Dietikon

Ist die Verkehrsumleitung nur attraktiv für Autos, aber mühsam für alle anderen?

Grund für die Verkehrsumleitung auf die Schöneggstrasse ist die Limmattalbahn-Baustelle auf der Zürcherstrasse.

Grund für die Verkehrsumleitung auf die Schöneggstrasse ist die Limmattalbahn-Baustelle auf der Zürcherstrasse.

Der Dietiker Stadtrat nimmt Stellung zum zusätzlichen Verkehr auf der Schöneggstrasse wegen der Limmattalbahn-Umleitung. Er antwortet damit auf einen Vorstoss von SP-Gemeinderat Manuel Peer – nicht alle Antworten genügen dem Anwohner.

Entlang der Schöneggstrasse sorgt man sich. Seit rund drei Monaten führt der Verkehr Richtung Osten wegen der Limmattalbahn-Baustelle über diese Gemeindestrasse. Wer in Richtung Westen will, muss auf die Zürcherstrasse. Nur Busse verkehren in beide Richtungen.

Das System dieses sogenannten Grosskreisels funktioniert für den motorisierten Verkehr gut – zu gut, findet Gemeinderat Manuel Peer (SP). «Darunter leiden alle anderen Verkehrsteilnehmer.» Peer wohnt selbst an der Schöneggstrasse und kennt die Sorgen und Ängste des Quartiers. Deshalb stellte er dem Stadtrat im Juli sechs Fragen zur Grossumleitung. Nun hat der Stadtrat diese Interpellation von Peer beantwortet.

Peer sorgt sich primär um die Sicherheit und wollte deshalb vom Stadtrat wissen, ob die Umleitung den Kindern der Kindergärten und Schulen sowie den Anwohnenden zuzumuten sei. «Von mir aus komme ich zu Fuss gar nicht mehr an die Limmat und es ist schwierig, mit dem Velo durch die Stadt zu gelangen», sagt Peer. «Bei der ganzen Bauerei wird für das Auto alles gemacht, alle anderen müssen hinten anstehen.»

Stadtrat hält Umleitung für angemessen

Für den motorisierten Verkehr funktioniere die Umleitung hervorragend. «Als Autofahrer kommt man jetzt viel schneller durch Dietikon», sagt Peer. Wegen der Umleitung gebe es momentan weniger Lichtsignale und Fussgängerstreifen, die den Verkehr behindern könnten. Doch das erhöhte Verkehrsaufkommen auf der Schön­eggsrasse berge Gefahren für die Schülerinnen und Schüler, die hauptsächlich zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs seien.

Der Stadtrat hingegen findet, dass die notwendige Sicherheit mit diversen Massnahmen gewährleistet werde. So verkehren Autos etwa nur auf einer der beiden Fahrspuren und der Verkehr bleibe deshalb ausreichend übersichtlich. «Ausserdem sind alle Fussgängerstreifen in der Schöneggstrasse sowie die Lichtsignalanlage am Schulhaus bestehen geblieben», schreibt der Stadtrat.

Bei der Lichtsignalanlage beim Schulhaus Wolfmatt sei die Grünphase für Fussgänger zudem verlängert worden. Und für die zusätzliche Sicherheit sei beim Kreisel Birmensdorferstrasse/Schöneggstrasse sowie im Bereich Asylstrasse/Schöneggstrasse ein Verkehrsdienst eingerichtet worden. Der Stadtrat hält die Umleitung folglich für zumutbar.

Wenn der Verkehr nicht abnimmt, könnte Tempo 30 drohen

Neben der Sicherheit ist auch der Verkehrslärm ein grosses Thema. Peer wollte wissen, ob die Schöneggstrasse bei der neuen Verkehrsbelastung die Grenzwerte der Lärmschutzverordnung noch einhalte. «Es ist nicht auszuschliessen, dass die Grenzwerte bei einem Teil der angrenzenden Liegenschaften überschritten werden», lautet die Antwort des Stadtrats.

Erste Verkehrsmessungen in der Schöneggstrasse ergaben ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen. Der Stadtrat geht jedoch davon aus, dass es sich bei diesen Messungen aus dem Monat November um einen Spitzenwert handelt und sich die Anzahl der Fahrzeuge auf einem tieferen Niveau einpendeln wird.

