Universität Zürich
Iokoi aus «irgendwo und nirgends» spielt im Botanischen Garten

Mara Miccichè alias Iokoi wurde vom Popkredit der Stadt Zürich ausgewählt, um in der Reihe «Stadtsommer» an einem Ort ihrer Wahl zu spielen. Die Geroldswilerin entschied sich für den Botanischen Garten der Universität Zürich.

Daniel Diriwächter
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IOKOI im Botanischen Garten
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Vergleiche mit der isländischen Sängerin Björk liegen nicht nur wegen der ausgefallenen Kostüme nahe...
... auch musikalisch seien sie vergleichbar, heisst es in Facebook-Gruppen.
Im Botanischen Garten der Universität Zürich zeigte IOKOI neben einem Konzert auch eine Klanginstallation.

IOKOI im Botanischen Garten

Daniel Diriwächter

Keine Frage, die Stadtzürcher lieben Musik. Und sie lieben den Sommer. Die Summe daraus ergibt den alljährlichen «Stadtsommer». Um die musikalische Vielfalt von Zürich zu fördern, beurteilt der Popkredit der Stadt jedes Jahr über 200 Gesuche von Künstlerinnen und Künstlern sowie Bands aus der Region Zürich. Aus diesen werden jeweils sechs Acts ausgewählt, die einen Querschnitt des musikalischen Talents vereinen. Dabei erhalten sie eine «Carte blanche», um an einem Ort ihrer Wahl ein Open-Air-Konzert zu spielen.

Eine Darbietung stach dabei besonders ins Auge: Die Künstlerin Iokoi bespielte den Botanischen Garten der Uni Zürich. Auf Facebook wird Iokoi als Wesen, das irgendwo und nirgends zu Hause ist, angepriesen. Dies ist nicht ganz korrekt, denn es handelt sich dabei um die junge Musikerin Mara Miccichè aus Geroldswil. Mit Gesang und elektronischen Tasteninstrumenten ermahnte sie die Zürcher, die Welt für eine Weile zu vergessen.

Mara Miccichè alias Iokoi ist eine der ersten Pop-Studierenden der Schweiz, die ihr Studium mit dem Master of Arts abschlossen. Unbeirrbar geht sie seither ihren Weg, von Geroldswil bis hin nach China. Dort war sie letzten Herbst auf Tournee. Iokoi versteht sich als musikalisches Gesamtkunstwerk. Und kommt dabei Sängerin Björk gefährlich nahe. Gefährlich, weil sie stimmlich über eine facettenreichere Klangfarbe als die Isländerin verfügt. «Dieser Vergleich ehrt mich», gesteht Iokoi. Ihre Musik selbst beschreibt sie als Mischung zwischen Ambient und Pop, stets ein Spiel zwischen Weite und Intimität, Organik und Elektronik, Bild und Klang. Ihr Konzert war deshalb weit mehr als «nur» Musik.

«Die Idee, im Botanischen Garten zu spielen, hatte ich schon länger», erzählt die Geroldswilerin. Das Angebot der Stadt Zürich kam deshalb wie gerufen und bot die Möglichkeit für eine interaktive Klanginstallation, die mit dem finalen Konzert am Freitag ihren Höhepunkt erreichte. Unter dem Motto «Reset in/to Silence» führte Iokoi interessierte Hörer schon Tage vorher mittels Kopfhörern in ihre Klangwelten ein.

Trotz dieses Vorlaufs war Iokoi vor dem Hauptkonzert nervös. Denn die Besucher strömten in Scharen in den Botanischen Garten. Dieser verwandelte sich schnell in eine Art «Mini-Woodstock». Natürlich in der Deluxe-Variante. Die Bühne, inmitten des Publikums, bot der vielversprechenden Sängerin und ihrer Band ein ideales Podium, um mit sphärischen Songs die Sommernacht zu verzaubern. Tatsächlich wirkte Iokoi, oder eben Mara Miccichè, in ihrem Feder-Outfit dabei ein wenig wie die frühe Björk. Doch Vorbild hin oder her, es erstaunt nicht, dass Mara Miccichè für den diesjährigen Stadtsommer ausgewählt wurde. Zudem war es für die Veranstaltungsreihe das erste Konzert im Botanischen Garten. Die Zürcher lieben eben die Natur. Anhand des grossen Publikumsandrangs lässt sich vermuten, dass sie auch Iokoi und ihre Kompositionen lieben.