«Gerüchteweise will man in Zukunft vermehrt Fachleute in den Limeco-Verwaltungsrat wählen. Damit würde die demokratische Mitbestimmung weiter reduziert», schreibt der Dietiker Gemeinderat Ernst Joss (AL) in einer kürzlich eingereichten Interpellation. Diese Woche wurde seine Befürchtung bestätigt. Der Verwaltungsrat wurde um zwei Sitze erweitert, neben drei Politikern und zwei Ex-Politikern aus den Trägergemeinden sitzen neu auch ein Architekt und der CEO des Aarauer Regionalwerks Eniwa im Verwaltungsrat (die Limmattaler Zeitung berichtete).

In Sachen Demokratie stört sich Joss zudem daran, dass die interkommunale Anstalt Limeco der Stadt Dietikon als grösste Trägergemeinde zu einem wesentlichen Teil gehört, das Stadtparlament aber «beinahe nichts» zu den Limeco-Entscheiden zu sagen habe.

Ein weiteres Thema, das Joss beschäftigt, ist der Ausbau des Regio- beziehungsweise Fernwärmenetzes der Limeco. So merkt er an, dass der Ausbau der Leitungen begonnen hatte, «obwohl die Limeco nicht einmal ein Grundstück für den Ersatz der in die Jahre gekommenen Kehrichtverbrennungsanlage besass». Der Bau der neuen Anlage, die in den 2030er-Jahren die heutige ersetzen soll, ist zudem noch keine beschlossene Sache. Und: «Das Fernwärmenetz konkurrenziert zudem das Gasnetz der Stadt Dietikon», so Joss. Ausserdem erfolge der Ausbau des Regiowärmenetzes nicht sehr anwohnerfreundlich und der Fuss- und Veloverkehr habe erheblich unter den Bauarbeiten zu leiden, führt der passionierte Velofahrer Joss aus.

Vor diesen Hintergründen wirft Joss in der Interpellation neun Fragen auf, die der Stadtrat beantworten soll.

So fragt Joss, ob die Stadt beim Ausbau des Fernwärmenetzes konkaktiert wurde, um eine Konkurrenzierung des Gasnetzes der Stadt zu vermeiden. Weiter fragt er, wie der Stadtrat den Ausbau des Fernwärmenetzes ohne Grundlage eines regionalen Energieplanes einschätze und wie garantiert werden soll, dass das gebaute Fernwärmenetz kompatibel mit dem zu erstellenden regionalen Energieplan sein wird. Zudem will Joss wissen, wann neben dem kommunalen auch ein regionaler Energieplan vorliegen wird.

Droht finanzielle Schieflage?

«Wie stellt man sich die Produktion der Fernwärme vor, wenn der Neubau der Kehrichtverbrennungsanlage scheitern sollte?», fragt Joss zudem. Weiter wird der Stadtrat in seiner Interpellationsantwort darlegen müssen, was er unternimmt, damit der Fernwärmeausbau anwohnerfreundlicher durchgeführt wird. Joss fragt auch, wie der Stadtrat die Wirtschaftlichkeit des Fernwärmenetzes einschätzt und ob die Limeco in finanzielle Schieflage geraten könnte, wenn die Erträge nicht den Erwartungen entsprechen.

Eine weitere Frage dreht sich darum, wie die demokratische Mitbestimmung der Trägergemeinden der Limeco verbessert werden könnte und ob garantiert ist, dass Dietikon auch in Zukunft im Verwaltungsrat vertreten sein wird. Aktuell sitzen die beiden Stadträte Anton Kiwic (SP) und Lucas Neff (Grüne) für Dietikon im Limeco-Verwaltungsrat.

Die Interpellation von Ernst Joss mitunterzeichnet haben die SP-Gemeinderäte Martin Steiner, Rosmarie Joss, Kerstin Camenisch, Roland Schürch und Philipp Sanchez.