Oberengstringen
Integrationsförderung: Diese Menschen heissen jeden willkommen

Im Haus für Alle finden Kontaktfreudige Gesellschaft und Neuzuzüger Anschluss. Hier ist jeder Mensch willkommen. Man kann Kontakte knüpfen, mit seinen Kindern basteln oder eins der weiteren Angebote nutzen – und fühlt sich einfach wohl.

Clara dos Santos Buser
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Haus für Alle
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Rim Tebina (36), Oberengstringen «Ich komme seit sechs Monaten regelmässig hierher. Ich will Kontakte knüpfen.»
Bert Winkler (59), Unterengstringen «Das Haus für Alle ist aussergewöhnlich. Man kann ohne Eintritt hineingehen.»
Khaoula Kourchid (28)mit Haroun (9 Monate), Oberengstringen «Das Haus für Alle ist eine gute Idee. Ich kann mit Leuten sprechen und die Kinder können spielen.»
Das Haus für Alle befindet sich im ehemaligen Postgebäude und jetzigen alevitischen Zentrum in Oberengstringen.
Susi Stulz (87) und Hermann Burri (57), Oberengstringen «Am besten kommt man hierher, wenn man bereits jemanden kennt. Sonst wird es eher schwierig», sagt Burri.
Basteln gehört zu den angebotenen Aktivitäten. Einige handgemachten Objekte wurden auch am Dorfplatzmarkt verkauft.

Haus für Alle

Clara Dos Santos Buser

Lachende Kinder rennen hin und her, die nahöstlichen Akzente der Dekoration springen gelegentlich ins Auge. Fremdsprachen wie Türkisch und Arabisch fliessen ins Ohr, eine familiäre Stimmung herrscht. Zweimal in der Woche verwandeln sich die Räume des alevitischen Kulturzentrums in die religiös neutrale Gemeinnützige Haus für Alle.

Seit 2017 stehen in Oberengstringen die Türen des Rückzugsorts jeden Mittwoch und Freitag offen. «Wir bieten einen Treffpunkt für Menschen an, die ihre freie Zeit sinnvoll nutzen wollen», sagt Edith Davitti, ehemalige Gemeinderätin und Mitglied des sechsköpfigen Teams.

«Das aktuelle Besucherprofil reicht vom Baby bis zur Urgrossmutter. Moslems, Christen und Atheisten: Alle sind willkommen», sagt Mitglied Verena Christen. Insbesondere Migranten, alleinstehende Mütter, Kinder und ältere Damen verkehren im Haus. Letzten Freitag herrschte ein lebhafter Trubel in den Räumlichkeiten. Während die Kinder am Boden spielten, lernten die Mütter am Tisch zwischendurch Deutsch. «Es geht jetzt vor allem darum, dass sie Konversation üben und den eigenen Wortschatz erweitern», so Davitti.

Der spontane Kurs sei dank der gleichzeitigen Betreuungsmöglichkeit für die Frauen attraktiv. Doch wer lieber konzentriert und in Ruhe lernen will, findet im Haus für Alle ebenfalls ein entsprechendes Angebot. Das Haus für Alle bietet nicht nur einen Ort für das Erlernen einer Sprache, sondern auch zum Basteln, Nähen oder nur Verweilen und neue Personen bei einem Kaffee kennenlernen.

Die gemeinnützige Organisation wird hauptsächlich von Spenden finanziert. «Privatpersonen unterstützen uns mit Geld oder materiellen Gütern», sagt Mitglied Stefan Bolz. Die Besucher legen auch etwas in die Kaffeekasse hinein, die Höhe des Betrags kann jeder und jede selber entscheiden. Bedürftige holen sich gelegentlich nicht nur das vom Limmatbeck gespendete Brot, sondern auch Hilfe, wenn es beispielsweise um Korrespondenz oder ein Job-Interview geht.

Aber auch die Hilfsbereitschaft des Teams hat Grenzen. «Hier bieten wir eine gewisse Betreuung an, aber wir sind keine Sozialstelle. Wohnungen oder Arbeitsstellen können wir nicht vermitteln», sagt Maya Aeschbacher. Davitti ergänzt: «Was wir anbieten, ist eine freundliche Unterstützung.»

Und lohnt es sich, so viel Energie, Zeit und Geld in einer gemeinnützigen Organisation hineinzustecken? Gründungsmitglied Davitti sagt von sich, sie besässe eine soziale Ader. «Und auf dem Kopf hast du einen Heiligenschein, Edith», sagt ihr Kollege Hermann Burri. «Ich mache es aus einem ganz egoistischen Grund: Weil helfen so guttut», sagt Davitti und lacht.