Es ist das grösste Projekt der Migros im Aargau: In Spreitenbach versucht die Genossenschaft Aare seit Jahren, die Baubewilligung für den «Tivoli Garten» zu erhalten. Für über 200 Millionen Franken will sie einen Obi und zwei Hochhäuser (mit 423 Wohnungen) bauen.

In das Projekt integriert ist eine Limmattalbahn-Haltestelle. Genau diese ist nun durch die Beschwerde des VCS Aargau vorerst blockiert. Der Umweltverband, der sich stets für mehr öffentlichen Verkehr einsetzt, hatte diese kürzlich eingereicht. Für viele Beobachter ist das ein Widerspruch.

Anton Gäumann, Geschäftsleiter der Migros Aare, hatte schon an der Jahresmedienkonferenz vor drei Wochen auf den Konflikt hingewiesen: «Allfällige Einsprachen hätten sicherlich Auswirkungen auf das Gesamtprojekt, insbesondere auch auf den Ausbau der Limmattalbahn. Dessen müssen sich die Einsprecher bewusst sein.»

Reduktion des Autoverkehrs gefordert

Die Migros Aare hoffte damals noch auf eine Umbesinnung des VCS. Doch der Verband bekämpft das Projekt «Tivoli Garten» weiter. Er hat Beschwerde beim Aargauer Regierungsrat eingelegt. Schiesst sich der VCS damit nicht ins eigene Bein und macht sich als Verfechter des öffentlichen Verkehrs unglaubwürdig?

Man begrüsse die Limmattalbahn und setze sich für diese ein, hält VCS-Aargau-Geschäftsführer Fabio Gassmann in einer Mitteilung fest. Zudem habe der Verkehrs-Club auch Verständnis für die schwierige Situation, in der sich die Bahn mit Blick auf die Haltestelle beim «Tivoli Garten» befinde.

Eine möglichst attraktive Anbindung des Shoppi Tivoli mit der Limmattalbahn sei im Interesse aller, schreibt Gassmann weiter. Allerdings müsse gleichzeitig mit dieser eine Reduktion des Autoverkehrs erfolgen, so Gassmann.

Neue Varianten sind in Prüfung

Derzeit kommen 86 Prozent der Kunden mit dem Auto zum Einkaufen nach Spreitenbach. VCS-Präsident Jürg Caflisch wünscht sich, dass dieser Anteil auf 70 Prozent sinkt. Dann wäre der Verband laut Caflisch bereit, seine Beschwerde zurückzuziehen. Aus Sicht des VCS sollen Autofahrten insbesondere dank höheren Parkgebühren vermieden werden.

Daniel Issler, Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn, bedauert die VCS-Beschwerde. Er hofft, dass sich die beiden Parteien einig werden. Denn im Herbst werden die Bauarbeiten für die zweite Etappe der Limmattalbahn ausgeschrieben. «Wir prüfen nun verschiedene Varianten und Projektanpassungen, dank denen wir die Haltestelle falls nötig trotz des Rechtsstreits bauen könnten», sagt Issler.

Die Limmattalbahn könne aus Zeitgründen nicht an der bisherigen Lösung festhalten, da der Rechtsweg zu lange dauern würde. Issler geht davon aus, dass mit einer Projektänderung der Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Limmattalbahn Ende 2022 eingehalten werden kann.