Vor einem Monat überschwemmten sie Zürich, seit gestern verändern sie auch im Limmattal das Stadtbild: die knallgelben Velos von O-Bike. Allein um den Bahnhof Dietikon wurden 30 Exemplare platziert. Das Gebäude der Limmattaler Zeitung an der Heimstrasse 1 war geradezu umzingelt von den Velos: Nicht weniger als 20 warteten hier auf Kundinnen und auf Kunden. Am Bahnhof Glanzenberg fanden sich 25, am Bahnhof Schlieren elf der Mietvelos. Zusätzlich wurden sechs im Zentrum Spitzacker und 13 beim Bahnhof Urdorf platziert. Buchstäblich über Nacht haben die O-Bikes so das Limmattal eingenommen.

O-Bikes unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Zahl und Farbgebung von anderen Verleih-Angeboten. Die Velos aus Singapur sind auch speziell, was ihre Handhabung angeht. Per Smartphone lässt sich das nächste freie O-Bike orten und über einen Scan entriegeln. Nach der Benutzung kann es theoretisch an einem beliebigen Ort wieder abgestellt werden, wo es dann dem nächsten Kunden zur Verfügung steht.

Von den zuständigen Stellen der Stadt Dietikon sind die auffälligen Drahtesel gestern noch nicht registriert worden. Sie werden demnach auch nicht oder noch nicht als Problem gesehen. Michael Weber, Leiter Sicherheits- und Gesundheitsabteilung, sagte auf Anfrage, dass die Velos kein Thema seien. «Wir hatten mit O-Bike keinen Kontakt und planen derzeit auch nicht, uns mit ihnen auszutauschen.» Die Anzahl der gelben Velos müsste signifikant höher sein, um vonseiten der Stadt eine Reaktion auszulösen, sagte Weber weiter.

Sie sind nicht überall beliebt

In Zürich kam es ob der teils wild platzierten O-Bikes – die ganze Flotte umfasst da 900 Exemplare – schon zu Beschwerden. Sie verstopften die öffentlichen Plätze und überschwemmten die Veloständer, lautete die Klage. So sah man sich vonseiten der Stadt zu Gegenmassnahmen gezwungen. Zumindest in puncto Velodichte wurde die Firma aus Singapur zur Moderation angehalten: Künftig dürfen nur noch zehn Prozent der öffentlichen Veloständer von ihr beansprucht werden. Falsch parkierte Velos werden zudem kurzerhand aus dem Verkehr gezogen.

O-Bike hat nicht vor, es bei den schon durchgeführten Aktionen bewenden zu lasen. Vielmehr ist schweizweit eine grosse Expansion angedacht. Neben Luzern, Basel und Bern sollen die Velos demnächst auch in Winterthur Einzug halten. Es ist damit zu rechnen, dass sie sich an allen diesen Standorten in ähnlich robuster Anzahl präsentieren werden.

Die Invasion der Wespenvelos erstreckt sich im Übrigen auch auf andere Länder. In ganz Europa und selbst in China wurden die Strassen über Nacht mit gelben Tupfern bedacht. Die Begeisterung darüber hält sich eher in Grenzen. In London werden die Velos als gelbe Plage bezeichnet. Amsterdam, das über Nacht ebenfalls um hunderte Geräte bereichert wurde, hat sie sogar verboten.

Unter Umständen lukrativ

Eine Fahrt mit einem O-Bike kostet pro Stunde eineinhalb Franken; zu kaufen gibt es auch ein Monats- und ein Jahresabo für 40 beziehungsweise 110 Franken. Um das Angebot nutzen zu können, muss allerdings zuerst eine Kaution von 129 Franken hinterlegt werden. Laut einem Bericht der Wochenzeitung «Die Zeit» dürfte sich der Verleih für O-Bike kaum lohnen. Demnach sei man vielmehr auf die Erhebung von Bewegungsdaten aus. Diese könnten dann an Werbe- und Marketing-Firmen weiterverkauft werden.

Je nach Menge der Daten könnte das durchaus lukrativ werden. Beispielsweise liessen sich Aktionen und Angebote eines Ladenlokals zielgenau denjenigen präsentieren, die oft daran vorbeiradeln. Sollten dereinst wirklich viele mit den Velos unterwegs sein, würden die Daten auch für die jeweiligen Städte interessant. Ob es soweit kommt, ist zumindest fraglich: Trotz des überreichen Angebots wurden die gelben Drahtesel bis jetzt noch kaum in Bewegung gesehen.