen sei sehr gut, allerdings müsse in den nächsten Jahren die Gebäudehülle saniert werden. «Die Hallen sind zwar voll funktionstüchtig, aber schlecht isoliert.»

Die Metallbau-Firma hat sich laut Surber jahrelang in der Stadt Zürich nach einer neuen Bleibe umgeschaut. Der Platz am alten Standort direkt am Hardplatz und inmitten von Wohn- und Bürogebäuden sei immer knapper geworden, die Zufahrt für Lastwagen zur Hohlstrasse schwierig.

Die Suche nach einem Ersatz in der Stadt blieb allerdings erfolglos. «In Zürich gibt es keine Hallen mehr, die unsere Anforderungen erfüllen», sagt Surber. So seien für die Produktion der Metallbaufirma hohe Gebäude nötig.

In den Werkhallen in Dietikon hat sein Unternehmen nun ausreichend Platz. Mit den 3800 Quadratmetern Fläche bieten sich hier ganz neue Möglichkeiten, sagt Surber. «Kurz nach dem Umzug konnten wir als erster Metallbauer in der Schweiz eine halbautomatische Produktionsstrasse in Betrieb nehmen.» Ausserdem sei der neue Standort für den Verkehr ideal erschlossen.

Es wird nach draussen geheizt

Der Spezialitätenladen und der Metallbauer sind vorerst mit einem befristeten Vertrag in der Liegenschaft eingemietet. «Eigentlich wäre der Mietvertrag mit Koenig Feinstahl bis Ende 2017 gelaufen», erklärt Hans-Erich Meier von der EBV Immobilien AG, welche die Liegenschaft im Auftrag der Eigentümerin Lager 10 GmbH verwaltet.

Die befristeten Verträge seien eine Zwischenlösung. Das heisst aber nicht, dass Quadrifoglio und Surber Metallbau nur knapp zwei Jahre an der Lagerstrasse 10 bleiben können. «Die Mieter können natürlich länger bleiben. Sie müssen sich aber mit dem Umbau der Liegenschaft arrangieren», sagt Meier.

Denn sowohl der Bürotrakt als auch der 4200 Quadratmeter grosse Anbau, in dem die vier Werkhallen untergebracht sind, sollen ab 2017 unter Betrieb komplett saniert werden. «Bis auf das Grundgerüst wird die gesamte Liegenschaft zurückgebaut», sagt Meier.

Mit der heutigen Gebäudehülle aus den 1970er-Jahren wird laut dem Architekten «zum Haus heraus geheizt» — die neue soll dereinst den heute geltenden energetischen Vorgaben entsprechen. «Ausserdem wird die gesamte Haustechnik auf den neusten Stand gebracht», so Meier.

Für den Umbau der Hallen bestehe bereits die Baubewilligung, im ersten Halbjahr 2016 soll die Baueingabe für die gesamte Liegenschaft eingereicht werden. «Mit den jetzigen Mietern stehen wir in engem Kontakt über das weitere Vorgehen.»

Der fünfstöckige Bürotrakt und die Werkhallen dahinter sind sanierungsbedürftig.

Der fünfstöckige Bürotrakt und die Werkhallen dahinter sind sanierungsbedürftig.

Keine Wohnungen im Bürotrakt

Bei der Suche nach neuen Mietern stiess Meier insbesondere für die Werkhallen auf eine rege Nachfrage. Für Meier verständlich: Der Standort sei vor allem dank der Nähe zum Bahnhof und der Autobahn «unbestritten hervorragend». Trotzdem bleibt der Grossteil des fünfstöckigen Bürotraktes bis nach dem Umbau frei.

«Ein Umzug vor der Sanierung lohnt sich für viele potenzielle Mieter nicht», sagt Meier. Wer sich danach in den noch freien Büroräumen einquartiere, sei noch offen. Angedacht sei etwa, ein medizinisches Zentrum aufzubauen. Klar ist hingegen: Wohnungen wird es im ehemaligen Sitz von Koenig Feinstahl nie geben. «Dafür steht die Liegenschaft in der falschen Zone.»

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