Dietikon/Schlieren

Integration: Heisse Kartoffel zurück bei den Gemeinden

Integration spielt in Dietikon und Schlieren ein zentrale Rolle, insbesondere in der Schule

Integration spielt in Dietikon und Schlieren ein zentrale Rolle, insbesondere in der Schule

Die regionale Fachstelle für Integration ist gescheitert, das Integrationsgesetz wurde begraben – doch wie geht es jetzt weiter mit der Integrationsarbeit in Schlieren und Dietikon?

Nach dem Scheitern der Integrationsfachstelle «Antenne Limmattal» im Jahr 2008 wollten die Städte Dietikon und Schlieren in Sachen Integration nichts Neues anfangen – man wollte die neuen Spielregeln abwarten, die das kantonale Integrationsgesetz versprach. Doch nun ist dieses vom Kantonsrat deutlich abgeschmettert worden, der Kanton gibt die heisse Kartoffel zurück an die Gemeinden. Jetzt stellt sich die Frage: Haben die beiden Städte einen «Plan B» zur Hand?

Schlierens Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin findet deutliche Worte für den Entscheid des Kantonsrats: «Er ist schlichtweg unverständlich.» Der Kantonsrat spreche zwar von den Problemen, nehme seine Verantwortung aber nicht wahr. Brühlmann hätte sich auf eine kantonal gültige gesetzliche Regelung gefreut: «Das Integrationsgesetz hätte uns mit seiner Leitplankenfunktion Sicherheit gegeben.»

«Integrationsgesetz nicht nötig»

Nicht überrascht ob des Entscheids des Kantonsrats ist der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller: «In der vorliegenden Form ist das Integrationsgesetz nicht nötig.» Ein solches Gesetz mache nur Sinn, wenn man Druck auf integrationsresistente Personen ausüben könne. Müller zeigt sich, im Gegensatz zu seinem Schlieremer Amtskollegen, sogar erleichtert über den Entscheid: «Dieses Gesetz hätte für die Gemeinden eine deutliche Mehrbelastung bedeutet.»

Ein «Plan B» werde nach dem Scheitern des Integrationsgesetzes nicht gebraucht; Dietikon habe die Integrationsarbeit unabhängig vom Entscheid des Kantonsrats weitergeführt, betont Müller. «Wir haben befristet, im Sinne eines Versuches, eine Integrationsfachstelle mit 40 Stellenprozenten, die wir jetzt um 20 Stellenprozente erweitern werden.» Ausserdem hat die Stadt Dietikon beim Kanton ein Integrationsprojekt eingegeben. Es wurde bewilligt, der Kanton hat einen Beitrag von 50000 Franken gesprochen. Das Projekt soll bald der Öffentlichkeit präsentiert werden. Müller verrät: «Es nennt sich ‹Dietikon im Gespräch› und richtet sich an frisch zugezogene Ausländer.» Die Neuzuzüger werden zu einem Gespräch eingeladen, bei dem sie über den Alltag, ihre Pflichten und Rechte orientiert werden.

Integration über Schule

In Schlieren ändere sich nach der Bruchlandung des Integrationsgesetzes vorläufig nicht viel: «Die Integration wird weiterhin in erster Linie über die Schule stattfinden», sagt Brühlmann, betont aber, dass weiterer Handlungsbedarf besteht. Gerade in Schlieren, mit einem Ausländeranteil von über 40 Prozent, spiele Integration eine zentrale Rolle. «Wir werden uns Gedanken über weitere Integrationsprogramme machen, beispielsweise in Richtung Sprachunterricht.» Das werde man dieses und kommendes Jahr intensiver diskutieren. Weitergeführt würde auch das Pilotprojekt «Stadtrundgang», in dessen Rahmen ausländische Neuzuzüger einen halben Tag lang durch Schlieren geführt werden.

Die «Antenne Limmattal», die regionale Integrationsfachstelle, war 2005 mit der Unterstützung des Kantons von Schlieren und Dietikon eingerichtet worden. 2008 strich das Schlieremer Parlament gegen den Willen des Stadtrates den Beitrag von 20000 Franken aus dem Budget und zog sich aus dem Projekt zurück. 2009 schloss Dietikon die «Antenne» ganz und führt seither eine kleine Integrationsfachstelle.

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