Manuel Peer sieht derweil ein anderes Bild: «Der Verkehr nimmt nicht ab. Im Gegenteil. Mich dünkt, er steigt laufend.» Im Winter sei es zwar noch erträglich. Im Sommer werde es dann jedoch kaum möglich sein, die Fenster zu öffnen. Immerhin schreibt der Stadtrat auch, dass weitere Verkehrsmessungen vorgesehen sind. «Falls die Verkehrsmenge wider Erwarten in den nächsten Monaten zunehmen sollte, wird die Einführung einer Geschwindigkeitsreduktion für die Dauer der Verkehrsumleitung geprüft.»

So funktioniert die Umleitung im Osten Dietikons.

So funktioniert die Umleitung im Osten Dietikons.

Peer kommt diese Antwort gelegen. Im Februar brachte er erfolgreich sein Postulat, das Tempo 30 auf der Schöneggstrasse fordert, durchs Parlament. Ihm ginge es nicht darum, die Autofahrer «künstlich zu plagen», sondern darum, dass die Schöneggstrasse in Zukunft nicht als Hauptstrasse wahrgenommen wird. Der Stadtrat sieht es ähnlich. Als Lösung favorisiert er aber nicht Tempo 30, sondern eine Sperrung der Schöneggstrasse beim Knoten von Post- und Asylstrasse, wie er im August bekannt gab.

Peer kämpft trotzdem weiter: Er will im kommenden Jahr erneut einen Vorstoss ins Parlament bringen. «Sobald die Zürcherstrasse wieder frei befahrbar ist, muss auf der Schöneggstrasse Tempo 30 eingeführt werden», sagt Peer. «Die Autofahrer sollen sich nach der Umleitung so schnell wie möglich wieder umgewöhnen.»

Es sind keine Änderungen am Verkehrsregime vorgesehen

In seiner Interpellation wollte Peer auch wissen, inwiefern sich der Stadtrat in die Planungen der Umleitungen einbringen konnte und fragte, weshalb der Bau der Limmattalbahn in Schlieren, wo die Verhältnisse schwieriger waren, ohne eine solche Umleitung möglich war.

Der Stadtrat zeigt sich immer noch überzeugt von der gewählten Variante und hält fest, dass die vorliegende Variante primär aus Sicherheitsgründen gewählt wurde. «Aufgrund der Strassensituation in Dietikon kristallisierte sich schnell heraus, dass nur diese Lösung möglich ist», schreibt der Stadtrat. Die Zürcher­strasse liesse aufgrund ihrer Breite ­keine sinnvollen Baubereiche zu, die den Verkehr in beide Richtungen zugelassen hätten, wie dies in Schlieren der Fall war.

Peer interessierte auch, ob die Umleitung verhindert werden könnte. Mittlerweile hat sich diese Frage er­übrigt. Der Stadtrat hält trotzdem fest: «Das Verkehrsregime auf der Schön­eggstrasse hat sich seit seiner Ein­führung bewährt.» Änderungen am Verkehrsregime seien nicht vor­gesehen, zumal temporäre Umleitungen eher zu Unklarheiten führen ­würden, da die Strassenführung immer wieder verändert und angepasst werden müsste. «Bei einer längerfristigen, aber ­kontinuierlich gleichbleibenden Umleitung müssen sich alle Verkehrsteilnehmer nur einmal auf ein neues ­Regime einstellen», schreibt der Stadtrat in seiner Stellungnahme.

Kanton soll finanziell für die Mehrbelastung aufkommen

Auf seine letzte Frage erhielt Peer nur eine kurze Antwort. Er wollte ­wissen, ob die Stadt für die Belastung als Kantonsstrasse entschädigt werde. Zusammengefasst lautet die Antwort des Stadtrats: «Nein.» Für Peer die einzige Antwort, die er so nicht akzeptieren kann. «Weil die Schöneggstrasse nun zwei Jahre lang eine Mehrbelastung erfährt, wird sie bestimmt früher fällig.

Trotzdem kommt der Kanton der Gemeinde nicht entgegen.» Peer bezeichnet den Stadtrat als «zu brav»: «Die Stadt muss jetzt Druck machen zugunsten unserer Finanzen.» Er sei kein Gegner der Limmattalbahn, ja nicht einmal ein Gegner der Umleitung. Aber dass eine Gemeindestrasse hinhalten müsse, ohne vom Kanton eine Entschädigung zu erhalten, findet Peer nicht richtig.

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