Geroldswil
Ist ein Tier für das Verschwinden der Katzen verantwortlich?

Gestern Morgen hat ein Tier die Katze der Familie Baur attackiert und schwer verletzt. Die Besitzer reden von einem Fuchs, die Experten sind skeptisch.

Katja Landolt
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Martin Bühler, Jagdpächter Revier Gubrist, vor einem der vielen Fuchsbauten

Martin Bühler, Jagdpächter Revier Gubrist, vor einem der vielen Fuchsbauten

ksc

Es ist kurz nach Mitternacht, als die Familie Baur aus dem Bett hochfährt. Katze «Wischi» schreit erbärmlich. Die Baurs stürzen in den Garten, die Hunde hinterher. «Das war ein Fuchs, der die Katze am Genick gepackt hatte», sagt Priska Baur. Das Tier lässt die Katze fallen, rennt davon. «Wischi» ist an der Gurgel schwer verletzt, kann nicht mehr laufen. Die Baurs bringen sie sofort zu Tierärztin Carmen Müller.

Vermisste Büssis in ganz Geroldswil

«Wischi» hat Glück; sein breites Lederhalsband hat ihm womöglich das Leben gerettet. «Die Katze war mit Ausnahme der Gurgel nicht weiter verwundet», sagt Müller. Aber: Es ist bereits das zweite Mal innert weniger Tage, dass eine Katze mit Bisswunden am Hals in der Kleintierpraxis von Carmen Müller gelandet ist. Ist ein Tier der Grund für das Verschwinden von inzwischen 17 Geroldswiler Katzen?

Priska Baur ist überzeugt, dass es sich bei «Wischis» Angreifer um einen Fuchs gehandelt hat: «Ich habe den Fuchs schon ein paar Mal bei uns über die Wiese schleichen sehen.» Ausserdem fehle auch von einem anderen ihrer vier Büsis seit Sonntag jede Spur.

Zweifel an Fuchs-Version

Tierärztin Müller bestätigt, dass die Bisswunden von einem Tier stammen. Aber ob der Verursacher der verschwundenen Katzen in Geroldswil der Fuchs war, wisse sie nicht. Ausserdem liege es nicht in der Natur des Fuchses, Katzen anzugreifen. War es vielleicht ein Hund? «Wenn es ein Hund gewesen wäre, müsste es ein abgerichtetes, trainiertes Tier sein», sagt Müller. Für sie sei die Variante des streunenden Hundes aber wenig glaubhaft. «Den müsste irgendjemand im Quartier beobachtet und gemeldet haben», ist sie überzeugt.

Auch Martin Bühler, Jagdpächter des Reviers Gubrist, zu dem auch der Wald oberhalb von Geroldswil gehört, ist skeptisch: «Der Fuchs müsste stark sein, die Katze altersschwach oder kränklich und der Angriff überraschend - anders würde ein Fuchs keine Katze erwischen.»

Ausserdem beobachte er die Fuchsbauten ständig; bis jetzt sei ihm noch nie aufgefallen, dass vor einem der Bauten Fellbüschel oder Knochen zu sehen gewesen wären. Die verschwundenen Tiere dürften seiner Meinung nach nicht auf das Konto eines Fuchses gehen.

Auch Zweifel an einer Luchs-Version

Auch einen Luchs schliesst Bühler aus. «Ein Luchs könnte eine Katze zwar problemlos töten. Aber er würde nicht in ein Wohnquartier eindringen, dafür ist er viel zu scheu.» Auch auf den Aufnahmen, die die im Revier installierten Wildkameras liefern, sei ihm nichts Ungewöhnliches aufgefallen. «Ich kann mir nicht erklären, was für ein Tier die Katzen angegriffen haben könnte», sagt Bühler.

Auch der Zürcher Wildhüter Erwin Nüesch glaubt nicht an die Fuchs-Geschichte: «Ein Fuchs hat Angst, eine angegriffene Katze ist extrem gefährlich.» Selbst an eine Ausnahme glaubt Nüesch nicht. «Ich bin überzeugt, dass es sich um einen Hund handelt.»

Aufschluss über den Angreifer könnten die Bisswunden liefern. «Wenn der Abstand der Fangzähne gemessen werden könnte, wüssten wir Bescheid», sagt Nüesch. Beide angegriffenen Katzen haben aber nur eine Verletzung durch einen Fangzahn. Tierärztin Müller rät allen Katzenbesitzern, ihre Tiere vorerst über Nacht im Haus zu behalten.