Seit August setzt das Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich das vierjährige Projekt «Integrationsvorlehre» im Rahmen des entsprechenden Pilotprogramms des Staatssekretariats für Migration um. Das Angebot richtet sich an anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene, die im Anschluss eine zwei- oder dreijährige Lehre anstreben. Die regionalen Berufsinformationszentren (biz) haben den Auftrag, abzuklären, welche Kandidaten sich dafür eignen. Das biz Urdorf ist für die Abklärung im Limmattal zuständig.

Herr Schumacher, Sie haben in der Hand, ob ein Flüchtling oder eine aufgenommene Person eine Integrationsvorlehre starten darf oder nicht.

Stefan Schumacher: Ich mache die Abklärungen dazu. Am Ende entscheiden aber die Betriebe und die Lernenden, ob sie einen einjährigen Integrationsvorlehrvertrag eingehen wollen oder nicht.

Was sind das für Abklärungen?

Meine Aufgabe ist es, herauszufinden, ob die Kandidatinnen und Kandidaten genug Potenzial für die Vorlehre mitbringen. Sie müssen zum Beispiel ein gewisses Zahlenverständnis haben. Mathematik braucht man in jedem Beruf. Auch die Lernerfahrung ist von Bedeutung. Voraussetzung für jede Vorlehre sind zudem die Sprachkenntnisse. Die Lernenden müssen die deutsche Sprache auf A2 Niveau beherrschen und es muss das Potenzial da sein, zumindest B1 Niveau bis zum Ende des Vorlehrjahrs zu erreichen. Eine ganz wichtige Rolle spielt aber auch die Motivation. Ich muss spüren, dass die Person willens ist, Neues zu lernen und Hürden zu überwinden.

Wie gross ist die Nachfrage?

Sie ist gross, denn nicht nur die Flüchtlinge haben Interesse daran, eine Ausbildung zu absolvieren, um so später im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen und eigenes Geld zu verdienen, sondern auch die öffentliche Hand. Eine Chance auf eine Lehre bedeutet in den meisten Fällen, dass diese Personen irgendwann keine Sozialkosten mehr verursachen werden. Deshalb erfahren viele Flüchtlinge oftmals von den sozialen Diensten ihrer Wohngemeinde vom Angebot.

Wie bedeutet das in Zahlen?

Wir haben rund 20 Potenzialabklärungen mit Kandidaten aus dem Bezirk Dietikon durchgeführt. Nicht mitgezählt sind Personen, bei denen sich sofort zeigte, dass sie für die Vorlehre zu diesem Zeitpunkt nicht geeignet sind. Sechs Kandidaten aus dem Limmattal starteten im August in die Integrationsvorlehre in den Berufsfeldern Gebäudereinigung, Detailhandel, Betriebsunterhalt, Gleisbau und Logistik.

Hat man die beruflichen Präferenzen der Kandidaten dabei berücksichtigt?

Für viele Kandidaten war das Berufsfeld zunächst weniger wichtig. Die Hauptsache war für sie, dass sie die Möglichkeit bekommen, in die Arbeitswelt einzusteigen. Es ist unsere Aufgabe, dass wir diese Frage stellen und die Interessen in der Beratung gemeinsam ausloten.

Welche Limmattaler Unternehmen bieten Ausbildungsplätze an?

Insgesamt vier Limmattaler Betriebe nehmen bis jetzt am Projekt teil. Es sind dies die Firma «Huuswartsservice» in Dietikon, Coop Silbern in Dietikon, das Transportunternehmen Planzer in Dietikon und die Gartenbaufirma Häusermann in Bergdietikon.

Die Lernenden erhalten mit der Vorlehre aber nicht nur eine Chance, sie leisten auch Arbeit. Wie wird diese vergütet?

Das kantonale Mittelschul- und Berufsbildungsamt empfiehlt einen Lohn von mindestens 380 Franken pro Monat. Betriebe können sich aber auch am Monatslohn von 1.-Lehrjahr-Lernenden orientieren und mindestens die Hälfte dieses Betrags zahlen.

Was halten Sie persönlich vom Projekt?

Ich begrüsse es sehr. Für Personen, die noch nicht bereit für eine normale Lehre sind, ist es eine super Vorbereitung. Sie können auf diese Weise im ersten Arbeitsmarkt bereits Erfahrungen sammeln.