So effizient seine Bauten in der Nutzung von Energie sind, so effizient ist Karl Viridén, wenn er spricht. Seine Sätze sind präzis formuliert, deutlich und schnell. Vermutlich ist es eine Mischung aus Umtriebigkeit und Stress, die seine zügige Art zu reden auslöst. Verständlich, der Schlieremer ist zurzeit ein gefragter Mann. Sein Architekturbüro konnte am vergangenen Wochenende den europäischen Solarpreis in Berlin abholen. Sein energieeffizienter Umbau eines Wohnhauses in Romanshorn überzeugte die Jury in der Kategorie «Solares Bauen und Stadtentwicklung» (siehe Kontext). «Natürlich macht es mich stolz, wenn jahrelange Arbeit honoriert wird», sagt Viridén und verweist auf ein Tablar im schlichten Aufenthaltsraum des Büros, worauf eine ganze Reihe anderer Trophäen steht.

Nach einer Lehre als Hochbauzeichner und dem Studium am ehemaligen Technikum in Winterthur machte sich Karl Viridén im Jahr 1990 – damals 24-jährig – selbstständig. Inspiriert vom Bericht des Club of Rome zur düsteren Zukunft der Energieversorgung, spezialisierte er sich schon früh auf energieeffizientes Bauen. Doch erst seit ein paar Jahren interessieren sich die grossen Investoren für Nachhaltigkeit: «Das Baugewerbe ist noch immer träge. Energieeffiziente Bauweisen – über das gesetzliche Minimum hinaus – finden erst jetzt den Weg in den Mainstream. Die Investoren wollten sehen, dass die Technologie dahinter funktioniert.»

In Zürich wäre Rendite höher

Für sein preisgekröntes Projekt in Romanshorn fungierten Viridén und seine Partnerfirma EcoRenova AG als Bauherrschaft. Die Rendite von vier Prozent sei für ausschliesslich gewinnorientierte Immobilienfirmen tief, erklärt er diesen Schritt. Weil man für Um- sowie Innenausbau nur qualitativ hochstehendes Material verwendet habe und die üblichen Mietpreise in der Region Romanshorn eher tief liegen, werde die Rendite nach unten gedrückt. Dies sei ein kleiner Schönheitsfehler des Pionierprojekts. «In der Region Zürich wäre eine Bruttorendite von rund fünf Prozent möglich, da hier ein höherer Mietzins verlangt werden kann», fügt der 47-Jährige an.

Fassaden besser nutzen

Dass in einigen Jahrzehnten das Erscheinungsbild der europäischen Stadt von Photovoltaik-Fassaden bestimmt sein wird, glaubt Viridén derweil nicht. «Am Hauptbahnhof braucht es sicherlich keine solche Fassade, beim Prime Tower hingegen wäre es sinnvoll, wenn die Gebäudehülle Strom erzeugen würde». Neben Witterungsschutz und Wärmedämmung könne der Fassade problemlos noch eine weitere Funktion gegeben werden. Bei diesem Satz entweicht dem Architekten erstmals ein Lächeln, das sei noch Zukunftsmusik, fährt er fort.

Die Meinung der Bevölkerung über sein Projekt in Romanshorn ist gespalten. «Während die einen dem dörflichen Charakter nachtrauern, sind die anderen fortschrittlichem, dichtem Städtebau gegenüber sehr offen eingestellt.» Parallelen zu Gemeinden aus der Region können, laut Viridén, durchaus gezogen werden. Auch hier gebe es ein Spannungsfeld zwischen Erhalten und Neugestalten. Die grossflächigen Arealbebauungen in Schlieren und Dietikon hätten zukunftsweisende Aspekte. Unter anderem sei er vor drei Jahren nach Schlieren gezogen, weil hier gute Architekten am Werk und eine rasante Stadtentwicklung im Gang seien. «Es ist eine spannende Zeit für das Limmattal.»