ITF Futures Turnier

Internationale Tennistour macht Halt in Schlieren

Auf der Anlage vom Tennisclub Schlieren wird auch eine Tribüne mit rund 200 Plätzen errichtet. ZVG

Auf der Anlage vom Tennisclub Schlieren wird auch eine Tribüne mit rund 200 Plätzen errichtet. ZVG

Am ITF Futures Turnier auf der Anlage des Tennisclubs Schlieren duellieren sich internationale Tennisprofis mit Schweizer Topspielern

In einem Essay bezeichnete der verstorbene Autor David Foster Wallace einst das Tennisspiel von Roger Federer als religiöse Erfahrung. Mit poetischen Worten beschrieb er, wie anmutig und voller Grazie sich der Maestro übers Feld bewegt. Nur: Die Fernsehbilder werden der Eleganz, Dynamik und Intensität des Sports oft nicht gerecht. Wer noch nie an der Grundlinie stand und von seinem Gegenüber einen Aufschlag von über 180 Kilometern pro Stunde empfing, kann sich kaum vorstellen, wie schnell die gelbe Filzkugel tatsächlich durch die Luft fliegt.

Zum Glück muss man als Limmattaler nicht weit reisen, um den Profis zuzuschauen, wie sie sich Bälle um die Ohren hauen. Vom 1. bis 8. September gastiert das mit 25 000 Dollar dotierte Men’s Futures Turnier der International Tennis Federation (ITF) auf der Anlage des Tennisclubs Schlieren. An den ersten beiden Tagen spielen die Qualifikanten um die letzten acht von insgesamt 32 Plätzen im Haupttableau. Am zweiten Samstag wartet mit dem Final inklusive Rahmenprogramm der grosse Schlusspunkt. Zudem wird eine Doppelkonkurrenz mit 16 Mannschaften durchgeführt, die am Freitag ihren Sieger krönt.

Erfahrene Teilnehmer

Zwar können sich die bisher registrierten Teilnehmer bis Ende August unter Begleichung einer Busse wieder vom Turnier abmelden, aber das provisorische Line-up verspricht hochklassiges Tennis am Unterrohrweg. Über 20 Spieler gehören zu den besten 1000 Tennisspielern der Welt, der Höchstklassierte liegt derzeit auf Platz 332 der Weltrangliste. Zudem sind die Futures-Turniere bekannt dafür, jungen Talenten als Sprungbrett nach oben zu dienen.

Auch aus Schweizer Sicht darf einiges erwartet werden und gleich drei der besten zehn sind am Start. Der amtierende Schweizer Meister und die Nummer vier der nationalen Rangliste, Sandro Ehrat, tritt in der Qualifikation an. Für das Haupttableau gesetzt sind die Nummer sieben Adrian Bodmer, nationaler Meister vor zwei Jahren, und die Nummer neun Adrien Bossel. Beide verfügen über Erfahrung mit dem Schweizer Davis-Cup-Team.

Die Vorbereitungen auf das Turnier waren ein Kraftakt. Der TC Schlieren erhielt die definitive Zusage für die Ausführung erst im März. Schlieren kam als Standort überhaupt erst ins Spiel, nachdem die Durchführung in einem anderen Club nicht zustande gekommen war. Ein langjähriges Vereinsmitglied, der im Vorstand vom Regionalverband Zürich Tennis ist, stellte den Kontakt zu Swiss Tennis her, wie Clubpräsident Olivier Wehrli erzählt. Die Anfrage sei überraschend gekommen, aber die Zusage war in der nächsten Vorstandssitzung schnell klar: «Wir haben etwa 20 bis 30 Sekunden überlegt, bis wir entschieden, dass wir es machen wollen», sagt Wehrli. Man wolle auch einen Beitrag für die Region leisten und dazu den Schweizer Nachwuchs fördern. Denn an Turnieren in der Schweiz stehen heimischen Spielern mehr Startplätze zur Verfügung.

Hilfe aus dem Nachbarkanton

Dem im März aufgestellten Organisationskomitee blieb nur ein knappes halbes Jahr, um ohne vorherige Erfahrungen in dieser Grössenordnung ein gutes Turnier auf die Beine zu stellen. Support fanden sie unter anderem im Nachbarkanton Aargau, wo Freddy Blatter im Winter seit Jahren ein ITF Futures Turnier durchführt. «Er hat uns viele Inputs gegeben und gezeigt, wie es bei ihm läuft», so Wehrli. Auch von der Stadt wurde das Turnier positiv aufgenommen. Beim Angebot der Parkplätze und der Signalisation des Turniers sowie bei der Abfallentsorgung greift die Stadt dem Verein unter die Arme. Eine grosse Herausforderung war das Sponsoring, zumal die meisten Budgets zum Zeitpunkt der Turnierzusage längst feststanden. Trotzdem stehe das Turnier finanziell auf gutem Fundament, so Wehrli. Und man habe viel materielle Unterstützung erhalten, etwa bei der Infrastruktur und dem Druck des Werbematerials.

Wehrli ist optimistisch, dass die Suche nach Geldgebern nächstes Jahr einfacher wird, wenn die Organisation deutlich früher starten kann. Denn wenn es gut läuft, soll das Turnier zum festen Bestandteil des Limmattaler Sportkalenders werden. Von der Stadt habe man erste Signale erhalten, dass sie mit mehr Vorlaufzeit die Unterstützung erhöhen will. «Auch Swiss Tennis sucht langjährige Partner.» Zum jetzigen Zeitpunkt sind die ehrenamtlichen Organisatoren um Wehrli guter Dinge über den Stand der Vorbereitung. Auch der von der ITF entsandte Chef-Schiedsrichter hätte ihnen eine gute Arbeit attestiert, sagt Wehrli.

Mehr Stimmung dank Tribüne

Für die erste Septemberwoche wird auf der Anlage des TC Schlieren eine 16 Meter breite Tribüne mit rund 200 Plätzen errichtet, um vielen Zuschauern eine gute Sicht zu ermöglichen. Hier findet unter der Woche jeweils um 18 Uhr eines der Topspiele des Tages statt. Weil das Turnier in einem eher familiären Rahmen stattfindet, bietet sich den Besuchern auf dem Gelände zwischendurch auch mal die Möglichkeit zur Interaktion mit den Profis.

Den 18-jährigen Winterthurer Gian Grünig wird Wehrli besonders im Blick haben. Dem Club stand eine Wildcard zur Verfügung, die einem beliebigen Spieler die Teilnahme an der Qualifikation ermöglicht. Das Organisationsteam entschied sich für den amtierenden Schweizer U18-Vizejuniorenmeister.

Anhand der extrem unterschiedlichen Zuschauerzahlen von anderen Turnieren seien Prognosen nicht einfach, sagt Wehrli. «Wenn wir an einem Spitzentag 150 Zuschauer auf die Anlage bringen, dann sind wir zufrieden.» Der Raum Zürich habe als grosses Einzugsgebiet mit vielen Einwohnern und viel kulturellem Angebot Vor- und Nachteile. Und immer wieder betont Wehrli, dass bei aller Vorbereitung letztlich das Wetter einen grossen Einfluss auf den Anlass unter freiem Himmel haben wird.

Es ist das erste Mal, dass im Limmattal ein vergleichbares Tennisturnier durchgeführt wird. «Es wird spannend sein zu beobachten, was das Turnier bewirken wird», sagt er – sowohl für den Club wie auch für die Region. Doch zunächst freut er sich darauf, dass es in Schlieren bald heisst: «Game. Set. Match.»

ITF Men’s Futures Tennisturnier, 1. bis 8. September, im Tennisclub Schlieren

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