Urdorf

Intelligente Strassenlampen - Licht, das uns beobachtet

Die LED-Leuchten an der Birmensdorferstrasse werden für einen Pilotversuch mit einem Energiesparsystem ausgestattet.

Die LED-Leuchten an der Birmensdorferstrasse werden für einen Pilotversuch mit einem Energiesparsystem ausgestattet.

Mehr Licht bei viel Verkehr – Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich testen an der Birmensdorferstrasse ein energiesparendes Beleuchtungssystem

Als europaweit einmaliges Projekt preisen die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) ihr Pilotprojekt in Urdorf. Mit 27 LED-Leuchten testen sie auf einem zirka ein Kilometer langen Abschnitt der Birmensdorferstrasse ein neues Beleuchtungssystem. Gemeinsam mit der kantonalen Baudirektion wird der Versuch durchgeführt. Man erhoffe sich dadurch Stromeinsparungen von bis zu 30 Prozent, geht aus der Medienmitteilung hervor.

Der Verkehrsteilnehmer sei selbst Taktgeber beim neuen System. Nutzen nur wenige Fahrzeuge und Velos die Strasse, dann geben die LED-Leuchten nur rund etwa 40 Prozent der Helligkeit von sich. Befinden sich mehr Verkehrsteilnehmer auf dem vom Sensor erfassten Abschnitt, geben die Leuchten mehr Licht ab. Dorothea Ditze, Sprecherin der EKZ, erklärt, dass mithilfe der Sensoren Messdaten zum Verkehrsfluss an eine virtuelle Zentrale gesendet werden. «Per Funk werden diese Werte dann an die Leuchten weitergegeben.» Die Verantwortlichen sprechen von «verkehrsbeobachtendem Licht».

Erfolg in Regensdorf

Bereits vor einem Jahr starteten die EKZ ein ähnliches Pilotprojekt in Regensdorf. Dabei handelte es sich um «vorauseilendes Licht». Wenn kein Verkehr da ist, leuchten die Strassenlampen mit 50 Prozent der für die Verkehrssicherheit notwendigen Helligkeit. Sobald sich ein Fahrzeug näherte, wurden sie jedoch heller. Und sie verdunkelten sich wieder, wenn sich dieses entfernte. Die Änderung der Lichtverhältnisse bekam der Autolenker nicht mit, da er sich stets im Lichtkegel befand. Ein Anwohner hingegen bemerkte die sich verändernde Helligkeit sehr wohl: Er beschwerte sich bei den EKZ. «Seither ist jedoch keine weitere Beschwerde aus der Bevölkerung an uns herangetragen worden», so Ditze. Die Birmensdorferstrasse in Urdorf bietet für den Pilotversuch ideale Testbedingungen, wie sie weiter ausführt. «Verkehrsmessungen im Vorfeld zeigten ein hohes Verkehrsaufkommen zur Rush Hour, das sich danach wieder deutlich reduziert.» Solche Kantonsstrassen seien prädestiniert zum Energiesparen.

Anders als in Regensdorf wird die Bevölkerung nichts von den «verkehrsbeobachtenden» Leuchten mitbekommen: «Die fliessende Lichtveränderung erfolgt zur Zeit im Viertelstundentakt und ist für den Menschen kaum wahrnehmbar. Diese Frequenz ist ebenfalls Gegenstand der derzeitigen Tests», so Jörg Haller, Leiter Öffentliche Beleuchtung bei den EKZ. Beschwerden aus der Urdorfer Bevölkerung erwarten die Verantwortlichen nicht. In der einjährigen Pilotphase würden nun die Zuverlässigkeit und die Kosten, aber auch die eingesparte Energie sowie die Akzeptanz der Bevölkerung eruiert, sagt er weiter.

Für Massnahmen braucht es Zeit

Noch heute, rund ein halbes Jahr nach Ende der Pilotphase, ist das «vorauseilende Licht» an der Regensdorfer Niderhaslistrasse installiert. Ein Wechsel auf herkömmliche Beleuchtungsmethoden ist nicht vorgesehen, wie Thomas Maag von der kantonalen Baudirektion auf Anfrage sagt. Dass nun innert kürzester Zeit energiesparende Strassenbeleuchtungen wie Pilze aus dem Boden schiessen, denkt er allerdings nicht: «Uns geht es darum, die Wirtschaftlichkeit solcher Systeme zu testen.» So wolle man über einen längeren Zeitraum, Daten über die effektive Energieersparnis und Unterhaltskosten sammeln. Es brauche sicherlich zwei bis drei Jahre, bis sich konkrete Massnahmen für Zürcher Kantonsstrassen ableiten lassen. Auch würden sich viele Strassen nicht für solche Systeme eignen. Der Grund: «An viel befahrenen Strassen lohnt sich eine mögliche Dimmung nicht, da der Verkehr die LED-Lampen stets hell leuchten lassen würde», so Maag weiter.

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