Squash

Ist die erste Mannschaft bald Geschichte? «Selbst der Rückzug ist möglich»

Diese Saison nur selten im Einsatz: John Williams (rechts) erteilt Philipp Rohrer Anweisungen.

Für Vitis Schlieren könnte die jetzige Saison die letzte in der Meisterschaft sein, sie befinden sich momentan auf dem letzten Platz. Der Teamchef John Williams bezieht Stellung.

Zehn von 18 Spielen sind in der Meisterschaft der Nationalliga A absolviert. Doch Vitis Schlieren kann die Playoffs so gut wie nicht mehr erreichen. Der fünffache Schweizermeister liegt mit nur drei Punkten am Tabellenende, 15 Zähler hinter Uster, das momentan auf Rang vier und damit auf dem letzten Playoffplatz liegt.

Wenn Uster alle Spiele verlieren würde, benötigten die Schlieremer trotzdem noch sechs Siege, um noch nach vorne zu stossen. Ein sehr unwahrscheinliches Szenario, wenn man bedenkt, dass Schlieren nur einen Sieg in zehn Spielen erreicht hat. «Die Playoffs sind weg», sagt Teamchef John Williams. «Wir müssen schauen, dass wir nicht auf dem zehnten Schlussrang bleiben, um die Barrage zu vermeiden.»

Dass es den Limmattalern, die zuletzt 2017 den Schweizermeistertitel gewannen, in dieser Saison überhaupt nicht nach Wunsch gelaufen ist, hat gemäss Williams verschiedene Gründe. Der wichtigste hat mit ihm selbst zu tun. «Ich habe diese Saison wegen meines Reizdarms kaum mal spielen können», sagt Williams, der 2001 mit der australischen Nationalmannschaft Weltmeister wurde und in der nationalen Rangliste auf Platz 19 liegt.

Und auch Manuel Wanner, mit Platz 30 in der Rangliste der nominell zweitstärkste Spieler des Teams, sei in dieser Saison immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen worden: «Er hat vor zwei Jahren mit dem Squashspielen fast aufgehört, weil er unter Rücken- und Hüftproblemen leidet.» Diese würden auch nicht mehr weggehen.

Damit brechen den Schlieremern zwei ihrer besten und erfahrensten Spieler weg. Zwar haben sie mit Valentin Rapp, der vergangene Woche gegen Nicolas Müller vom amtierenden Schweizermeister Sihltal erst nach fünf Sätzen verlor, einen sehr soliden Spieler.

Doch im Vergleich zu anderen Teams hat Vitis keine Akteure in den oberen Sphären der nationalen Rangliste. Dort belegen Sven Stettler Platz 34 und Dany Oeschger Platz 44. «Dann haben wir eine Riesenlücke», sagt Williams.

Und da diejenigen, die zum Kader gehören, verletzungsbedingt auch immer wieder ausfallen, muss man auf Spieler aus der 1. Liga zurückgreifen. Kommt hinzu, dass andere Teams sich mit ausländischen Spielern verstärkt haben. Denn im April vergangenen Jahres wurde das Gentleman’s Agreement, dass pro Team mindestens zwei Schweizer auf dem Feld stehen müssen, fallengelassen, da man sich nicht auf eine Ausländerregelung einigen konnte.

«Dadurch hat Grabs, das zweimal in Folge im Playofffinal stand, teils mit drei EU-Ausländern gespielt», so Williams. Für Vitis sei die Verpflichtung von EU-Ausländern keine Option: «Wir hatten immer mindestens zwei Schweizer im Team und wir möchten Spieler bei uns haben, die auch eine Verbindung zum Verein haben.» Abgesehen davon sei es ein enormer Aufwand, Ausländer zu verpflichten. «Man muss sich zum Beispiel um die Unterkunft kümmern», sagt Williams.

Ein bis zwei Schweizer gesucht

Für den Teamchef ist aber auch klar: Vitis Schlieren muss wieder mehr Spieler haben, die in der Rangliste weiter oben stehen. «Wir brauchen ein, zwei Schweizer, die im Ranking zwischen Platz 20 und 40 stehen», sagt er. Andernfalls müsse man sich fragen, ob es sinnvoll sei, so in der höchsten Schweizer Spielklasse weiterzumachen: «Dann käme auch ein Rückzug infrage.» Sprich: Die erste Mannschaft von Vitis Schlieren wäre Geschichte.

«Wir sind mittlerweile noch 40, 50 Clubmitglieder», sagt Williams. «Und es ist schwierig, Leute zu gewinnen. Auch das müssen wir berücksichtigen.» Konkrete Pläne für einen Rückzug gibt es aber nicht. «Wir werden das nach der Saison analysieren», so der 46-Jährige.

Erst einmal geht es für Vitis nun darum, die Barrage zu vermeiden. Mit dem neunten Rang, auf den sie vor der heutigen Partie gegen Bern zwei Punkte Rückstand haben, wäre der Ligaerhalt geschafft. «Dann könnten wir auch selber entscheiden, ob wir in der Liga bleiben oder nicht», sagt Williams. Andernfalls droht in der Barrage ein Duell mit dem Meister der Nationalliga B.

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