Schlieren
Investition in Notschlafstelle rechtfertigt sich finanziell nicht

Die Sozialdienste im Limmattal werden angewiesen, Obdachlose an auswärtige Stellen zu verweisen. Dies schreibt der Stadtrat auf ein Postulat, das die Errichtung einer Notschlafstelle forderte.

Matthias Kessler
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Limmattaler Zeitung

Eine Notschlafstelle müsse an sieben Tagen in der Woche und aus Sicherheitsgründen über die Nacht in einer Doppelbesetzung geführt werden. Dies erfordere, schreibt der Schlieremer Stadtrat in seinen Ausführungen auf ein Postulat von Gemeinderätin Gaby Niederer (Quartierverein), «rund drei Stellen sowie zusätzliche Aushilfen».

Kosten von 400000 Franken

Niederer hatte im Herbst letzten Jahres gefordert, «die Errichtung einer Notschlafstelle, allenfalls in Zusammenarbeit mit weiteren Gemeinden, zu prüfen». Grund für den Vorstoss war die Schliessung der Notschlafstelle «Ur-Dörfli», die von den Sozialwerken von Pfarrer Ernst Sieber betrieben wurde; Sieber seinerseits hatte die Notschlafstelle vom Sozialdienst Limmattal (SDL) Mitte 2004 übernommen. Mit dem Ende des «Ur-Döflis», so Niederer, bestehe im Limmattal keine Unterkunftsmöglichkeit mehr für Obdachlose und Randständige.

Das Bereitstellen einer Notschlafstelle wird vom Schlieremer Stadtrat mit 400000 Franken veranschlagt. Diese Kosten seien mit den Beiträgen der Sozialdienste in Höhe von rund 150000Franken nicht zu decken.

«Auch wenn der Betrieb einer Notschlafstelle im Bezirk Dietikon von den Sozialdiensten gewünscht wäre, rechtfertigt sich die Investition finanziell und belegungsmässig nicht», folgert der Schlieremer Stadtrat in seiner Antwort. Die Sozialdienste seien deshalb angewiesen worden, Personen an auswärtige Notschlafstellen zu vermitteln. Derzeit böten die Städte Zürich und Winterthur entsprechende Unterkünfte an – an beiden Orten seien es Durchgangsheime der Heilsarmee. Die Sozialdienste im Bezirk zahlten pro Übernachtung in der Notschlafstelle Zürich zwischen 50 und 105 Franken pro Person, für eine Übernachtung in der Notschlafstelle in Winterthur sind es 110Franken.

Ein Projekt für Jugendliche

Für die Unterbringung randständiger Jugendlicher werde vom SDL ein Projekt erarbeitet, hält die Schlieremer Exekutive fest. So sollen in diesem Zusammenhang Wohnungen angemietet werden können, «um jungen Erwachsenen ein niederschwelliges Angebot vorübergehend» bereitstellen zu können.

Im Weiteren führt der Schlieremer Stadtrat die von Siebers Sozialwerken genannten Belegungszahlen aus. Demnach waren im «Ur-Dörfli» im Jahr2009 total 74Übernachtungen von Personen aus Schlieren zu verzeichnen, was einem Durchschnitt von 6,2Übernachtungen pro Monat entspricht. Im Jahr 2008 waren es gemäss dieser Aufstellung 174Übernachtungen (14,5 pro Monat), 2007 57 (4,8 pro Monat) und im Jahr 2006 42 (3,5pro Monat).